Hardturm

Promi-Trio kämpft für Stadion

Die Befürworter des geplanten Fussballstadions in Zürich erhalten prominente Unterstützung: Rita Fuhrer, Beat Schlatter und Roger Schawinski erklärten gestern, weshalb sie trotz Fangewalt und Luxuswohnungen für das Projekt sind.

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Lange schien das neue Fussballstadion beim Zürcher Hardturm auf gutem Weg. Bis gewaltbereite Fans und Krawalle den Befürwortern einen Dämpfer nach dem andern versetzten. Dazu kamen der alternative Vorschlag der SP für ein von der Stadt finanziertes Stadion und die Kritik an den zwei 137 Meter hohen Wohntürmen mit ihren Luxuswohnungen.

Nun wollen die Projektbeteiligten und Befürworter die Aufmerksamkeit wieder zurückerobern. Ins Rennen schicken sie dazu ein prominentes Trio um Alt Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP), Komiker Beat Schlatter und Medienpionier Roger Schawinski. Sie führen das Pro-Komitee an, das gestern vor den Medien seinen Kampf für die Abstimmung vom 25. November lancierte.

Künzlis Frisur, Jeandupeux' Freundin

Fuhrer, Schlatter und Schawinski – alle drei in weissen Turnschuhen – outeten sich dabei als grosse Fussballfans. Bei Schawinski begann das so: «Wegen dem Fussball bin ich aus dem Gymi geflogen. Es war 1958, WM in Schweden, und ein 17-jähriger Fussballer namens Pelé begeisterte mich. Ich wollte keinen Match verpassen und vernachlässigte dadurch die Schule. Seither ist Fussball meine Leidenschaft.»

Beat Schlatter schwärmte dagegen für die beiden FCZ-Legenden Fritz Künzli und Daniel Jeandupeux. Von ersterem gefiel ihm die Frisur («Ich ging mit seinem Foto zum Coiffeur») und von letzterem die Lebensgefährtin («Ich holte mir 25 Autogrammkarten von ihm, aber nur, weil oft seine Freundin im Negligé in der Tür stand»).

Begeisterung durch Nähe

Rita Fuhrers Fussballherz schlägt für GC. Und das bereits seit 40 Jahren. Doch seit das Team die Spiele nicht mehr im alten Hardturm, sondern im Letzigrund austrage, sei die Stimmung nicht mehr dieselbe. «Begeisterung entsteht durch Nähe», sagte Fuhrer, und die fehle im Letzigrund wegen der Leichtathletikbahn. Sie sei überzeugt, dass im neuen, reinen Fussballstadion Fans und Mannschaft wieder aufblühen würden.

Dass nun gewaltbereite Fans das Projekt mit dem Namen «Ensemble» gefährdeten, sei fatal, sagte Schawinski. Die Gewaltproblematik sei ernst zu nehmen, aber man müsse sie auf einer anderen Ebene lösen. Schlatter ergänzte: «Wenn man wegen der Chaoten Nein stimmt, bestraft man die Falschen. Von den 10 000 Fans sind 9800 keine Hooligans.»

Mehrheitlich günstige Wohnungen

Genauso ärgert sich Schlatter über die Diskussion um die beiden Wohn- und Gewerbetürme, mit denen die Investorin Credit Suisse den Stadionbau querfinanzieren will. Er sei darauf angesprochen worden, wie er nur ein Projekt mit Luxuswohnungen unterstüzten könne, sagte Schlatter.

Diese Kritiker würden ausblenden, dass ohne die Türme weder die 300 günstigen Genossenschaftswohnungen noch 500 Wohnungen mit mittleren Mietpreisen realisiert würden.

Investition mit PK-Geldern

Beim Thema Wohnungen schalteten sich am gestrigen Komitee-Start auch die Projektpartner von Credit Suisse, HRS und Allgemeine Wohnbaugenossenschaft (ABZ) ein. Sie hatten bis dahin den prominenten Vorredern die Bühne überlassen.

Remo Rüttimann vom Asset Management der Credit Suisse, sagte, dass die beiden Hochhäuser für die Querfinanzierung des Stadionbaus nötig seien – auch die vergleichsweise teuren Wohnungen, die allerdings nur in den oberen zwei Etagen gebaut würden. «Es sind nur wenige – aber die braucht es für die Gesamtfinanzierung.»

Die übrigen Mieten würden sich auf vernünftigem und angemessenem Niveau bewegen, mit Preisen ab 2200 Franken für eine Dreieinhalbzimmer-Wohnung. «Das ist kein Luxus. Für eine vergleichbare Wohnung zahlt man in Zürich durchschnittlich 2500 Franken.»

Rüttimann erklärte zudem, womit die CS in die beiden Bauten investiere. «Das ist nicht Geld, mit dem die Credit Suisse spekulieren will. Wir investieren Pensionskassen-Gelder in ein Anlageprojekt, um dadurch Renten zu garantieren. Was ist falsch daran?»

Mit Schlatter diskutieren

Die Spitze des Pro-Komitees, dem nebst dem Promi-Trio auch die Fussball-Nationalspielerin Meriame Terchoun und Marcel Cornioley vom Stadtzürcher Fussballverband angehören, will sich bis zur Abstimmung der breiten Bevölkerung stellen. Quartiervereine und andere Organisationen können die Mitglieder des Komitees für Diskussionsrunden einladen.

Auch die Vertreter der Projektmitglieder Credit Suisse, ABZ und HRS sowie der beiden Fussballclubs FCZ und GC wollen sich für Informationsanlässe zur Verfügung stellen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.09.2018, 18:47 Uhr

Urnengang vom 25. November

Trockene Abstimmungsfrage zum neuen Fussballstadion.

Am 25. November müssen die Stadtzürcher Stimmberechtigten folgende trockene Frage mit Ja oder Nein beantworten: «Gewährung von Baurechten für die Realisierung eines Fussballstadions, von gemeinnützigem Wohnungsbau und zwei Hochhäusern auf dem Areal Hardturm, Übertragung von zwei Grundstücken ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von 50,16 Millionen Franken und Einnahmeverzicht von jährlich 1,73 Millionen Franken.»
Ausgedeutscht bedeutet dies, dass der Investor mit den Wohntürmen das Fussballstadion querfinanzieren will. Dadurch müsste die Stadt nichts an den Bau und zum Betrieb des Stadions bezahlen. Mit einem reduzierten Baurechtszins auf den Baufeldern, auf denen die Türme stehen werden, unterstützt sie das Projekt aber trotzdem. Vorgesehen sind Baurechtszinse von jährlich 1,2 Millionen Franken und der Verzicht auf Einnahmen von 1,7 Millionen Franken pro Jahr. Das Zürcher Stadtparlament stimmte der Vorlage des Stadtrates zu, aber die Parteien sind gespalten, insbesondere die SP. Nun liegt der Ball beim Stimmvolk.sda

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