Stadtbus

Das originellste Bushäuschen ist Geschichte

Das berühmteste Winterthurer Bushaus bei der Musikschule ist weg. Es macht einem genormten Stadtbus-Unterstand Platz.

Das liebevoll verzierte Bushäuschen an der Haltestelle Musikschule ist weg. Nach den Ferien soll der Ersatz bereit sein.

Das liebevoll verzierte Bushäuschen an der Haltestelle Musikschule ist weg. Nach den Ferien soll der Ersatz bereit sein. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Haltestelle Musikschule an der Linie 10 war lange ohne Dach. Und weil die Stadt den eigentlich versprochenen Unterstand nicht baute, griffen die Anwohner im Herbst 2011 selber zu Bohrer und Säge und stellten ein hölzernes Bushäuschen auf. Das Bushäuschen wurde zum Star, hatte Auftritt in Zeitungen und Fernsehen und eine beachtliche Fan-Gemeinde auf Facebook. Doch es war immer klar: Irgendwann muss es einem offiziellen Wartehäuschen weichen.

Verhandeln mit Eigentümern

Dass das Holzhaus trotzdem über fünf Jahre stehen blieb, lag gemäss Stadtbus an der grundbuchrechtlichen Situation. Das Land gehört teilweise privaten Eigentümern. Damit die Stadt eine Baubewilligung erhält, brauchte sie eine Dienstbarkeit von sämtlichen Grundeigentümern. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Im Mai 2016 unterzeichneten schliesslich die Anwohner den Dienstbarkeitsvertrag und machten den Weg frei für das Normbushäuschen aus Beton und Glas mit roter Bank. «Die Tage unseres neo-urbanen Schmuckstücks dürften damit gezählt sein», schrieben die Verantwortlichen auf Facebook.

Nun fuhren Anfang dieser Woche die Bagger auf. Die Baustelle ist abgesperrt, die provisorische Bushaltestelle 80 Meter Richtung Oberwinterthur verschoben. Bis Ende Schulferien soll die neue Wartehalle am bisherigen Standort fertig gebaut sein. Die Facebook-Fans betrauern das Ende ihres Häuschens: «Ein trauriger Tag für die Fangemeinschaft. Wir bitten um möglichst viele Likes und Shares um unserem geschätzten Bushäuschen ein ehrenvolles Andenken zu bewahren.» Die Erbauer des Häuschens nehmen die Sache aber mit Humor. «Wir freuen uns eigentlich auf die neue Wartehalle. Was lange währt, wird endlich gut», sagt Mitinitiant Daniel Wäger.

Das Bushäuschen unterschied sich nicht nur äusserlich von seinen Artgenossen. Es verfügte auch über ein bewegteres Innenleben. Immer mal wieder stellten Spender neue Stühle und Bänke auf oder legten Gegenstände zum Mitnehmen bereit. Mall hing ein neues Bild, mal wurden die Wände mit Fans tapeziert oder eine Flasche Wein verkürzte das Warten. Und in der Weihnachtszeit sorgte eine Beleuchtung für behagliche Minuten.

Abgebrochen und entsorgt

Gerne hätten die Initianten den Abbruch des Häuschens mit einem kleinen Fest gefeiert. Doch weil derzeit viele in den Sportferien sind, kam es nicht mehr dazu. Die Stadt habe darum angeboten, dass die Baufirma das Haus abbricht und entsorgt, sagt Wäger. «Darüber sind wir froh, denn wir fanden letztlich keinen anderen Verwendungszweck dafür.» Die Idee, den Unterstand als Hühnerhaus weiter zu nutzen, zerschlug sich wegen einer fehlenden Bewilligung.

Die Facebook-Seite bleibt vorläufig bestehen. «Es wird noch einen Schlussbeitrag geben», verspricht Wäger.

(Landbote)

Erstellt: 08.02.2017, 16:02 Uhr

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