Ständeratswahl

Zum Auftakt eine Glarner Kalberwurst

Ruedi Noser (FDP) feierte seine Bestätigung als Ständerat im Restaurant Hornegg im Zürcher Seefeld. Die Bedeutung und Verantwortung der Zürcher Standesvertretung würden grösser in dieser Amtszeit, sagt er.

Geschafft, man darf sich freuen: Doris Fiala und Ruedi Noser, ganz rechts Urs Egger. Foto: Reto Oeschger

Geschafft, man darf sich freuen: Doris Fiala und Ruedi Noser, ganz rechts Urs Egger. Foto: Reto Oeschger

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Noch wenige Sekunden bis zur Bekanntgabe. Alle sind ruhig, gespannt. Dann, das Resultat. Sieg! Hundert Hände gehen in die Höhe, der Saal tobt. – So war es nicht gestern im Restaurant Hornegg in Zürich. Es sind erst ein paar wenige Personen anwesend im Lokal, das sich Ständerat Ruedi Noser (FDP) für die Wahlfeier ausgesucht hat. Dass das Resultat schon in der ersten Hochrechnung um 12 Uhr klar und eindeutig ausfallen würde, damit hat niemand gerechnet.

So freut man sich zunächst in kleiner Runde, zu der auch der Wiedergewählte gehört. Man hat bereits gemeinsam gegessen. Noser hatte sich ein Menü mit Glarner Kalberwurst gewünscht. Im Glarnerland ist er aufgewachsen, dort wird die Speise jeweils an der Landsgemeinde serviert.

Noser hatte sich nichts geschenkt, war fast jeden Abend irgendwo aufgetreten. Ist er froh, dass der Stress nun vorbei ist? «Wenn am Schluss der Erfolg steht, ist es kein Stress», sagt er.

Nach und nach treffen die ersten Gratulationen von auswärts ein, die IT-Unternehmer Noser auch über seine Apple Watch am Handgelenk entgegennimmt. Er trinkt noch Kaffee, Urs Egger hält bereits ein Glas Weissen in der Hand. Egger ist noch bis Ende Monat Geschäftsführer der kantonalen FDP, seine Frau Hedy war lange die Wirtin im Restaurant Hornegg. Heute sind sie noch über eine GmbH mit dabei, sie hilft aus im Service. Als Wirt übernommen hat der langjährige Koch, den alle Ruben nennen, weil sein tamilischer Name lang und schwer auszusprechen ist.

Kein Stress

Noser hatte sich stets siegessicher gegeben – selbst für den Fall, dass SVP-Kandidat Roger Köppel noch einmal angetreten wäre. Er freue sich, sagt er jetzt, dass man mit einer klaren Haltung noch Wahlen gewinnen kann. Wobei er durchaus vermittelnd aufgetreten ist. Wieder fast im Wahlkampfmodus, nennt er einen seiner Kernsätze dazu: «Wir müssen auf die Klimajugend hören, aber auch schauen, dass deren Eltern Arbeit haben.» Anders als seine unterlegene Mitbewerberin Marionna Schlatter (Grüne) vermutet er hinter dem Wahlresultat kein Links-rechts-Schema. Die Leute seien als Zürcherinnen und Zürcher an die Urnen gegangen, sagt er.

Noser hatte die SVP-Stimmen nicht auf sicher. Und er geht davon aus, dass er auch Stimmen aus der SP-Wählerschaft erhalten hat – wie bereits im ersten Wahlgang als zweiter Bisheriger neben Daniel Jositsch (SP).

Erfolgsfaktoren

Parteipräsident Hans-Jakob Boesch ist eingetroffen. Zusammen mit Nationalrätin Doris Fiala freut er sich: «Ein Resultat, kein Resultätli.» Bei der mit dem ersten Wahlgang zum Ständerat stattfindenden Nationalratswahl am 20. Oktober war die Besitzstandswahrung (fünf Zürcher FDP-Sitze) knapper erfolgt.

Das Ausgleichende sei einer der Erfolgsfaktoren von Noser, sagt Fiala. Ein Unternehmer mit Verantwortung sei er. Ein Ermöglicher. Das sei heute gefragt. Wer stur nur die eigenen Interessen vertrete, bleibe auf der Strecke. Als Beispiele hierfür nennt sie neben Köppel den aus dem Nationalrat abgewählten Gewerkschaftsmann Corrado Pardini (SP, Bern).

Gezeichnete Gäste

Unzählige Porträtbilder zieren die Wände im Restaurant. Gezeichnet hat sie der 2011 verstorbene Karikaturist Nico. Er wohnte in der Nähe, kehrte öfters hier ein und zeichnete offenbar gern die Gäste. Mehr und mehr werden die Bilder nun verdeckt durch neu hinzukommende Gratulanten und Gratulantinnen.

Noser und Jositsch waren betont als Team aufgetreten. In der kommenden Amtszeit, die für beide die zweite ist, werde ihre Bedeutung als Zürcher Standesvertreter noch zunehmen, sagt Noser. Es gehe neben dem Klima auch um die Altersvorsorge, die Krankenkassenprämien, das Verhältnis zur EU. Für Zürich als grössten Wirtschaftskanton seien das entscheidende Fragen.

Dann macht er sich auf ins Medienzentrum im Walcheturm. Er werde noch einmal zurückkehren, sagt er. Durchgefeiert wird aber trotz Glanzresultat nicht. Am Montagmorgen steht eine Kommissionssitzung in Bern an.

Erstellt: 17.11.2019, 22:27 Uhr

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