Kloten

Die Swiss will pünktlicher werden

Für die neuen, grösseren Flugzeuge sucht die Swiss dieses Jahr 800 neue Mitarbeiter – auch in Castings. Dem neuen CEO Thomas Klühr macht derweil die Unpünktlichkeit seiner Flugzeuge am meisten zu schaffen.

Swiss-CEO Thomas Klühr konnte gestern einen Gewinn von 453 Millionen Franken präsentieren. Dem Deutschen gefällt es bisher in Kloten.

Swiss-CEO Thomas Klühr konnte gestern einen Gewinn von 453 Millionen Franken präsentieren. Dem Deutschen gefällt es bisher in Kloten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein mittlerweile bekanntes Problem: In der Mittagszeit hat der Flughafen Zürich Kapazitätsengpässe. Besonders im Sommer, der verkehrsreichsten Zeit des Jahres. Es kommt dann zu einem Dominoeffekt: Einmal verspätete Swiss-Flugzeuge holen den Rückstand nicht mehr auf. Und so bricht die Pünktlichkeit der Lufthansa-Tochter ein.

2015 waren noch 76 Prozent der Flüge pünktlich – flogen also spätestens 15 Minuten nach der ­geplanten Zeit los. Die Swiss ist damit Schlusslicht der Lufthansa-Gruppe, wo Werte von 85 Prozent erreicht werden. Das ärgert den neuen Swiss-CEO Thomas Klühr. Der ehemalige Lufthansa-Verantwortliche am Drehkreuz München weiss zwar, dass in Kloten immerhin das System robust ist, sprich trotz Verspätungen wenig Pas­sagiere oder Gepäckstücke Anschlussflüge verpassen.

«Problem ist sicher lösbar»

Trotzdem sei es sein Hauptziel, dass die Pünktlichkeit verbessert werde. Schliesslich sei die Schweiz dafür bekannt. Er selber ist Autofahrer, stieg hier aber auf den ­öffentlichen Verkehr um. Gerade weil dieser so pünktlich sei und er trotz knapper Umsteigezeit erst einmal den Anschluss verpasste. In der Schweiz kann man die Uhr nach dem ÖV stellen, heisst es im Ausland. Das will Klühr auch für die Swiss erreichen.

Wie das geschehen soll, kann er noch nicht sagen. Er arbeite mit dem Flughafen, der Skyguide und der Politik am Problem. «Es ist ­sicher lösbar», sagt Klühr. Dem Optimismus des Deutschen wird noch viel Gegenwind entgegenschlagen, wenn etwa die einfachste Lösung, der Südstart geradeaus zur Mittagszeit, diskutiert wird.

Schock beim «Frankenschock»

Abgesehen von der Pünktlichkeit ist Klühr von seinem neuen Arbeitsplatz rundum begeistert, wenn ihn das Wort Frankenschock auch noch zusammenzucken lässt. Schliesslich sei er in Franken aufgewachsen – einem Gebiet im Norden von Bayern und Baden-Württemberg. Klühr stammt aus der Region Nürnberg.

Keine «Lufthansa Schweiz»

Klühr bekräftigte gestern, dass die Swiss eigenständig bleiben werde, und reagierte damit auf Befürchtungen, dass der Lufthansa-Mann Klühr die Swiss zu einer Lufthansa Schweiz umbauen wolle. Das stehe nicht zur Diskussion, die Swiss sei gut aufgestellt, und sämtliche Erwartungen, die er gehabt hatte, wurden erfüllt. Mit dem verschärften Wettbewerb sei es aber gut, Teil einer grossen Gruppe zu sein. Auch werde man vermehrt Syner­gie­n nutzen und sich im Konzern besser abstimmen.

Kommerzchef Markus Binkert erklärte, was damit gemeint ist. Wenn Lufthansa, Austrian und Swiss alle gleichzeitig von einem Flughafen in Asien zurück nach Europa fliegen, mache das aus Kundensicht wenig Sinn. Besser sei es, die verschiedenen Airlines gestaffelt abfliegen zu lassen, ­damit die Passagiere wählen können, ob sie lieber mittags oder abends reisen wollen.

Kein Stellenabbau in Kloten

In anderen Bereichen sind Konzentrationen geplant, bei der Kloten wichtige Funktionen übernehmen wird, etwa beim Pricing, wie Klühr sagte. Denn die Lufthansa-Zentrale habe die gute Arbeit der Swiss bemerkt. Die Verschiebungen werden keine Auswirkungen auf Stellen haben. Möglich ist aber, dass ein Bereich in Kloten abgebaut wird, weil dieser künftig etwa von München aus kon­trol­liert wird. Dafür wird in einem anderen Team zugelegt, sodass die Zahl der Mitarbeiter gleich bleiben soll.

Kabine in Castings besetzen

Für die grösseren Flugzeuge braucht die Swiss 510 neue Mitarbeiter – vorwiegend Kabinenpersonal und Piloten. Dazu kommen natürliche Fluktuationen, sodass die Swiss 2016 rund 800 neue Mitarbeiter benötigt, wie Binkert sagt. Weil man auf bewährten Wegen nicht mehr genügend geeignete Kandidaten fand, hat die Swiss dieses Jahr Castings eingeführt.

Ohne vorher eine Bewerbung zu schreiben, können Interessierte dort einfach auftauchen und sich je nach Eignung für die nächste Runde qualifizieren. Wer am Ende des Tages noch dabei ist, kann sich künftig Flight Attendant nennen. Ein System, das neben Swiss seit längerem auch Emirates anwendet. Am 2. April findet ein solches Casting beispielsweise in Schaffhausen statt.

Bereits durch sind die Castings in Deutschland und Österreich. Binkert erklärt aber: Wenn möglich will man die Stellen mit Schweizern füllen. Findet man nicht genug, nimmt man aber auch willige Nachbarn mit an Bord.

Derzeit sind rund 70 Prozent der 8500 Swiss-Mitarbeiter Schweizer, wie Klühr sagte. Damit sei man gut aufgestellt. Denn als Schweizer Airline mit vielen Schweizer Kunden brauche es auch viele Schweizer Mitarbeiter.

Diese werden am Rekordgewinn von 453 Millionen Franken teilhaben, sagte Binkert. Wie viel die einzelnen Mitarbeitenden erhalten, hängt von den jeweiligen vertraglichen Vereinbarungen ab. Die meisten werden aber etwas erhalten, versprach Binkert. ()

Erstellt: 18.03.2016, 09:03 Uhr

Artikel zum Thema

Swiss macht hohen Gewinn

Kloten Dank dem tiefen Ölpreis gab es für die Swiss trotz Frankenschock und Umsatzrückgang einen Rekordgewinn. Der neue CEO Thomas Klühr zeigte sich von der Arbeit der Teams in Kloten begeistert, monierte aber die ungenügende Pünktlichkeit. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!