Wald

Ein hölzernes Jahrhundertwerk

Auf dem Hönggerberg entsteht das europaweit erste Waldlabor. Es soll allen zugänglich sein und auch beantworten, wie der Wald den Klimawandel übersteht und den steigenden Ansprüchen gerecht wird.

Einst verbreitet, heute eher selten: Mittelwald am Hönggerberg.

Einst verbreitet, heute eher selten: Mittelwald am Hönggerberg. Bild: A. Bernasconi PAN Bern

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Wer im Wald arbeitet, denkt langfristig. Und so ist es nur konsequent, dass sich der Verband der Zürcher Waldeigentümer - seit 2018 heisst er Wald Zürich - zu seinem 100-jährigen Bestehen ein Jahrhundertgeschenk macht.

Auf dem Hönggerberg plant er ein Freilichtlabor, das auf die nächsten 100 Jahre angelegt ist. Am 27. Februar wird der Trägerverein gegründet, schon im Juni findet der erste Anlass statt.

Die Fläche, auf der Forscher, aber auch angehende Waldfachleute, Schulklassen und die breite Öffentlichkeit sich mit allen Facetten des Waldes auseinandersetzen sollen, erstreckt sich über 150 Hektaren, was etwa 250 Fussballfeldern entspricht.

Die Initianten sprechen von einem grossen Klassenzimmer für Schülerinnen und Schüler, einem Erlebnis-Wald für Familien und einem Forschungsort für die Profis. Ausprobieren, Beobachten, Erleben, Forschen und Lernen lautet die Devise, und das an 365 Tagen im Jahr.

Wie eine Familie

Die Nähe zum ETH-Campus Hönggerberg ist nicht zufällig. Das Gebiet ist schon in den 1980er-Jahren von der damaligen Professur für Waldbau für Versuche zur Bewirtschaftung von Mittelwald benutzt worden.

Darauf aufbauend sollen im Labor weitere Formen der Waldbewirtschaftung sowie deren Vor- und Nachteile gezeigt werden: von Selven bis zum vorherrschenden Dauerwald, den Felix Keller, Geschäftsführer von Wald Zürich, mit einer Familie vergleicht, wo alte, junge, dicke und dünne Bäume ihren Platz haben.

Forstwarte, Förster und Forstingenieure sollen mit den verschiedenen Bewirtschaftungsformen arbeiten. Die breite Bevölkerung wiederum soll davon überzeugt werden, dass der Wald nicht kleiner wird, wenn sein Holz zum Brennen oder für den Bau eines Esstisches verwendet wird.

Reden über den Wald

Insbesondere bei der städtischen Bevölkerung sieht Keller eine hohe Sensibilität bezüglich der Nutzung des Waldes. Aktuelles Beispiel ist der umstrittene Holzschlag am Uetliberg, wo über 2000 Bäume gefällt werden, damit der Wald seine Schutzfunktion aufrecht erhalten kann.

Es sei wichtig, die Funktionsweisen des Waldes anschaulich zu erklären, sagt Keller. Es soll aber auch eine Diskussion darüber angestossen werden, wie man es schafft, die Interessen von Naturschutz, Freizeitgesellschaft und Holzbewirtschafter gleichermassen zu berücksichtigen. In einem Projekt wird unter anderem untersucht, wie die Bevölkerung auf Waldbewirtschaftung reagiert und wie Konflikte vermieden werden können.

Dem Klimawandel anpassen

Ausserdem soll in einem Lehrpfad die ganze Vielfalt der rund 250 einheimischen Baum- und Straucharten veranschaulicht werden. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Klimawandel. Unter anderem mit Testpflanzungen will man untersuchen, wie und mit welchen Baumarten sich der Wald an den Klimawandel anpassen kann.

Getragen wird das Projekt von Wald Zürich sowie vom Kanton und der Stadt Zürich, die zu einem grossen Teil die Eigentümer des Waldgebiets am Hönggerberg sind. Zur Trägerschaft gehören auch die ETH Zürich, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der Verband Zürcher Forstpersonal.

Eine Art Swiss Miniature

Rund 3 Millionen Franken sind für das Waldlabor veranschlagt. Finanziert wird es auch dank Sponsorengeldern und einem Beitrag aus dem Lotteriefonds in der Höhe von einer halben Million Franken.

Felix Keller stellt sich das Labor als eine Art Swiss Miniature vor, nur einfach viel grösser - und mit dem Unterschied, dass es 20, 30 Jahre dauern wird, bis die Resultate sichtbar werden. Er ist überzeugt, dass sich das Warten lohnen wird. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 05.02.2019, 17:43 Uhr

Zum Jubiläums ans Sechseläuten

30700 Hektaren oder zwei Drittel der Waldfläche im Kanton Zürich gehören den 331 Mitgliedern von Wald Zürich. Dazu zählen der Kanton, die Städte Zürich und Winterthur, die Zürcher Gemeinden, Holzkorporationen, Privatwaldverbände und Einzelmitglieder. Gegründet wurde der Verband am 4. Februar 1919, damals unter dem Namen Holzproduzentenverband des Kantons Zürich. Auslöser war der Erste Weltkrieg und die Auswirkungen auf den heimischen Holzmarkt. Während des Krieges fehlte es nicht nur an Nahrungsmitteln, sondern auch an Brennmaterial. Der Holzpreis stieg markant an. Wie Forsthistoriker Matthias Bürgi am Dienstagabend an der Jubiläumsfeier in der Zunft der Zimmerleuten erläuterte, änderte sich die Lage nach dem nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Auf einmal wurde der heimische Markt mit billigem Importholz überschwemmt. Um ihre Interessen besser zu vertreten, schlossen sich die Holzproduzenten zusammen.
Nebst der Eröffnung des Waldlabors im Juni ist am 8. April ein Auftritt am Sechseläuten geplant. In den Reihen der Zunft zur Zimmerleuten zeigt der Verband die Skulptur Holzkette: vier senkrecht stehende Eichenstämme, die vom Holzbildhauer Thomas Jud beschnitzt worden sind. Gesponsert wurden die Eichenstämme von den Städten Zürich und Bülach sowie der Gemeinde Stammheim und der Hubenkorporation Rümlang. (hz)

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