Zum Hauptinhalt springen

Ehemaliger Ostschweizer Zahnarzt bedroht Richter mit Tod

Weil er einen Richter mit dem Tod bedroht hat, soll ein 67-jähriger Ostschweizer zur Sicherheit verwahrt werden. Der ehemalige Zahnarzt beschäftigt die Justiz seit Jahren. Die Gerichtsverhandlung gegen den Querulanten fand am Freitag unter Polizeischutz statt.

Gefährlicher Vertreter seines Berufsstandes: Ein Ostschweizer Zahnarzt soll unter anderem wegen Morddrohungen verwahrt werden.
Gefährlicher Vertreter seines Berufsstandes: Ein Ostschweizer Zahnarzt soll unter anderem wegen Morddrohungen verwahrt werden.
Keystone

Der 67-Jährige hatte dem Richter im vergangenen Sommer einen schwarz umrandeten Brief mit dem Titel «Morddrohung» geschickt. Darin hiess es: «Wenn Sie nicht bis Ende August 2016 dafür sorgen, dass mir und meiner Frau unsere Vermögenswerte ausbezahlt werden, werde ich mich an Ihnen rächen».

Kurze Zeit später doppelte er nach und schrieb. «Ich garantiere Ihnen einen langsamen und qualvollen Tod - dann weiss ich wenigstens, warum ich im Gefängnis sitze». Da die Post am 1. August geschlossen war, konnte er den eingeschriebenen Brief nicht abschicken. Tags darauf wurde der ehemalige Zahnarzt verhaftet und sitzt seither im Gefängnis.

Behördenmitglieder in Gefahr

Laut Anklage hat sich der Beschuldigte der mehrfachen versuchten Drohung gegen Beamte schuldig gemacht. Der Staatsanwalt verlangt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Der Richter und seine Mitarbeiter fühlten sich eingeschüchtert. Dazu hätten sie allen Grund. Denn der Beschuldigte hatte im Frühling 2012 in den Räumen des Kreisgerichts Rorschach ein Gemisch von Orangensaft und Dieselöl ausgegossen und damit gedroht, das nächste Mal das Gerichtshaus anzuzünden.

Der betroffene Richter trat vor dem Kreisgericht Wil als Privatkläger auf. Er sei gekommen, um zu zeigen, dass er ein schutzbedürftiger Mensch aus Fleisch und Blut sei. «Das Verhalten des Beschuldigten macht mir Angst. Nicht nur ich, sondern auch die Mitarbeiter des Gerichts und des Betreibungsamts sind in Gefahr», sagte der Richter. Der Beschuldigte sei ein Querulant, der das Kreisgericht Rorschach bisher mit 195 Verfahren beschäftigt habe.

Mann droht «kleine Verwahrung»

Laut dem psychiatrischen Gutachten hat der Beschuldigte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung mit wahnhaften Elementen. Der Mann brauche eine stationäre Massnahme und müsse mit Medikamenten behandelt werden - auch gegen seinen Willen, sagte der Psychiater vor Gericht. Wenn die Medikamente wirksam seien, könne der Beschuldigte auch ambulant therapiert werden.

Weil der 67-Jährige gefährlich sei, beantragte auch die Staatsanwaltschaft eine Massnahme gemäss Artikel 59 des Strafgesetzbuchs. Diese sogenannte «kleine Verwahrung» soll verhindern, dass psychisch schwer gestörte Straftäter rückfällig werden. Sie kann für höchstens fünf Jahre angeordnet werden.

Der Beschuldigte werde sich vom Gerichtsurteil nicht beeinflussen lassen, sondern weiterhin gegen alle kämpfen. Es sei gut möglich, dass er die Spirale der Gewalt weiter drehen werde. «Was passiert, wenn der Mann in die Freiheit entlassen wird, weiss niemand», sagte der Staatsanwalt.

Opfer «krimineller» Behörden

Der Pflichtverteidiger verlangt einen Freispruch und nur eine ambulante Massnahme. Der Mann sei eine Nervensäge, aber nicht gefährlich und könne wegen den lausbubenhaften Aktionen nicht bestraft werden. Eine stationäre Massnahme sei unverhältnismässig, eine Zwangsmedikation würde gegen die Menschenrechte verstossen.

«Ich habe noch nie Gewalt angewendet und sitze seit neun Monaten unschuldig im Gefängnis», sagte der Beschuldigte. Er habe den Richter bedroht, weil dieser ihn um sieben Millionen Franken betrogen habe, indem er das Geld zu Unrecht einem Gläubiger zusprach. Der Richter und der Staatsanwalt wollten ihn finanziell fertig machen, behauptete der Beschuldigte.

Alles verloren

Der 67-Jährige, der früher in der Ostschweiz eine grosse Zahnarztpraxis betrieb, beschäftigt Behörden und Gerichte seit fünf Jahren. Er sieht sich als Opfer eines Komplotts «konspirativer und krimineller» Staatsanwälte, Richter und Psychiater. Der Strudel von Rechtsstreitigkeiten begann wegen eines Streits mit seinem Praxispartner, dem er Betrug vorwarf.

Später folgte die Schliessung der Praxis und der Entzug der Berufsbewilligung. Nun steht der ehemalige Zahnarzt im Konkurs und es droht die Versteigerung seiner Praxis-Liegenschaft. Der Beschuldigte habe alles verloren, was er sich in den letzten 30 Jahren aufgebaut habe, sagte der Staatsanwalt. «Die Schuld dafür gibt er anderen.»

SDA/mst

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch