Zürich

Breite Front gegen Wildhüter-Initiative

Politiker von links bis rechts stellten am Donnerstag gemeinsam mit Jägern die Nein-Kampagne zur kantonalen Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» vor.

Milizjäger oder Wildhüter? Die kantonale Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» kommt am 23. September an die Urne.

Milizjäger oder Wildhüter? Die kantonale Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» kommt am 23. September an die Urne. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die kantonale Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger» hat bereits einiges erreicht, nämlich Einigkeit quer durch die politischen Lager. So sassen bei der Vorstellung der Nein-Kampagne am Donnerstag Grüne, SP, FDP und SVP Seite an Seite mit den Jägern. Der radikale Vorstoss schade Natur, Tier und Mensch sind sich alle einig.

Die Initiative aus Tierschutzkreisen, über die am 23. September abgestimmt wird, verlangt ein Ende der heutigen Hobby- und Milizjagd. Stattdessen sollen professionell ausgebildete Wildhüter für ein Wildtiermanagement sorgen, bei dem die natürliche Regulierung des Tierbestands im Vordergrund steht.

Der Kantonsrat hatte die Volksinitiative im März mit 165 zu 0 Stimmen zur Ablehnung empfohlen und damit vollständig abgeschossen. Die Initianten wollten das ehrenamtliche Jagdwesen zerstören und griffen damit das bewährte Milizsystem an, findet das Nein-Komitee. Zudem sei die radikale Initiative tierfeindlich.

Natürliche Regulierung funktioniert nicht

Eine natürliche Regulierung des Wildbestandes könne in einem derart dicht besiedelten Gebiet wie dem Kanton Zürich nicht funktionieren und bringe das Ökosystem in Wald und Feld aus dem Gleichgewicht.

1300 Jägerinnen und Jäger leisten jährlich rund 400'000 Stunden gemeinnützige Arbeit, wie der Präsident von JagdZürich, Christian Jaques, sagte. Ohne diesen Einsatz würden sich Wildtiere unkontrolliert vermehren und seien damit Stress und Krankheiten ausgeliefert.

Ausserdem würde das Wild in den dichten Siedlungsraum gedrängt und damit käme es zur mehr verletzten Tieren durch Verkehrsunfälle, warnte Kantonsrat Stefan Schmid (SVP). Die weitgehend fehlende Selbstregulierung würde zu noch mehr Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und vor allem am Wald führen, sagte Kantonsrat und Waldbesitzer Martin Farner (FDP).

Eine natürliche Regulierung wäre zwar grundsätzlich wünschenswert, doch dafür brauche es Grossraubtiere wie den Luchs, sagte Kantonsrat Robert Brunner (Grüne). Die Initiative verlangt, dass beispielsweise Wildschweine nur noch gejagt werden dürften, wenn alle erdenklichen Schutzmassnahmen getroffen sind. Um ihre Kulturen zu schützen, würden Bauern daher vermehrt Zäune bauen. Die Lebensräume der Tiere würden dadurch noch weiter zerstückelt und die Zäune könnten bei den Wildtieren zu schweren Verletzungen führen, so Brunner.

Keine Vorteile aber hohe Kosten

Ein Systemwechsel zu professionellen Wildhütern bringe keine Vorteile aber erhebliche Kosten mit sich, betonte Kantonsrat Benedikt Gschwind (SP). Nach Schätzungen des Regierungsrats wäre mit Kosten von rund 20 Millionen Franken für 80 bis 90 zusätzlich angestellte Wildhüter zu rechnen sowie mit dem Ausfall des Pachtzinses. Für die Grünen sind dies Millionen, ohne dass ein ökologischer Mehrwert entsteht. Deshalb verlangen sie mit ihrer Natur-Initiative mehr Geld, um die Natur als Ganzes aufzuwerten und setzen sich bei der laufenden Revision des kantonalen Jagdgesetzes für die Abschaffung der Baujagd und die Jagd auf Feldhasen ein.

Auch die SP sehe durchaus Handlungsbedarf im heutigen Jagdbetrieb aus Sicht des Tierschutzes und fordere Restriktionen bei der Bau- und Treibjagd, sagte Gschwind. (far/sda)

Erstellt: 09.08.2018, 13:53 Uhr

«Jägern geht es ums Eigeninteresse»

Im Kantonsrat erhielt Ihre Initiative keine einzige Stimme. Auch Pro Natura ist dagegen. Mit welchem Hauptargument wollen Sie das Volk gewinnen?
Marianne Trüb Klingler*: Mit dem Tier- und Umweltschutz. Die Jagd ist nicht tierschutzkonform. Im Tierschutzgesetz steht, dass Tieren kein Schmerz zugefügt werden darf und sie nicht in Angst versetzt werden dürfen. Leider gelten diese Bestimmungen für die Jagd nicht.

Wie erklären Sie es sich, dass selbst in linksgrünen Kreisen die Initiative kaum Anklang findet?
Ich habe den Eindruck, dass sich viele zu wenig mit dem Thema befasst haben. Die Jagd ist eine Tradition, deshalb geht man davon aus, dass alles gut funktioniert, und schaut nicht so genau hin. Was die Naturschutzorganisationen Birdlife und Pro Natura anbetrifft, habe ich den Verdacht, dass sie lavieren. Sie haben wohl Angst, Geld und Einfluss zu verlieren, wenn sie sich gegen die Jagd positionieren.

Die Initianten bezeichnen die Jäger herablassend als Hobby­jäger. Diese hingegen pochen auf ihre fundierte Ausbildung.
Jäger absolvieren 28 Theorielektionen und danach eine Schiessprüfung. Soll das eine profunde Ausbildung sein? Die Jäger argumentieren, sie hegten und pflegten das Wild. Das können sie auch nach der Annahme der Initiative tun. Aber es geht ihnen eben nicht nur darum. Sie wollen jagen.

Die Jäger müssen den Bestand regulieren, weil die Tiere keine natürlichen Feinde mehr haben.
Die Natur selber wirkt auch als Feind. Man denke an Krankheiten, Trockenheit oder Nahrungsknappheit. Die Jäger greifen hier in den Kreislauf ein, indem sie ­gewisse Populationen füttern, um Wildfleisch zu bekommen.

Ohne die Jäger wüchse der Tierbestand unkontrolliert und es käme zu Krankheiten.
Biologinnen sagen das Gegenteil, dass nämlich der Jagddruck, also der Stress, dazu führt, dass sich die Tiere schneller vermehren. Und was die Krankheiten anbetrifft: Bei der Tollwut zeigte es sich, dass die Jäger nichts bewirken konnten. Dazu waren Profis und Impfköder nötig.

Die Initiative koste viel, bringe aber keine ökologische Aufwertung, kritisieren Umweltschützer.
Wie viel sie kostet, ist nicht klar. Aber sicher nicht 25 Millionen, wie der Regierungsrat sagt. Er malt absichtlich schwarz. Die heutigen Kosten der Jagd sind nicht transparent. In Zukunft werden sie mit oder ohne Initiative wachsen, weil im neuen Jagdgesetz mehr Entschädigungen für Jäger geplant sind.

Und was ist mit der mangelnden ökologischen Aufwertung?
Diese Kritik verstehe ich überhaupt nicht. Für mich ist es zum Beispiel eine Aufwertung, wenn der Fuchs nicht mehr bejagt wird. Er mag da und dort lästig sein, aber er frisst viele Mäuse.

Jäger sagen, dass sie nachts bis zu zehnmal ausrücken wegen angefahrenen Tieren. Ist das nicht eine nützliche Leistung für die Allgemeinheit?
Der Chef der kantonalen Jagdverwaltung hat in Briefen mehrfach die Jäger gerügt, dass sie zu wenig ausrücken, wenn Tiere verletzt sind. Ich selber kenne ein Beispiel, bei dem ein Jäger es nicht nötig fand, wegen eines Fuchses aufzustehen. Es funktioniert im Allgemeinen eben nicht, auch wenn es sicher engagierte und nette Jäger gibt. Und nun noch ein anderer Aspekt: Ich habe mich bei einem Winterthurer Stadtpolizisten erkundigt, ob er auch schon verletzte Tiere habe erlösen müssen. Er sagte mir, dies komme relativ oft vor. Als ich dies anlässlich einer Veranstaltung so sagte, meinte ein Jäger, dass in diesem Fall das Fleisch nicht mehr verwertet werden könne. Das zeigt: Den Jägern geht es immer auch ums Eigeninteresse.

*Die ehemalige SP-Kantonsrätin aus Dättlikon ist Miturheberin der Initiative «Wildhüter statt Jäger»

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