Zürich

Auch Mittelschüler sollen Jokertage bekommen

Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag in erster Lesung eine Änderung des Mittelschulgesetzes und damit die Einführung von zwei Jokertagen pro Jahr in der Mittelschule mehrheitlich befürwortet. In der zweiten Lesung wartet jedoch noch ein Ablehnungsantrag.

An Mittelschulen, wie hier in der Kantonsschule Küsnacht, sollen Gymnasiasten künftig zwei unbegründete Jokertage einziehen können.

An Mittelschulen, wie hier in der Kantonsschule Küsnacht, sollen Gymnasiasten künftig zwei unbegründete Jokertage einziehen können. Bild: Archiv Manuela Matt

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Der Regierungsrat war im Vornherein gegen das Anliegen, das in einer Einzelinitiative formuliert war: An den Gymnasien sollten Schülerinnen und Schüler wie in der Volksschule zwei Jokertage pro Jahr unbegründet beziehen können.

Die Einzelinitiative war unzureichend formuliert und wurde am Montag einstimmig für ungültig erklärt. Die kantonsrätliche Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) legte jedoch mit einem Gegenvorschlag einen Antrag zur Änderung des Mittelschulgesetzes vor.

Der Regierungsrat stellte sich gegen das Ansinnen von Jokertagen am Gymnasium. Etwa mit dem Verweis auf 13 Wochen Schulferien und die Möglichkeit, begründete Absenzen beantragen zu können. Auch sei an kontinuierlichen Unterricht nicht zu denken, wenn Jokertage unbegründet gewährt werden müssten. Vonseiten der Mittelschulleitungen hiess es, der Aufwand bei der Kontrolle der Jokertagen sei zu gross. Ausserdem nehme der Stoff zu, während die Schulzeit abnehme.

Die KBIK sah dies jedoch anders und schlug vor, ins Mittelschulgesetz aufzunehmen, dass die Schulen in ihrer Verordnung das Absenzenwesen und die Gewährung von Jokertagen regeln können. Ein Minderheitsantrag der GLP schlug vor, die Jokertage auf das Untergymnasium zu beschränken. Der Kantonsrat stimmte mit 115 zu 15 Stimmen bei einer Enthaltung für den Kommissionsantrag.

Breite Unterstützung der Idee

Während sich die SVP gegen die Idee von Jokertagen stemmte, befürwortete der Rest des Rates den Gegenvorschlag, den die kantonsrätliche Kommission zur Einzelinitiative vorlegte.

Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) sagte, die Einführung von Jokertagen an den Gymnasien führe zu administrativem Mehraufwand. «Sind 13 Wochen Ferien und die Möglichkeit zu begründeten Absenzen nicht genug? Jetzt auch noch Jokertage,» fragte Burtscher, «Da sind wir auf dem Weg in die Spassgesellschaft.»

Geografielehrer Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) doppelte nach und verwies auf arme Kinder in Entwicklungsländern: «Die sind froh wenn sie in die Schule gezwungen werden.» In der Schweiz hingegen führe man immer mehr Freizeit ein: Freier Samstag, ein Semester weniger an der Mittelschule. «Das wird sich noch auswirken.» EVP und FDP betonten, dass die Jokertage die Selbstverantwortung der Kantonsschülerinnen und –Schüler förderten. Lorenz Schmid (CVP, Männedorf) hielt der SVP vor, dass mittlerweile sogar das Militär Jokertage in der Rekrutenschule kenne. Für den Minderheitsantrag der GLP sprach sich die EDU aus, denn: «Am Untergymi sind die Jokertage ok, am Obergymi ein falsches Signal», sagte Hans Egli (EDU Steinmaur).

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) bezeichnete die Diskussion um die Jokertag als von nicht zentraler Bedeutung für den Bestand und die Zukunft der Zürcher Mittelschulen. Gleichwohl seien Jokertage ein falsches Signal.

Der Antrag zur Gesetzesänderung geht nun in die Redaktionskommission und wird zu einem späteren Zeitpunkt nochmals diskutiert. Die SVP will dann mit einem Antrag auf Ablehnung versuchen, den Entscheid noch zu kippen. (past/sda)

Erstellt: 22.01.2018, 11:40 Uhr

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