Winterthur

Auch Einbrecher machen Ferien – nur nicht alle gleichzeitig

«Sommerzeit ist Einbruchszeit», heisst es. Doch die Statistik belegt das Gegenteil: Auch Ganoven haben Ferien - ausser in Winterthur.

Eine (fast) heile Welt: Im Paradies die Zeit vergessen, während zu Hause die Wohnung ausgeräumt wird.

Eine (fast) heile Welt: Im Paradies die Zeit vergessen, während zu Hause die Wohnung ausgeräumt wird. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Polizeidienststellen warnen hierzulande seit Wochen vor vermehrter Einbruchgefahr während der Ferienzeit. «Keine Ferien machen die Einbrecher. Sie haben während der Ferienzeit Hochkonjunktur», schreiben beispielsweise die Zentralschweizer Polizeikorps in einer Medienmitteilung. Aber auch die Solothurner Kantonspolizei mahnt: «Einbrecher sind während der Ferienzeit besonders aktiv.» Tatsache ist aber: Diese generellen Aussagen sind falsch. Eine Untersuchung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt, dass das Gegenteil wahr ist: Die Zahl der Einbrüche in Ein- und Mehrfamilienhäuser (ohne Geschäftseinbrüche) ist in den Sommermonaten Juni, Juli und August so tief wie in keiner anderen Jahreszeit.

Schweizweit werden im Sommer durchschnittlich 2000 bis 2200 Einbruchdiebstähle pro Monat verzeichnet. In den «dunklen» Herbst- und Wintermonaten (November bis März) registriert man hingegen jeden Monat im Schnitt zwischen 3000 bis 4200 Einbrüche in Privathaushalte. Das belegen die BFS-Auswertungen der nationalen Polizeistatistiken der Jahre 2012 und 2013.

Das Fazit der Statistiker ist denn auch eindeutig: «Während der Sommerferienzeit ist keine Häufung der Einbrüche festzustellen.» Die Zahl der Einbruchdiebstähle bleibe in den Sommermonaten hierzulande «auf vergleichsweise niedrigem Niveau».

Winterthur tanzt aus der Reihe

Diese gesamtschweizerische Tendenz spiegelt sich im Grundsatz auch im Kanton und in der Stadt Zürich. «Im Sommer stellen wir in Sachen Einbruchdiebstähle tatsächlich eher eine Flaute fest», bestätigt Stefan Oberlin, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Doch: keine Regel ohne Ausnahme. Leichte regionale Unterschiede sind immer mal wieder zu beobachten. So beispielsweise letztmals im vergangenen Jahr in Winterthur.

Zwar waren 2014 die Einbruchzahlen auch in der Stadt und in der Region Winterthur im Juni und August tiefer als in der übrigen Zeit des Jahres. Doch entgegen dem landläufigen Trend verzeichnete die Stadt im Juli letzten Jahres plötzlich eine Häufung der Einbrüche. Insgesamt 60 Einbruch- und Einschleichdiebstähle (beim Einschleichdiebstahl nutzt der Täter offen stehende Türen oder Fenster) hatte die Polizei damals registriert. Das sind immerhin rund 20 Einbrüche mehr als zu dieser Jahres- zeit üblich. Und damit auch mehr als in den zur «Hochsaison» zählenden, klassischen Einbrechermonaten Februar (50 Einbrüche) und März (56) des gleichen Jahres.

Alles nur Zufall?

Ist der statistische Ausreisser in Winterthur einfach nur ein Zufall? Plausible Erklärungen für die höheren Einbruchzahlen hat die Polizei auf jeden Fall nicht parat. Auch die Stadt Zürich wies im gleichen Zeitraum keine erhöhten Einbruchzahlen auf. Und offizielle Zahlen für das laufende Jahr liegen für die Stadt Winterthur momentan noch nicht vor.

Die Polizei weist allerdings explizit dar­auf hin, dass es sich so oder so lohne, zu allen Jahreszeiten an allen Orten im Kanton gleich wachsam zu sein und präventive Massnahmen zu ergreifen (siehe Kasten).

«Das beste Mittel gegen Einbrüche ist – ob im Sommer oder Winter –, Einbrechern möglichst unattraktive Umstände zu schaffen», sagt Monika Simmler von der Forschungsgemeinschaft für Rechtswissenschaft an der Universität St. Gallen. «Den Eindruck zu erwecken, dass jemand zu Hause ist, in Kombination mit einer gewissen nachbarschaftlichen Aufmerksamkeit sind dabei altbewährte und wirksame Mittel.»

Kriminologe Lorenz Biberstein von der Universität Zürich weist zudem dar­auf hin, dass es keine Mär ist, dass leere Wohnungen stärker gefährdet sind. Untersuchungen zeigten, «dass sich das Risiko eines Einbruchs um das 2,2-Fache erhöht, wenn die Wohnung länger als zehn Wochen pro Jahr leer steht». Fast gleich stark gefährdet (Faktor 1,8) sind laut Biberstein Wohnungen, die mindestens zwei Nächte pro Woche leer stehen, «was bei Singles ja nicht selten vorkommt». (Landbote)

Erstellt: 30.07.2015, 21:06 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben