Berg am Irchel

Doch keine Bussen wegen Rossbollen

Reiter sollten in der Gemeinde Berg am Irchel dazu verpflichtet werden, Pferdemist von öffentlichen Strassen wieder zu entfernen. Nach einer Aussprache mit Reitern krebst der Gemeinderat nun zurück.

Pferdemist?auf der Strasse ist für  manche Passanten ein Ärgernis.

Pferdemist?auf der Strasse ist für manche Passanten ein Ärgernis. Bild: Heinz Diener

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Als der Gemeinderat im Herbst 2015 den Entwurf der neuen Polizeiverordnung in Berg am Irchel veröffentlichte, war die Empörung bei Pferdehaltern gross: Sie sollten dazu verpflichtet werden, Rossbollen von öffentlichen geteerten Strassen und Plätzen zu entfernen. In der definitiven Fassung, die an der nächsten Gemeindeversammlung vorgelegt wird, ist der strittige Artikel nun plötzlich ersatzlos gestrichen.Der Grund dafür ist ein Umdenken beim Gemeinderat. Nach einem Treffen mit mehreren Pferdebesitzern kommt das Gremium zum Schluss, dass der Passus mit dem Titel «Verunreinigung durch Pferde» in der Polizeiverordnung unnötig ist.

Das Versprechen der Reiter

Mehrere Argumente der Pferdehalter haben den Gemeinderat überzeugt: Die neue Bestimmung wäre kaum kontrollierbar gewesen, schreibt das Gremium in einer Stellungnahme. Ausserdem sei es nie darum gegangen, Reiterinnen und Reiter bestrafen zu können, sondern nur darum, die Strassen sauber zu halten. Dieses Anliegen hätten die ortsansäs­sigen Reitställe verstanden. Sie hätten deshalb versprochen, ihre Reiterinnen und Reiter auf das Problem aufmerksam zu machen. So könne auch verhindert werden, dass Pferdehalter denunziert und willkürlich angezeigt werden, sagt Gemeindepräsident Roland Fehr. Es sei grundsätzlich besser, im Gespräch nach Lösungen zu suchen. «Rossbollen sind zudem ohnehin höchstens punktuell ein Problem.»

Sünder direkt ansprechen

Betroffene Reiter reagieren erleichtert auf die Streichung des Artikels. Der Gemeinderat sei sich zu wenig bewusst gewesen, dass ein solcher Passus wenig gebracht hätte, sagt Fritz von Ballmoos. Er hatte diesen bereits im Herbst als völlig unsinnig und nicht durchführbar kritisiert. «Wir haben Pferdemist im Dorf zudem schon immer entfernt», sagt er. An den Gesprächen mit dem Gemeinderat beteiligt war auch Peter Hunziker von der Interessengruppe Reiten Thur. Die IG hat rund 70 Mitglieder und setzt sich für ein gutes Neben­einander von Pferdehaltern und Spaziergängern ein. Pferdebollen auf vielbenutzen Wegen könnten zwar zu Problemen führen, sagt Hunziker. Dies komme aber nur selten vor. Denn es gehöre zum Knigge der Reiter, dass man an solchen Stellen Pferdemist nachträglich wieder entferne. Bei der Routenwahl werde zudem darauf geachtet, dass man möglichst ausserorts bleibe. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, sei es am besten, man spreche die Reiter direkt an. Als nicht praktikabel erachtet es Hunziker hingegen, den Pferden Säcke um das Hinterteil zu binden. «Das ist nur bei Fuhrwerken möglich.»

Videoüberwachung möglich

Der Gemeinderat hat nicht alle Einwände zur neuen Polizeiverordnung berücksichtigt. So hat jemand vorgeschlagen, auch den Artikel zu streichen, der Videoüberwachung ermöglicht. Der Gemeinderat will aber daran festhalten, obwohl keine Überwachungen geplant sind, wie es in einer Stellungnahme heisst. Denn sollte eine solche Anlage dereinst doch nötig werden, wolle man die Grundlagen dafür bereits heute haben.

Erstellt: 24.05.2016, 19:01 Uhr

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