Porträt

Der ambitionierte Selbstvermarkter

Andreas Hauri (GLP) kandidiert für den Zürcher ­Stadtrat und das Stadtpräsidium. Die Mehrheit der Stadtzürcher ticke grünliberal, glaubt er.

Einen GLP-Stadtpräsidenten, der zwischen den Polen vermittelt, fände er ideal: Andreas Hauri glaubt, Mehrheitspositionen zu vertreten. Bild: Marc Dahinden

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Weil er so cool wirkt, nennen ihn im Kantonsrat einige «George Clooney». Wir treffen den 51-jährigen GLP-Politiker Andreas Hauri an seinem Arbeitsort in Zürich. Der Geschäftsleiter der KV-Bildungsgruppe präsentiert sich im verglasten Konferenzraum mit toller Panoramasicht. Angesprochen auf den Über­namen, schmunzelt Hauri und nippt am Kaffee. Er sehe dem Werbestar kein bisschen ähnlich, findet er. Mag sein. Trotzdemhat der Vergleich etwas: Der grau melierte Mann mit Bart, Brille und Gilet hat einen souveränen und lockeren Auftritt.

Diese beiden Eigenschaften kann einer gebrauchen, der für das Amt des Stadtpräsidenten kandidiert. Aber sie reichen nicht aus. Dass seine Chancen gering sind, weiss Hauri. Er fungiertfür die GLP als Wahllokomotive, muss also aufs Ganze gehen, um etwas erreichen zu können. Es wäre bereits eine Sensation, eroberte er einen Stadtratssitz.

Frischen Wind bringen

Die jüngsten Wahlumfragen ermutigen Hauri. Sie brachtenihm immerhin Platz 10 ein – bei14 Kandidierenden. Für den Wahlkampf kurvt er mit einem Elektro-Tuktuk in der Stadt herum. «Ich bringe frischen Wind in den Stapi-Wahlkampf. Ohne mich wäre er genau gleich wie vor vier Jahren.» Hauri findet, ein GLP-Stadtpräsident wäre ein idealer Vermittler zwischen den Polen. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) mache zwar vieles richtig, verteidigeaber lediglich das Erreichte. Den ­Anspruch des links-grünen Lagers auf 7 von 9 Sitzen hält Hauri für «ungesund». Diversität sei auch im Stadtrat wichtig. Kritisch beurteilt Hauri auch FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, der ebenfalls fürs Stadtpräsidentenamt kandidiert. Er rede im Wahlkampf vieles schlecht und schüre Ängste.

Als Geschäftsleiter der KV-Bildungsgruppe ist Hauri Chef von2 festen und über 100 freien Mitarbeitenden. Mit ihnen konzipiert er neue Bildungsinhalte für Kaufleute. Dafür stehe er oft in Kontakt mit Arbeitgebern und Fachleuten, die wissen, was Angestellte in Zukunft können und wissen müssen. Hauri selber hat ebenfalls eine KV-Lehre absolviert – bei der damaligen Swissair, weil ihn die Firma und ihr grosses Fortbildungsangebot fasziniert hätten. Später bildete er sich zum Marketingleiter weiter und war in dieser Funktion bei verschiedenen Grossfirmen tätig. Unter anderem bei der ZKB. «Ich habe immer wieder neue Themen angepackt», sagt Hauri von sich.

Pragmatisch wie das Volk

Zur GLP stiess Hauri 2008 – vier Jahre nach der Parteigründung. Ein politischer Mensch sei er schon viel früher gewesen – dank den Diskussionen mit seinem ­Vater, der für die EVP im Klo­tener Gemeinderat sass. Er sei aber parteilos geblieben, weil ihm ­keine Partei zugesagt habe. Bis die GLP kam. An ihr gefalle ihm die Verbindung zwischen liberal und ökologisch. Die Grünen findet er zu einseitig und zu deckungsgleich mit der SP. Bei der FDP fehle ihm die Umweltpolitik.

«Das Links-rechts-Schema ist komplett veraltet», findet Hauri. Es entspreche nicht dem Denken der Leute. Diese seien mehrheitlich pragmatisch eingestellt – wie die GLP. «Drei Viertel der Stadt­bevölkerung denkt oder lebt grünliberal», sagt Hauri. Für ihn zeigt sich dies darin, dass die Mehrheit der Stadtzürcher kein Auto besitze, die Ehe für alle befürworte und gewerbefreundlich sei.

Wenn Hauri über sich und die GLP spricht, gebraucht er oft die Begriffe innovativ, progressiv und digital. Er fordert einen Digitalisierungsminister, einen Stadtrat also, der für die Digitalisierung ­zuständig ist und diese vorantreibt. «Wir hinken in Zürich hinterher», sagt er, räumt aber ein, auf hohem Niveau zu kritisieren. Dennoch brauche es mehr Tempo, denn die Digitalisierung verein­fache das Leben der Bürger, sei es bei der Parkplatzsuche oder beim Verkehr mit den Ämtern.

Hauri ist geschieden, hateinen 25-jährigen Sohn und eine 22-jährige Tochter. 2001 zog er nach Zürich. Er wohnt zusammen mit seiner Tochter «in einer Art WG». Auch mit ihr diskutiere er über Politik. Sie ist aber nicht Mitglied der GLP – noch nicht. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 09.01.2018, 16:31 Uhr

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Analyse

GLP: Die Mittepartei zwischen Stuhl und Bank

Welche Rolle spielt die GLP im Stadtzürcher Parlament?
Sie ist mit einem Wähleranteil von 10,2 Prozent und 13 Sitzen die fünftstärkste Partei im 125-köpfigen Gemeinderat. Sie sieht sich als ausgleichende Kraft zwischen den beiden Blöcken inks und rechts. Oft ist sie Mehrheitsbeschafferin für die eine oder andere Seite.

Welche Wahlziele hat sich die GLP gesetzt?
Im Parlament strebt sie zwei zusätzliche Sitze (also 15) und einen Wähleranteil von 12,5 Prozent an. Und natürlich einen Sitz im neunköpfigen Stadtrat.

Wie realistisch sind die Stadtratsambitionen?
Es wäre eine Überraschung, gelänge der GLP der Einzug in den Stadtrat. Das Hauptproblem ist, dass der Partei die Verbündeten fehlen. Ihr Kandidat Andreas Hauri ist weder im linken noch im rechten Wahlbündnis vertreten. Dank ihrem beachtlichen Wähleranteil ist die GLP dennoch nicht chancenlos. Kleinparteien wie die CVP (4,6 Prozent) und die AL (6,5) sind im Stadtrat vertreten. Da diesmal zwei Sitze (je einer von CVP und FDP) frei werden, ist die Gelegenheit für die GLP günstig.

Welchen Sinn macht es, dass die GLP gleich das Stadtpräsidium anpeilt?
Damit zieht sie Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings muss man das Stadtpräsidium als unerreichbar hohes Ziel bezeichnen. Die Stapi-Kandidatur kann den Nachteil des fehlenden Bündnisses etwas ausgleichen. Kandidaturen für prominente Exekutivämter waren bei Parteien schon immer ein beliebtes Mittel, um im Parlament zulegen zu können.

Wie viel Exekutiv-Erfahrung hat die Stadtzürcher GLP?
Keine. Sie hatte noch nie einen Stadtratssitz.

Wie viele Anläufe für einen Stadtratssitz hat die Partei schon unternommen?
Die Kandidatur Hauri ist der fünfte Anlauf, immer ohne Bündnispartner. Martin Luchsinger kandidierte (2006), Denise Wahlen (2010) und Samuel Dubno (2014). Alle drei landeten abgeschlagen auf Platz 13. Bei der Ersatzwahl 2013 schaffte es Daniel Hodel im ersten Wahlgang auf Platz drei. Im zweiten trat er mangels Chancen nicht mehr an. Richard Wolff (AL) entschied in der Folge das Duell gegen Marco Camin (FDP) knapp für sich.

Wie ist die Grosswetterlage für die GLP?
2010 eroberte die GLP im Stadtparlament auf Anhieb 12 Sitze – ein phänomenaler Einzug. Bei den letzten Wahlen verlor die Partei Wähler. Derzeit stehen die Vorzeichen wieder günstiger.

Wofür steht die GLP?
Die GLP entstand 2004 im Kanton Zürich als Abspaltung von den prononciert links politisierenden Grünen. Mit dem Attribut liberal bringt die GLP zum Ausdruck, dass sie für eine bürgerliche Finanzpolitik und eine eher restriktive Sozialpoltitik steht und grosse Umverteilungen ablehnt. In Umweltfragen hingegen spannt die GLP mit den Grünen und der SP zusammen. Zu den bekannten Namen der GLP gehören Verena Diener, ehemalige Zürcher Regierungs- und Ständerätin, sowie Nationrat Martin Bäumle, erster Präsident der GLP Schweiz. Die Fraktionschefin im Nationalrat, die Stadtzürcherin Tiana Angelina Moser, wollte für die Stadtratswahl übrigens nicht kandidieren.

Ist die GLP der Stadt Zürich linker als die Kantonalpartei?
In der Tendenz ja. Bei der Abstimmung betreffend Abschaffung der Sozialhilfe für vorläufig Aufgenommene gab die Kantonalpartei die Ja-Parole heraus, die Stadtpartei beschloss Stimmfreigabe. Gleiches war der Fall bei der gescheiterten Unternehmessteuerreform III. Generell ist die städtische GLP sozialen Themen gegenüber offener als die Kantonalpartei. Interessant ist bei der GLP, dass sie die Verkleinerung des Stadtrats auf sieben Mitglieder befürwortet, obwohl sie damit auch für sich selbst die Eintrittsschwelle erhöht.

Was gibt die GLP für den Wahlkampf aus?
Das Wahlkampfbudget für den Stadt- und Gemeinderat beträgt laut Parteiangaben 190 000 Franken. Die Kreisparteien wollen zusätzlich je 5000 bis 10 000 Franken investieren.Die GLP startete auffallend früh mit einer Kampagne, was ihr Aufmerksamkeit einbrachte. Laut ihrem Slogan will sie eine «unaufgeregte und lösungsorientierte Politik» zwischen den Fronten machen. (Thomas Schraner)

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