Kantonsrat

Parlament verzögert Deponie im Wald

Es dürfte noch sehr lange dauern, bis im Tägernauer Holz im Zürcher Oberland Schlacke aus der Kehrichtverbrennungsanlage Hinwil eingelagert wird. Gestrichen wurde der Richtplaneintrag indes nicht.

Protestveranstaltung im Februar 2019 gegen die Schlackedeponie zwischen Gossau und Grüningen.

Protestveranstaltung im Februar 2019 gegen die Schlackedeponie zwischen Gossau und Grüningen. Bild: Fabienne Andreoli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Kantonsrat debattierte gestern heftig darüber, ob im Tägernauer Holz zwischen Grüningen und Gossau zehn Hektaren Wald für eine Schlackedeponie gerodet werden sollen.

Das Thema erhitzt die Gemüter seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Hauptsorge gilt nicht so sehr der Schlacke, deren Lagerung offenbar unproblematisch ist. Vielmehr geht es um die Zerstörung des Waldes.

2009 wurde der Deponiestandort in den Richtplan eingetragen. Mit der Revision sollte das Volumen der Deponie von 750000 Kubikmetern auf 1,5 Millionen verdoppelt werden. Die Parlamentarier hatten neben dem Vorschlag der Kommission über drei Anträge zu befinden.

Elisabeth Pflugshaupt (SVP, Gossau) stellte in ihrem Antrag zwei Bedingungen: Die Deponie darf erst in Betrieb genommen werden, wenn alle anderen Kapazitäten für Schlacke im Kanton erschöpft sind. Und: Die Deponie im Tägernauer Holz und die benachbarte Deponie Leerüti dürfen nicht gleichzeitig betrieben werden.

Nur eine Deponie aufs Mal

Schon bald zeigte sich, dass dieser Antrag im Rat einige Sympathien genoss. So signalisierte die FDP Unterstützung, weil im Moment genügend Kapazität für das Deponieren von Schlacke vorhanden sei und die Volumen eher abnehmen würden. Zudem stehe bereits die nächste Teilrevision des Richtplans an, und darin solle die Kapazität der Deponie Leerüti von 0,5 auf 1,3 Millionen Kubikmeter erhöht werden. Das Zürcher Oberland trage also seinen Teil der Last.

Schliesslich stimmte der Kantonsrat dem Antrag Pflugshaupt mit 140 zu 31 Stimmen der SP zu. Die SP hatte sich unter anderem am drohenden Monopol der Schlackedeponie Lufingen gestört – und war damit nicht allein. «Die Gebühren sind bereits gestiegen, seit der Antrag Pflugshaupt bekannt wurde», sagte etwa Christian Schucan (FDP, Uetikon).

Die SP forderte in einem Antrag, es sei auf die Verdoppelung des Volumens zu verzichten. «Das verfügbare Deponievolumen muss knapp sein», sagte Ruedi Lais (SP, Wallisellen). Nur so werde ernsthaft Abfall vermieden. Aufgrund der Zahlen, die man von der Baudirektion erhalten habe, werde zudem nicht klar, ab wann das grössere Volumen überhaupt nötig sei.

Die einfachste Lösung

Einen Schritt weiter als die SP gingen die Grünen. Sie wollten den Deponiestandort ganz aus dem Richtplan streichen. «Eine Deponie mitten im Wald – diesen Präzedenzfall können die Grünen nicht unterstützen», sagte Marionna Schlatter (Hinwil). Es handle sich um das grösste zusammenhängende Waldstück im Zürcher Oberland und ein wichtiges Ökosystem. Das Tägernauer Holz sei nicht die beste, sondern die einfachste Lösung. Weil sich der Wald im Besitz des Kantons befinde, würden nämlich keine Entschädigungen für Grundeigentümer anfallen.

«Können wir es uns leisten, auf Kosten der Natur zu planen?», fragte Schlatter in die Runde. Die EU verbiete Einwegplastik, während man im Kanton Zürich eine Deponie plane, die von grösseren Abfallmengen ausgehe. «Mehr Abfall ist kein Naturgesetz», sagte Schlatter.

Mit 85 zu 86 Stimmen von SVP, FDP, CVP und Teilen der GLP scheiterte der Antrag der SP denkbar knapp. Deutlicher war das Resultat beim Streichungsantrag der Grünen (40:129). Ihm schlossen sich nur die AL, Teile der EVP und einzelne Parlamentarier aus Gossau an.

Erstellt: 28.10.2019, 20:40 Uhr

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.