Wetter

Föhn wird heute bis an den Zürichsee vorstossen

Der «älteste Urner» dürfte heute auch in Regionen spürbar werden, in denen er sonst selten auftaucht. Das liegt einerseits an der Wetterlage, andererseits an der Jahreszeit.

Föhnstimmung über dem Zürichsee: Bis am Abend könnte der warme Fallwind aus den Alpen sogar bis über den See hinaus ins Flachland vorstossen.

Föhnstimmung über dem Zürichsee: Bis am Abend könnte der warme Fallwind aus den Alpen sogar bis über den See hinaus ins Flachland vorstossen. Bild: Martin Steinegger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn der Föhn bläst, dann tut er das normalerweise nur in bestimmten Regionen: Im Urner Reusstal zum Beispiel, oder im Glarnerland. Dort kann der warme Fallwind aus den Alpen grosse Kraft entwickeln. Böen in Orkanstärke sind keine Seltenheit.

Dass der «älteste Urner» – so eine volkstümliche Bezeichnung – aber auch ausserhalb der typischen Föhnregionen auftritt, kommt eher selten vor.

Heute dürfte aber genau das passieren. «Es ist durchaus möglich, dass der Föhn im Verlauf des Mittwochnachmittags bis an den Zürichsee oder kurzzeitig sogar darüber hinaus ins Flachland vorstösst», sagt Daniel Murer, Meteorologe bei Meteoschweiz.

Die Föhnlage, die sich eingestellt hat, ist eigentlich typisch für die Jahreszeit. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet nähert sich dem Kontinent vom Atlantik her. Im Vorfeld dieses Tiefs verstärkt sich der Druckunterschied zwischen Alpennord- und Alpensüdseite. Diese Druckdifferenz ist es, die dem Föhn seinen Antrieb verleiht.

Maximum am Abend

Das Maximum der Föhnlage werde wohl im Verlauf des Mittwochabends erreicht, sagt Daniel Murer. Dann muss in den klassischen Föhngebieten – beispielsweise in Glarus, Altdorf oder im Rheintal – mit Böen von 90 bis 120 km/h gerechnet werden. Um die Mittagszeit gab es in den genannten Gebieten bereits Sturmböen von knapp 100 km/h.

Ausserhalb der Föhngebiete – etwa am oberen Zürichsee oder der Zimmerbergregion – wird der Föhn zwar nicht mehr ganz so stark sein. «In Wädenswil könnte es aber immer noch für Böen um 70 km/h reichen», sagt Daniel Murer. Weiter nördlich werde der warme Wind dann – wenn überhaupt – nur noch mit Böen von 30 bis 50 km/h spürbar sein.

Die stärkste jemals bei Föhn gemessene Windböe trat an der offiziellen Meteoschweiz-Wetterstation in Wädenswil übrigens am 4. November 2014 auf: Damals wurden 107 km/h gemessen.

Die typischen Föhntäler der Schweiz. Gestrichelt eingezeichnet die Gegenden, in welche der Föhn nur selten vorstösst. Quelle: Meteoschweiz

Verantwortlich für das weite Ausgreifen des Föhns nach Norden ist vor allem die Jahreszeit. Damit der Föhn nämlich aus seinen «angestammten» Gebieten ausbrechen kann, braucht es gemäss Daniel Murer bestimmte Voraussetzungen.

Am wichtigsten: Über dem Mittelland darf keine ausgeprägte Kaltluftschicht liegen. Dies ist im Herbst und Winter meistens der Fall. Der Föhn ist dann aus physikalischen Gründen selbst sei sehr grossem Druckunterschied nicht dazu in der Lage, diese bodennahe Kaltluft auszuräumen. Er gleitet über die Kaltluft und verpufft sozusagen über dem Mittelland.

Wichtigste Barriere fehlt heute

An milden Frühlingstagen wie heute aber sieht die Sache anders aus. Die Tage sind länger, die Sonne kann den Boden bereits stärker aufwärmen. Dadurch kann sich keine oder nur eine schwache Kaltluftschicht über dem Mittelland ausbilden. Die wichtigste Barriere für einen Vorstoss des Föhns nach Norden ist also kaum oder gar nicht vorhanden.

Kurzum: Wem heute Nachmittag oder Abend am Zürichsee oder im Zürcher Oberland ein warmer Wind um die Ohren bläst, darf dies als Gruss aus den Alpen auffassen.

Bis Donnerstagfrüh verschwindet der Föhn dann rasch wieder. Eine Kaltfront überquert die Schweiz und läutet eine Phase mit unbeständigem und wohl auch wieder kälterem Wetter ein. (zsz.ch)

Erstellt: 06.03.2019, 14:56 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben