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«Die Stadt müsste sich entscheiden»

Ob der Konzertsaal Tonhalle Maag mehr als eine Zwischenlösung sein kann, ist fraglich.

Die Tonhalle Maag im Jahr 2017, als erste akustische Tests durchgeführt wurden. In einem Jahr läuft das Provisorium aus.
Die Tonhalle Maag im Jahr 2017, als erste akustische Tests durchgeführt wurden. In einem Jahr läuft das Provisorium aus.
Dominique Meienberg

Der Name ist Programm: Swiss Prime Site (SPS). Das Immobilienunternehmen hat schweizweit Gebäude an Premiumlagen. In Zürich zum Beispiel das Jelmoli-«House of Brands» an der Bahnhofstrasse und den Prime Tower beim Bahnhof Hardbrücke, das höchste Gebäude der Stadt. Dort präsentierten die SPS-Verantwortlichen gestern ein Rekordergebnis: Der Jahresgewinn 2019 verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr auf 609 Millionen Franken. Der Wert des SPS-Immobilienportfolios stieg um eine halbe Milliarde auf 11,8 Milliarden Franken.

Büroflächen bilden den Hauptteil des SPS-Geschäfts. Doch mit der Tonhalle-Gesellschaft zählt auch eine bedeutende Zürcher Kulturinstitution zu den Mietern, gleichsam in einer Nische. Um während der Tonhalle-Renovation eine Spielstätte zu haben, liess sie vor drei Jahren die Maag Event Hall in eine Halle für klassische Konzerte umbauen: Die ehemalige Industriehalle erhielt einen hölzernen Innenausbau, dessen Akustik Musikliebhaber begeisterte. Man nannte sie Tonhalle Maag.

Nachfrage wäre vorhanden

Schon bald wurden Stimmen laut, die forderten, die Tonhalle Maag als Konzertort zu erhalten. In einem Jahr läuft das Provisorium aus: Dann ist geplant, dass das Tonhalle-Orchester zurück in die renovierte Tonhalle zieht. Was dann aus der Tonhalle Maag wird, ist noch offen. Doch welchen Stellenwert hat das kulturelle Engagement für die SPS-Verantwortlichen? An der gestrigen Bilanzmedienkonferenz nahmen sie auf Anfrage dieser Zeitung dazu Stellung. Es laufe ein Architekturwettbewerb für das Areal, demnächst würden Resultate präsentiert, schickte SPS-Verwaltungsratspräsident Hans Peter Wehrli voraus. Dann setzte er zu einem persönlichen Appell an: «Wenn die Stadt immer auf uns zu kommt und auch die Stadtpräsidentin mich kürzlich angesprochen hat, dann müsste die Stadt sich auch einmal entscheiden.» Die Stadt müsse in dieser Frage die Führung übernehmen respektive «in den Lead gehen», wie Wehrli es nannte. Sie habe zwar eine Studie erstellt. Resultat: Das Nachfragepotenzial würde eine künftige Bespielung der Halle rechtfertigen. «Aber es ist nicht unsere Aufgabe als Immobiliengesellschaft, ein Kulturkonzept für ein Areal zu entwickeln», so Wehrli weiter.

Kultur als Mittel zum Zweck

Peter Lehmann, CEO von SPS Immobilien, doppelte nach: «Wir sind nicht fokussiert auf das Thema der Tonhalle, sondern des Maagareals.» Ziel sei eine maximale Wertsteigerung. Ob es dafür mehr oder weniger Kultur brauche, sei fraglich. Kultur sei «Mittel zum Zweck», sagte Lehmann. Im Vordergrund stehe die Qualität des Gesamtareals. «Kultur steigert diese Qualität», fügte er an. Aber es brauche jemanden von dritter Seite, der ein Konzept erarbeite.

Peter Haerle, Kulturchef der Stadt , hielt erst vor wenigen Tagen fest, die Stadt könne sich da nicht einmischen. Schliesslich gehöre der Saal nicht der Stadt, sondern sei privat, erklärte er gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Und für die Tonhalle-Gesellschaft steht fest, dass sie nebst dem Stammhaus am See keine zweite Spielstätte betreiben kann; höchstens 10 bis 20 Konzerte pro Saison könnte sie laut ihrem Präsidenten Martin Vollenwyder auf dem Maag-Areal künftig durchführen. Damit sind die Positionen markiert. Und was aus der Tonhalle Maag wird, bleibt abzuwarten.

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