Winterthur

Mit dem ersten Langfilm ins Kinoprogramm

Der 26-jährige Lukas Schwarzenbacher hat geschafft, auf was viele Filmemacher lange warten müssen: Die Loge hat seinen Film «Isidor» ins reguläre Programm aufgenommen. Er schätzt das, seine Pläne beeinflusst es aber nicht.

Den einzigen Luxus, den sich Isidor ab und zu gönnt, ist Kaffee. Diesen bereitet er über dem Feuer zu.

Den einzigen Luxus, den sich Isidor ab und zu gönnt, ist Kaffee. Diesen bereitet er über dem Feuer zu. Bild: pd

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Geplant waren 20 Minuten. Doch dann wurde der Dokumentarfilm über einen Mann, der seit Jahren alleine im Winterthurer Wald wohnt 80 Minuten lang. Kinofilmlänge also. Der logische, nächste Schritt kam dann auch. Der junge Filmemacher Lukas Schwarzenbacher mietete für einen Tag einen Kinosaal in der Loge – auf eigenes Risiko. Und wurde belohnt: Die Nachfrage war gross, die zwei Vorstellungen schon Wochen vorher ausgebucht.

Dies überzeugte auch die Loge. Das Kino in Winterthur hat den Film «Isidor» für drei Tage ins reguläre Programm aufgenommen. Die Premiere im Kino Nische am letzten Sonntag wurde von Zuschauern überrannt und die drei geplanten Vorstellungen im Programm der Kino Loge waren nach ein paar Tagen fast ausverkauft. Daher zeigt die Loge den Film nun sogar an zehn Tagen.

Keine Action oder geschliffene Emotionen

Mit dem ersten Langzeitfilm in das Programm eines Kinos aufgenommen werden – davon können viele Filmemacher nur träumen. Ein wenig erstaunt über den Erfolg seines ersten langen Filmes ist Schwarzenbacher schon. «Ich dachte eigentlich, dass es Action oder geschliffene Emotionen braucht, um ein breites Publikum für einen Film zu interessieren.» Anscheinend seien aber viele Menschen nicht auf der Suche nach Action sondern, – im Gegenteil – nach einem Stück Ruhe im hektischen Alltag.

Der Trailer zu seinem ersten Langspielfilm kommt denn auch aussergewöhnlich ruhig daher. Es wird keine aufregende, aussergewöhnliche Geschichte verkauft, sondern es werden nur ruhige Bilder gezeigt. Extra, wie Schwarzenbacher, betont: «Ich wollte keinen sensationshungrigen 10-Minuten-Spot machen, der aussagt: Hey, der lebt im Wald, der ist speziell. Ich will, dass sich die Menschen Zeit nehmen, Isidor kennenzulernen.»

Symbiose ist wichtig

Der Film «Isidor» ist Schwarzenbachers Abschlussarbeit des Studiums an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich. Nun konzentriert er sich Vollzeit auf seine Agentur «Islandart», die er mit einer Studienkollegin vor zweieinhalb Jahren gegründet hat, und dreht weiterhin Filme. Der nächste Kurzfilm soll bereits diesen Herbst herauskommen, ein weiterer im März 2016. Zurück zu den kurzen Filmen? «Bei mir steht immer zuerst die Idee, dann schaue ich in welche Form diese am besten passt», erklärt Schwarzenbacher. «Irgendwann gibt es vielleicht wieder einen Kinofilm. Aber es bringt nichts, ein Thema aufzublasen, nur weil ich Lust auf einen Langfilm habe.»

Sich ganz aufs Filmen zu konzentrieren, kommt für den 26-Jährigen sowieso nicht in Frage – trotz seines Erfolgs. Die «Symbiose» zwischen den Kundenarbeiten in der Agentur und seinen eigenen Filmprojekten ist ihm zu wichtig. «Einerseits lerne ich so, seriös zu arbeiten und mich zu organisieren, andererseits habe ich die Möglichkeit Neues auszuprobieren», sagt Schwarzenbacher. Sein Ziel ist es, seine Firma auszubauen: «Fünf Angestellte wären perfekt».

«Ich sage niemandem, wo Isidor wohnt»

Ob der Film Isidor nun auch in weiteren Kinos oder gar im Fernsehen zu sehen sein wird, weiss er noch nicht. «Ich bin gerade ein wenig überwältigt und einfach glücklich. Jetzt warte ich erstmals ab, wie die Vorführungen in der Loge laufen».

Zu viel Rummel würde wohl vor allem einem nicht gefallen: Isidor. Der Protagonist des Filmes, ist sehr öffentlichkeitsscheu. Schwarzenbacher darf den Film zeigen und über den im Wald lebenden Mann reden. Der Einsiedler gibt aber weiterhin keine Interviews. Und wo genau Isidor im Wald wohnt, erzählt Schwarzenbacher niemandem – nicht einmal seinen Kollegen.

Heute ist heute

Ein halbes Jahre begleitete Schwarzenbacher den scheuen Mann mit der Kamera. Kennen tut er ihn bereits seit 10 Jahren – von flüchtigen Begegnungen und Gesprächen in der Stadt und im Wald.

Isidor ist Schwarzenbacher wichtig: «Er wird immer ein Teil meines Lebens bleiben.» Der Eremit habe sich über den Film gefreut. Ab und zu zitiere er sich sogar selber. Was Isidor aber wirklich über den ganzen Rummel denkt, weiss auch Schwarzenbacher nicht genau. «Er lebt einfach weiter wie immer. Heute ist für ihn heute. Und morgen ist morgen.»

Und genau das ist es wohl, was Isidor im Wald sucht und findet. Die Frage, ob Isidor in seinem bescheidenen Leben glücklich ist, kann und will Schwarzenbacher nicht beantworten. «Aber er ist sicher glücklicher als so manch einer hier in der Stadt.»

Erstellt: 08.05.2015, 13:56 Uhr

Veranstaltungshinweis

Der Film «Isidor» läuft vom 11. - 20.Mai 2015 (jeweils 18.30) im Kino Loge (Saal 2) in Winterthur.

Tickets und weitere Informationen unter www.kiwikinos.ch und www.islandart.ch

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