Medizin

Massiv weniger Leichenöffnungen – Ärzte warnen vor den Folgen

Die Zahl der Obduktionen in den drei grössten Spitälern im Kanton – KSW, Triemli und Unispital –ist auf einem neuen Tiefststand. Pathologen sehen jetzt die Qualitätssicherung und die Ausbildung in Gefahr.

Obduktionen dienen zur Bestimmung der genauen Todesursache. Sie werden jedoch immer seltener durchgeführt.

Obduktionen dienen zur Bestimmung der genauen Todesursache. Sie werden jedoch immer seltener durchgeführt. Bild: Pixabay (Symbolbild)

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Stirbt ein Mensch, gibt die Obduktion zuverlässig Gewissheit über die Todesursache. Doch sie wird in den Spitälern immer seltener durchgeführt. Die Obduktionsrate, also der Anteil jener von allen im Spital verstorbenen Patienten, deren Leichnam geöffnet und untersucht wurde, sank in den letzten Jahren massiv.

Wurden vor rund 40 Jahren im Kanton Zürich durchschnittlich noch 60 Prozent aller Verstorbenen im Spital obduziert, so ist es in den drei grössten Zürcher Spitälern heute nur noch ein Bruchteil davon. Am meisten Leichenöffnungen gab es 2018 am Universitätsspital; die Obduktionsrate lag dort bei 23,1 Prozent (Vorjahr 26,6 Prozent).

Eine sinkende Tendenz ist auch beim Kantonsspital Winterthur festzustellen. Die Autopsierate fiel am KSW innert zwei Jahren von 21,6 auf 16,7 Prozent.

Den stärksten Einbruch verzeichnete aber das Triemli. Lag die Obduktionsrate im Jahr 2000 beim Stadtspital noch bei 65 Prozent, so wurden dort 2018 gerade mal noch 3,4 Prozent der Verstorbenen obduziert, wie Recherchen des «Landboten» zeigen.

Ursache für Rückgang

Angesichts der tiefen Obduktionsraten schlagen Fachleute Alarm. Eine tiefe Autopsierate gefährde nicht nur die Qualität der Aus- und Weiterbildung der Mediziner, sagt Wolfram Jochum, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Pathologie, sondern ganz grundsätzlich die medizinische Qualitätssicherung eines Spitals. Die Schuld an der Entwicklung sehen Jochum und auch weitere Pathologen nicht zuletzt bei den Ärzten selber, die sehr oft «kein besonderes Interesse» an Obduktionen hätten.

(Der Landbote)

Erstellt: 24.02.2019, 17:49 Uhr

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