Rapperswil-Jona

«Wäre merkwürdig, wenn wir einen Bogen darum machen würden»

Facebook, Twitter und Youtube nutzen auch die Schwestern des Klosters Wurmsbach. Seit dem Wochenende ist ihr neuestes Video online.

Schwester Rebekka (rechts) hat im Klostergarten in Wurmsbach Schwester Andrea und weitere Ordensgenossinnen vor der Kamera erzählen lassen, warum sie im Kloster sind.

Schwester Rebekka (rechts) hat im Klostergarten in Wurmsbach Schwester Andrea und weitere Ordensgenossinnen vor der Kamera erzählen lassen, warum sie im Kloster sind. Bild: Sabine Rock

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Klöster bringt man mit Einkehr, Geschlossenheit und Stille in Verbindung. Soziale Medien stehen für Schnelligkeit und Öffentlichkeit. Im Video, welches Sie an Pfingsten aufgeschaltet haben, stehen Schwestern Ihrer Gemeinschaft vor der Kamera. Wie passen diese Gegensätze zusammen?

Schwester Rebekka: Ich sehe das nicht so schwarz-weiss. Dass wir im Kloster die Stille bewusster suchen und einsetzen, bedeutet nicht, dass wir uns von der Menschheit abwenden sollen. Auch wir sind mit dem Weltgeschehen verbunden. Schwester Andrea: Wir stehen im Dienst für Gott und auch den Menschen. Manche Klöster wenden sich stärker nach innen. Viele Klöster engagieren sich für die Mitmenschen, etwa in der Krankenpflege oder im Gespräch. Unser Engagement nach aussen ist das Internat. Die Schule hat man denn auch 1843 gegründet, um sich nützlich zu machen und damit die drohende Schliessung abzuwenden.

Vor die Kamera zu stehen und an die Öffentlichkeit zu gehen, wie erlebten Sie und weitere Mitglieder das?

Schwester Rebekka: Wir hatten zwar schon zuvor Videos aus Gottesdiensten veröffentlicht. Dass einige von uns nun direkt vor der Kamera stehen und in einem einzigen Satz sagen, weshalb sie im Kloster sind, ist neu. Ich habe es als tolles Gemeinschaftserlebnis empfunden, bei dem wir uns gegenseitig halfen. Wenn man sich das nicht gewohnt ist, weiss man vielleicht nicht, mit wem man da nun redet und wohin man schauen soll. Wir hatten diese Aufnahmen aber ratzfatz im Kasten. Kamerascheu sind wir nicht! Schwester Andrea: Die Home-page unseres Klosters gibt es seit 1995, also seit Beginn des World Wide Web. Die Mädchen, die unser Internat besuchen, wachsen ja auch mit den neuen Medien auf. Da wäre es merkwürdig, wenn wir darum einen Bogen machen würden.

Weht mit Papst Franziskus ein frischer Wind?

Dass er das Jahr der Orden ausrief, hat zweifellos viel bewirkt in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit. Bischöfe haben sich darauf direkt an die Klöster gewandt und uns ermutigt, an die Öffentlichkeit zu gehen, um uns und unsere alternative Lebensform zu zeigen.

Ein Kloster wäre nicht ein Kloster, wenn es in einigen zentralen Punkten bewusst unmodern wäre. Inwiefern gehen Sie nach wie vor nicht mit der Zeit?

Schwester Rebekka: Als Zisterzienserinnen leben wir nach den Regeln des Heiligen Benedikt. Seine Regeln sind auch nach 1500 Jahren noch aktuell, also zeitlos und damit auch modern. Der stark rhythmisierte Tagesablauf mit dem Wechsel aus Gebet und Arbeit, aber auch unsere Ortsbeständigkeit sind sicher Punkte, in welchen wir ganz traditionell sind. Wir haben andere Wertvorstellungen: Erfolg, Karriere, Geld, danach streben wir nicht. Schwester Andrea: So müssen wir auch keine Steuererklärung ausfüllen, wir müssen nicht selbst kochen. Wir sind eine Art Grossfamilie, in der heutigen Zeit ist die Kleinfamilie die Regel.

Welche Werte haben Sie in Bezug auf den Umgang mit elektronischen Medien: Sagen Sie, man muss Mass halten?

Schwester Andrea: Wir schauen gerne Nachrichten im Fernsehen. Schliesslich müssen wir à jour sein, etwa beim Thema Flüchtlingsdramen im Mittelmeer. Die Internatsschülerinnen fragen uns zu solchen aktuellen Themen, für solche Diskussionen müssen wir offen sein. Die «Tagesschau» um 19.30 Uhr verpassen wir allerdings jeweils. Dann ist unser Abendgebet. Schwester Rebekka: Wogegen ich ankämpfe, ist der Anspruch punkto Präsenz, der mit neuen Kommunikationsmitteln entsteht. Beantwortet man eine E-Mail nicht gleich am selben Morgen, kommt nach Mittag gleich der Telefonanruf: Haben Sie meine Mail gesehen? Schwierig finde ich auch eine gewisse Enthemmung, die durch die grössere Anonymität eintreten kann. Wir versuchen, in der Schule zu vermitteln, dass Kommentare, die man einmal im Internet abgegeben hat, dort bestehen bleiben.

In Wurmsbach gehen 85 Mädchen im Oberstufenalter zur Schule. Sie leben von Sonntagabend bis Freitagnachmittag im Internat. Dürfen Sie soziale Medien und überhaupt das Internet nutzen?

Schwester Andrea: Unser Computerraum ist mit den neuesten Desktop-PCs und Tablets ausgerüstet. Die meisten Schülerinnen haben ein Smartphone. Die Drittklässlerinnen haben das Handy immer bei sich, die Erstklässlerinnen müssen es abgeben und dürfen es zu speziellen Zeiten nutzen. Zunächst war diese Zeit abends gleich nach dem Nachtessen. Die Schülerinnen fanden aber selbst, dass es dann Zeit sei, um gemeinsam etwas zu unternehmen. So haben wir abgemacht, dass wir die Telefonzeit später am Abend ansetzen. Ausserhalb der Unterrichtszeit haben wir ein relativ dichtes Programm. Die Mädchen haben ein Ämtli oder gehen in Gruppen ihren Interessen nach – zum Beispiel Cupcakes backen. Es gibt Mädchen, die sind effektiv handysüchtig. Wir können das Smartphone aber nicht einfach verbieten, sie müssen den Umgang damit lernen. Wir wollen den massvollen Umgang vorleben und vermitteln, dass man das Handy nicht in jeder Situation braucht. Wenn man eine Bergtour macht, schaut man ja auch nicht immer ins Handy. Schwester Rebekka: Allerdings kann das GPS dabei schon nützlich sein (die beiden lachen).

Apropos Umgang lernen: Im Gegensatz zu anderen Schulen gehen hier nur Mädchen zur Schule. Das kann für jemand eine Befreiung sein oder auch ein Mangel. Wie erleben das die Schülerinnen?

Schwester Andrea: Die Mädchen kommen, bevor sie in die Schule eintreten, zu uns zum Schnuppern. Wir wollen sicher gehen, dass es für sie das Richtige ist. Manche sind wohl froh, dass sie sich hier nicht so stylen müssen. An den allermeisten Wochenenden fahren sie nach Hause und haben dort ihre Kollegen und Freunde.

Aus welchen Gründen wählen Mädchen das Internat?

Schwester Andrea: Eltern schätzen es, dass wir hier einen stabilen Rahmen bieten und Werte vermitteln. Wir reden hier sehr viel miteinander; die Mädchen lernen, Konflikte anzusprechen und im Team zu arbeiten. Unsere Oberstufenschülerinnen lernen in kleinen Klassen mit Niveaugruppen. Ich denke, dass die Mädchen hier schätzen, dass sie Mitverantwortung tragen können, regelmässige Studienzeiten haben und eine vielfältige Freizeitgestaltung möglich ist. Schwester Rebekka: Es sind auch Mädchen hier, die anderswo schlechte Erfahrungen gemacht haben. Hier können sie sicher sein, dass sie weder abgestempelt noch gemobbt werden. Wir haben viel mehr Zeit, um individuell auf sie einzugehen.

Haben Sie auch Pläne, mit den Schülerinnen Videos zu machen?

Schwester Rebekka: Das haben wir uns vorgenommen. Ich würde gerne etwas mit den Mädchen machen. Wir sind noch am Planen. www.youtube.com/user/SrRebekka

Erstellt: 26.05.2015, 15:46 Uhr

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