Zürich

Die Lehrlinge und dann die Künste

François Hollande weilte gestern im Kanton Zürich. Er besuchte unter anderem die Hochschule der Künste in Zürich und zum Auftakt einen Metallbaubetrieb in Hedingen.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande in der Hochschule der Künste, flankiert von Simonetta Sommaruga (rechts) und seiner Ex-Gattin und Umweltministerin Ségolène Royal.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande in der Hochschule der Künste, flankiert von Simonetta Sommaruga (rechts) und seiner Ex-Gattin und Umweltministerin Ségolène Royal. Bild: Keystone

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Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, sagt man. Son Excellence François Hollande ist auf 9.45 Uhr angekündigt. Um 9.41 Uhr taucht der erste Armeehelikopter über dem Gelände der Ernst Schweizer AG Metallbau in Hedingen auf, kurz dar­auf ein zweiter. Offensichtlich wird nichts Verdächtiges am Boden erspäht, denn kurz dar­auf fährt die Fahrzeugkolonne mit dem Staatspräsidenten vor. Er ist mit einer Delegation unterwegs, die meh­rere Dutzend Personen umfasst.

Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga kam schon etwas vorher nach ­Hedingen. Bereits anwesend sind auch Ségolène Royal (Ministerin für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Ener­gie­), Najat Vallaud-Belkacem (Ministerin für Bildung, Hochschulen und Forschung) und François Rebsamen (Minister für Bildung, Hochschulen und Forschung). Sie warten mit Sommaruga vor dem Firmeneingang. Die Bundesrätin überbrückte gekonnt mit Smalltalk en français die Wartezeit für die Gäste. Deren Zuständigkeiten in der französischen Regierung geben einen Hinweis, worauf der Fokus dieses Besuches liegt: Ökotechnologie und Lehrlingsausbildung.

Ein Job nach der Lehre?

Der Rundgang von Hollande durch die Firma findet unter Ausschluss der Medienleute statt. Den Präsidenten habe vor allem eines interessiert, berichtet im Anschluss Verwaltungsratspräsident und Unternehmensleiter Hans Ruedi Schweizer: Haben die Lehrlinge auch Arbeit, wenn sie fertig sind mit der Ausbildung? Dies konnte der Patron in dritter Generation bejahen. Das selbstständige Familienunternehmen geschäftet erfolgreich. Es beschäftigt über 600 Mitarbeiter, davon 400 in Hedingen. Es bildet 46 Lehrlinge in zehn Berufen aus.

Praxis und Theorie

Ebenfalls interessierte sich Hollande für die Aufteilung von Praxis und Theorie in der Lehrlingsausbildung. Erfreut war er zu hören, dass in den eineinhalb Tagen Schule pro Woche auch Französisch gelernt wird. Ebenfalls nicht ungern hörte er, dass die Firma nicht nur nach Frankreich exportiert, sondern auch Komponenten von dort einführt, und zwar Verbundteile für Fensterrahmen und Solarzellenmodule.

Die Firma empfiehlt sich auch für Fassadenisolationen. Das hat Schweizer seinem hohem Besuch ge­gen­über unterstrichen, und der hat es verstanden, so ist er überzeugt: Damit alternative Ener­gie­n wirken, braucht es zunächst einmal eine gute Isolation. Die Firma selbst bezieht ihre Wärme aus Holz, das in der nahen Schreinerei anfällt. Seit 1978 verfügt sie über ein Leitbild punkto Nachhaltigkeit, und sie ist im Verband Swisscleantech dabei. Im Verwaltungsrat sitzt unter anderem Alt- SP-Nationalrätin Barbara Haering, die mit Schwerpunkt Umwelt politisierte. Am Staatsbesuch nahm sie jedoch nicht teil.

Geschweisste Blumentöpfe

Einige Lehrlinge der Firma hatten prominente Auftritte vor dem französischen Staatspräsidenten. Zwei KV-Stifte berichteten ihm von ihren Schulprojekten. Die Themen: ein Kochbuch mit nachhaltigen Rezepten, die Entsorgung von Spraydosen. Zwei Metallbauer-Stifte überreichten Hollande und Sommaruga zum Abschied selbst geschweisste Blumentöpfe, in die eine regionale Orchideenart gepflanzt war.

Einer der Lehrlinge hatte auch schon Rede und Antwort gestanden, als die Medien eine Stunde vor Hollande die Tour durch die Firma machen durften. Die französischen Journalisten interessierte ebenfalls als Erstes, wie die Chancen auf eine Stelle nach der Lehre stehen. Dabei lernten sie auch, dass Deutschschweizer sich gerne bemühen, auf Französisch zu antworten, es aber nicht immer klappt – und dass man keine Antwort bekommt, wenn man nach der Höhe des Lohns fragt, selbst von einem Lehrling.

Der Besuch dauert rund eine Stunde. Zum Abschluss schüttelt der Gast die Hände der Angestellten, die draussen warteten. Hol­lande und Sommaruga waren freundlich und locker, kann Firmenchef Schweizer berichten. Dann fährt der ganze Tross schon weiter. Die Scharfschützen verlassen die Dächer.

Erstellt: 16.04.2015, 23:14 Uhr

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