Unterhaltung

«Film ab» für ein Kapitel Zirkusgeschichte

«Ton an, Kamera läuft» heisst es im Aussenquartier des Circus Knie in Rapperswil-Jona. Dort wird derzeit für den SRF-Film «100 Jahre Nationalcircus» gedreht. Ein Besuch am Set.

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Das Pferd hat seinen Termin in der Maske bereits hinter sich. Hübsch eingeflochten ist die Mähne, das weisse Fell glänzt in der Morgensonne, elegant trippelt es den Besuchern entgegen. Es ist bereit für den Drehtag, lange bevor Schauspieler und Komparsen in die Kameras blinzeln. Und da sind sie auch schon, die Zirkuswagen. Der grosse Schriftzug auf jedem einzelnen verrät, welche Zirkusgeschichte hier gleich von den Schauspielern nach­gestellt wird. Ein Strauss Luftballons baumelt an einem alten­ Kassahäuschen; Frauen in wallenden Kleidern schlendern über den Kiesplatz.

Auch ­ohne Chapi­teau und Fanfaren spürt man: Es liegt ein Hauch Zirkuszauber in der Luft.Die Zirkuswelt beginnt an diesem Morgen dort, wo anderen der Zutritt untersagt ist. Das Aussenquartier des Circus Knie am Ortsende­ von Wagen hat sich kurzer­hand in ein Filmset verwandelt. Abgeschirmt von neugierigen Blicken richten sich hier Kameras auf Zirkuswagen und Requisiten aus längst vergangenen Tagen.

«Stehplatz: 60 Rappen»

Auf dem weitläufigen Areal entsteht der fiktionale Teil des SRF-Projekts «Dynastie Knie – 100 Jahre National-Circus». Aktuell befinden wir uns im Jahr 1917. Gefilmt wird eine Begegnung zwischen Mar­grit Lippuner und ihrem künf­tigen Ehemann Friedrich Knie. Dieser, dargestellt vom Berner Schauspieler Simon Käser, hämmert mit festen Schlägen das Preisschild am Kassa­häuschen fest: Stehplatz 60 Rappen, «Kategorie 3» einen Franken Fünfzig, Logenplatz drei Franken. Allein die Preise zeigen: Es sind Szenen aus einer Zeit, die weit zurück­liegt, und die hier nochmals rekons­truiert werden.

«Achtung, wir drehen, bitte Ruhe!», schallt es von der Regie her. Die Kostümbildnerin eilt herbei, zupft hier ein Tuch, dort einen Rock zurecht, jemand von der Maske glättet Hauptdar­steller Simon Käser den Scheitel mit einem Kamm. «Ton an, Kamera­ läuft». Käser – alias Fried­rich Knie – hämmert erneut, Margrit Lippuner (gespielt von Mona Petri) schlendert über den Platz. Zwei-, drei-, viermal wird die Szene wiederholt. Dann wird umgebaut.

Vier Szenen sind es insgesamt, die für diesen Tag auf dem Drehplan stehen. 14 Dreh­tage braucht es, bis der 50-minütige fiktio­nale Teil des Projekts im Kasten ist. Ergänzt wird er später mit Archiv­aufnahmen und Interviews­ mit Familienmit­gliedern und Wegbegleitern der Zir­kusdynastie Knie

Wagen vom Verkehrshaus

Für den fiktionalen Teil konnten die Verantwortlichen der Firma Tellfilm ein wahres Schmuckstück erwerben. Ein alter Zirkuswagen, in dem Margrit Knie-Lippuner einst illus­tre Gäste empfangen hatte, konnte kurzerhand aus dem Verkehrshaus Luzern nach Rapperswil transportiert werden. Drinnen stehe sogar noch die Original-Einrichtung, schwärmt Produzentin Katrin Renz. Ebenfalls ein Hingucker ist das alte Kassahäuschen. Dieses aller­dings wurde für den Dreh nachgebaut. Und: Statt eines Zirkuszelts sticht eine grosse Leinwand ins Auge. Hier wird später mit digitalen Effekten das Chapiteau in die Filmaufnahme projiziert. Dafür, so schildert die Produzentin, ist extra ein Spezialist aus Polen angereist.

Nicht ganz so weit gereist sind die Tiere – allen voran­: die Lamas. Sie, die mit dem typisch dümmlich-gelangweilten Blick in die Sonne blinzeln, stammen aus Knies Kinderzoo in Rapperswil. Auf der Suche nach passenden Kostümen für die Schauspieler hingegen hat die Kostümverantwortliche in der ganzen Deutschschweiz gesucht. Gewänder aus den Anfängen der Zirkusdynastie seien zwar teils noch erhalten. Aktuell befänden sie sich aber im Textilmuseum St. Gallen. Und, fügt sie scherzhaft an: «Sie sollen ja nicht gleich auseinanderfallen, wenn die Schauspieler sie anziehen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 15:07 Uhr

Filmisches Denkmal für 100 Jahre Circus Knie

Die 100-jährige Familiengeschichte der Zirkusdynastie Knie wird in einer zweiteiligen Dokufiktion erzählt. Der 180-minütige Film über 100 Jahre Schweizer National-Circus Knie ist ein natio­nales Fernsehprojekt des Schweizer Fernsehens (SRF). Die zwei­teilige Familiensaga à jeweils 90 Minuten ist ein Format, das sich aus fiktionalen und dokumen­tarischen Teilen sowie Archivaufnahmen zusammensetzt und als Einheit über 100 Jahre Familiengeschichte konzipiert ist. Die Ausstrahlung des Zweiteilers «Dynastie Knie – 100 Jahre Natio­nal-Circus­» erfolgt voraussichtlich im Herbst 2019.

Nachgezeichnet wird, wie die Geschichte der Familie Knie ihren Lauf nahm: 1919 setzten die Gebrüder Knie mit dem Kauf des ersten Zirkuszelts den Grundstein für 100 Jahre National- Circus­. Mit welchen Herausfor­derungen und Konflikten hat die Familie über Generationen hinweg zu kämpfen und wie gelingt es ihr, bis heute zu bestehen? Im dokumentarischen Teil werden der Alltag im Zirkus sowie die Vorbereitungen auf die Jubiläumspremiere von 2019 abgebildet. Im fiktionalen Teil steht die Figur von Margrit Knie-Lippuner im Mittelpunkt. Die Grossmutter der Brüder Fredy Knie jun. und Rolf Knie sowie von Franco Knie sen. und Louis Knie, so heisst es, habe «den Circus Knie zu dem gemacht­, was er heute ist».

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