Prozess

Vater verletzte seine 4-jährige Tochter bloss fahrlässig mit Zigarette

Die Wunden des Mädchens passen nicht zu absichtlichen Verbrennungen.

Der Beschuldigte beteuerte vor Gericht, seine Tochter sei in die Zigarette reingelaufen.

Der Beschuldigte beteuerte vor Gericht, seine Tochter sei in die Zigarette reingelaufen. Bild: Themenbild: Thomas Burla

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Die zwei rötlichen Hautverletzungen am Unterarm von Marie* sind je rund drei Millimeter gross. Die 4-Jährige zeigte die Verletzungen ihrer Betreuerin in der Kita und sagte: «Papi hat mit Zigarette tsch tsch gemacht, weil Marie nicht geschlafen hat.»

Als das Mädchen seine Wunden zeigte, läuteten bei der Kita-Betreuerin die Alarmglocken.Nicht zuletzt, weil bei der betroffenen Familie seit der zweiten Hälfte 2018 eine Familienbegleitung installiert war.

Mädchen hatte Mühe einzuschlafen

Nachbarn hatten gehört, wie die Tochter angeschrien wurde und bei der Kesb eine anonyme Gefährdungsmeldung gemacht. Das Problem: Das Mädchen konnte über Monate abends nicht einschlafen.

Am Tag nach dem Kita-Besuch fuhr die Kesb samt Polizei am Wohnort ein. Diese verhaftete den Vater, der die folgenden 67 Tage in U-Haft verbrachte. Die Tochter wurde fremdplatziert – und ist es heute noch.

Gestern verantwortete sich der Mitdreissiger vor dem Bezirksgericht Zürich wegen einfacher Körperverletzung. Der Vorwurf: Er habe seiner Tochter zwei Mal eine brennende Zigarette an den Arm gedrückt. Die Staatsanwaltschaft forderte acht Monate Freiheitsstrafe bedingt und eine Busse von 2500 Franken.

«Es war ein Unfall»

«Es war ein Unfall», sagte der Beschuldigte. Er habe auf dem Balkon geraucht, da «ist sie mir in die Zigarette reingelaufen».

Der Verteidiger plädierte auf fahrlässige Körperverletzung. Hätte er seiner Tochter die Zigarette auf dem Arm ausgedrückt, wären die Wunden viel grösser gewesen, argumentierte der Verteidiger. Das Einschlafproblem sei zum Zeitpunkt des Vorfalls zudem gelöst gewesen. Der Vater hätte also keinen Grund gehabt, die Tochter deswegen zu bestrafen. Da habe das Kind etwas durcheinander gebracht.

Der Einzelrichter sprach bei der Urteilseröffnung von einem «nicht wirklich einfachen Fall». Das Mädchen habe sich mit seinen erheblichen sprachlichen Defiziten wohl so ausgedrückt, wie es konnte. Dass es zwei Wunden gebe, spreche gegen die Unfallversion. Aber: Bei bewusst verursachten Brandverletzungen seien die Wunden typischerweise grösser. Eine Absicht sei nicht mit genügender Sicherheit nachzuweisen.

Beschuldigter war 67 Tage in Untersuchungshaft

Klar sei indes, dass es sich um Fahrlässigkeit handle. Das Gericht verurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 50 Franken. Diese ist durch die U-Haft geleistet. Für die letzten sieben Tage U-Haft erhält der Mann eine Entschädigung von 1400 Franken. Er wird zwar nicht gebüsst, muss seiner Tochter aber 1000 Franken Genugtuung bezahlen.

*Name geändert.

Erstellt: 11.09.2019, 16:11 Uhr

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