Zürich

Mehr Geld trotz Misstönen

Der Gemeinderat hat für den Umbau der Tonhalle einen Zusatzkredit von 13 Millionen Franken gesprochen.

Der Gemeinderat spricht den Zusatzkredit für die Tonhalle.

Der Gemeinderat spricht den Zusatzkredit für die Tonhalle. Bild: Sabina Bobst

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Dass der Umbau von Tonhalle und Kongresshaus mehr kosten wird als die 165 Millionen Franken, die das Stadtzürcher Stimmvolk 2016 bewilligte, zeichnete sich bald nach Start der Arbeiten 2017 ab. Im vergangenen April nun gab der Zürcher Stadtrat bekannt, dass er vom Gemeinderat einen Zusatzkredit von 13,1 Millionen Franken verlangen muss.

9,4 Millionen Franken soll die Kongresshaus-Stiftung erhalten für bauliche Mehrkosten und die Aufstockung der Reserven, 3,7 Millionen Franken die Tonhalle-Gesellschaft für den Mehraufwand, da der Umzug um ein halbes Jahr auf März 2021 verschoben wurde.

Am vergangenen Mittwochabend hat das Zürcher Parlament den gesamten Zusatzkredit bewilligt, allerdings nicht ohne Misstöne und in leicht veränderter Form. Unumstritten waren die 3,7 Millionen für die Tonhalle-Gesellschaft. Die Terminverschiebung habe für die Tonhalle «schwerwiegende finanzielle Auswirkungen», schreibt der Stadtrat in der Weisung, da sie wegen des Umzugs mitten in der Hochsaison den Betrieb für einen Monat einstellen muss.

«Grobe Fehler»

Kritik übten die Gemeinderäte beim Zusatzkredit für bauliche Mehrkosten, die wegen schlechter Bausubstanz, dem Denkmalschutz und Fehlern bei der Planung entstanden. Laut Medienberichten sprach die SVP von «Missmanagement» und «groben Fehlern in der Bauleitung». Die FDP kritisierte die mangelnde Kontrolle des Stadtrats.

Die für Unvorhergesehenes gedachten Reserven waren stattdessen für Projektoptimierungen verwendet worden wie zusätzliche WCs, Lüftung und Kühlung im Verwaltungstrakt und die Verbesserung der Akustik. Deshalb wollte die FDP die Reserven nicht aufstocken und lediglich 2,5 Millionen Franken bewilligen für Verbesserungen wie neue Stühle und einen Parkettboden mit Schallankoppelung an die Bühne. So hätte sich der Gesamtbetrag von 13,1 Millionen auf 6,2 Millionen reduziert. Die GLP wollte weniger Reserven gutheissen, den Gesamtbetrag allerdings nur auf 10,4 Millionen kürzen.

«Kein Spaziergang»

Hochbauvorstand André Odermatt (SP) gestand im Rat Fehler ein und sprach von «Planungslücken». Der Steuerungsausschuss des Stadtrats habe Entscheide aufgrund von falschen Annahmen getroffen, sagte Odermatt laut «NZZ». Man habe aber immer gewusst, dass die Sanierung kein Spaziergang werden dürfte. Bis jetzt habe es effektiv noch keine Kostenüberschreitungen gegeben. Lediglich die Reserven seien so gut wie aufgebraucht, deshalb wolle man frühzeitig den Zusatzkredit verlangen.

Die Hälfte als Darlehen

Mit 70 zu 16 Stimmen bei 31 Enthaltungen der FDP und der GLP bewilligten die Gemeinderäte schliesslich den gesamten Zusatzkredit. Allerdings wird der Betrag aufgeteilt, wie ein mehrheitsfähiger Kompromiss von SP, AL und den Grünen vorschlug. Die Hälfte der 9,4 Millionen für die Instandsetzung wird als Investitionsbeitrag gesprochen, die andere Hälfte als rückzahlbares Darlehen gewährt – falls es denn nötig würde.

Zudem unterstützte das Parlament ein SVP-Postulat, das vom Stadtrat einen Bericht verlangt. Dieser soll nach Abschluss der Kongresshaus-Sanierung aufzeigen, wie Kostenüberschreitungen und Planungsfehler künftig vermieden werden können. (kme)

Erstellt: 03.10.2019, 20:10 Uhr

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