Wetter

Trockenster April seit Messbeginn am Zürichsee

Seit Anfang April hat es im Grossraum Zürich und der Nordostschweiz kaum geregnet. Schuld ist eine seit Wochen festgefahrene Wetterlage. Die Trockenheit dürfte sich weiter verschärfen.

So ähnlich sieht es bereits vielerorts im Grossraum Zürich aus: Die Böden sind oberflächlich ausgetrocknet.

So ähnlich sieht es bereits vielerorts im Grossraum Zürich aus: Die Böden sind oberflächlich ausgetrocknet. Bild: Keystone

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Eigentlich ist der April ein Monat, in dem es gerne wie aus Kübeln schüttet. Nicht umsonst ist jeweils vom «Aprilwetter» die Rede, wenn windgepeitschte Regen- und Graupelschauer übers Land jagen.

In diesem April war davon allerdings wenig zu spüren. Statt regnerischem Tiefdruckwetter gab es speziell in der Nordostschweiz meistens ruhiges und trockenes Hochdruckwetter. Das führte dazu, dass der April nicht nur deutlich wärmer war als üblich, sondern auch viel zu wenig Niederschlag vom Himmel kam.

In Wädenswil am Zürichsee wurden zum Beispiel im ganzen April nur 9 mm Regen gemessen – normal wären hier etwa 100 mm, also mehr als das Zehnfache. Es handelt sich um den trockensten April seit Messbeginn (1961) in Wädenswil. Das zeigen Auswertungen von Meteoschweiz-Klimatologe Stephan Bader.

Böden trocknen aus

Doch nicht nur in Wädenswil war der April sehr trocken, auch im Zürcher Unterland, der Region Winterthur, dem Weinland und eigentlich der gesamten Nordostschweiz regnete es viel zu wenig. In Kloten gab es zum Beispiel nur 15 mm (Norm: 74 mm), in Zürich 13 mm (Norm: 83 mm). Etwas mehr regnete es im westlichen Mittelland und entlang der Voralpen.

Am Boden ist die Trockenheit bereits deutlich sichtbar. So zeigen die aktuellen Messwerte von «Ostboden», dem Bodenfeuchte-Messnetz der Ostschweizer Kantone, dass die obere Bodenschicht bis in eine Tiefe von 20 cm vielerorts bereits ausgetrocknet ist. Und selbst in den tieferen Schichten (bis etwa 40 cm) sind die Böden trocken oder nur noch mässig feucht.

Entlang der östlichen Voralpen herrscht verbreitet erhebliche Waldbrandgefahr. Dabei käme nun die Zeit, in der die austreibende Vegetation eigentlich am stärksten auf Wasser angewiesen wäre.

Festgefahrene Wetterlage

Grund für die Niederschlagsarmut ist eine Wetterlage über Europa, die sich seit Wochen regelrecht festgefahren hat. Die Schweiz lag meistens im «Sandwich» zwischen einem Hochdruckgebiet über Nordosteuropa und einem ausgeprägten Tiefdruckkomplex über der Biskaya und der iberischen Halbinsel.

Das bedeutete, dass die regenbringenden Tiefs und Kaltfronten es meistens gar nicht oder nur in abgeschwächter Form bis in unsere Breitengrade schafften. Oder die Feuchtigkeit kam schlichtweg aus der falschen Richtung. So drückten in den letzten Tagen immer wieder Wolken vom Alpenkamm her ins Mittelland. Allerdings wurde dabei der grösste Teil des Niederschlags im Südstau der Alpen abgeladen – die Alpennordseite erhielt meist nur noch unergiebiges Getröpfel.

Dass es bei solchen Grosswetterlagen speziell im östlichen Mittelland nur wenig Regen gibt, ist an sich nicht aussergewöhnlich. Speziell ist aber, dass diese Wetterlage mittlerweile seit Anfang April mehr oder weniger konstant anhält.

Bis mindestens Mitte kommender Woche wird sich daran nicht viel ändern. Übers Wochenende steigen die Temperaturen wieder in den sommerlichen Bereich, was die Austrocknung der Böden noch zusätzlich beschleunigen wird. Einzelne Schauer und Gewitter werden wohl nur lokal Regen bringen.

Frühling wird wärmer, aber nicht trockener

Es stellt sich die Frage: Ist diese aussergewöhnliche Trockenheit nun Ausruck des Klimawandels? Klimatologe Stephan Bader verneint: «Weder der April noch der Frühling zeigen in der Region Zürich eine langfristige Tendenz zur Trockenheit». Eher das Gegenteil sei der Fall, nämlich dass die Niederschläge im Frühling in der besagten Region tendenziell am Zunehmen sind.

Ein ganz markantes Signal der Klimaänderung sei hingegen bei der Frühlingstemperatur zu finden. «Seit Ende der 1980er Jahre ist der Frühling in der Region Zürich um fast zwei Grad wärmer geworden», sagt Bader. Sehr hohe Frühlingstemperaturen hätten sich in den letzten Jahren auffallend gehäuft. (zsz.ch)

Erstellt: 04.05.2018, 10:41 Uhr

Die Grafik zeigt den April-Niederschlag an der Wetterstation Wädenswil seit Messbeginn 1961. (Bild: Quelle: Meteoschweiz)

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