Lehrplan 21

«Die Kinder lieben das neue Fach»

Im Juni erscheint das Lehrmittel für das neue Fach Medien und Informatik. Die Zürcher Lehrerin Sabrina Hofer konnte es bereits mit ihren Fünftklässlern testen.

Nicht nur am Computer: Mit Rasterbildern lernen die Schüler, Smileys zu programmieren.

Nicht nur am Computer: Mit Rasterbildern lernen die Schüler, Smileys zu programmieren. Bild: Andreas Eggenberger

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Gibt es Nessie, das Ungeheuer von Loch Ness? Im Lehrmittel für das neue Fach Medien und Informatik gehen die Fünftklässler dieser Frage auf den Grund. Auf ihrem Laptop liefert die Such­maschine Tausende Antworten. Doch welche stimmt nun? Der Eintrag auf Wikipedia oder der Werbeartikel von Schottland Tourismus?

Die Schüler diskutieren. Auch über einen Treffer, der unter der fiktiven Webadresse Nessie4you auf eine dubiose Internetseite verweist. So lernen die Fünftklässler nicht nur, welche Quellen als glaubwürdig einzustufen sind. Sie werden bei der Erkundung des World Wide Web auch mit Fallen konfrontiert.

Wenn Youtube langsamer ist

Das neue Lehrmittel «Connected 1» für das Fach Medien und Informatik erscheint erst im Juni. Doch Sabrina Hofer vom Schulhaus Bachtobel in Zürich konnte es mit ihrer 5. Klasse bereits ausprobieren. Das Kapitel Suchmaschine gefällt ihr. «Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass es mehrere Lösungswege gibt – und der Computer nicht immer der schnellste ist.» Zum Beispiel bei der Frage, wie man einen Veloschlauch flickt. Auf Youtube wimmelt es von Anleitungen. «Einige Kinder haben sich einfach bei mir erkundigt und waren schneller. Sie wussten, dass ich leidenschaftliche Velofahrerin bin.»

Smileys programmieren

In 14 Klassen in den Kantonen Zürich, Aargau, Bern, Luzern und Thurgau liess der Lehrmittelverlag Zürich den ersten Band von «Connected» kapitelweise testen. Nebst fünften Klassen beteiligten sich Mehrjahrgangsklassen sowie 4. und 6. Klassen. Während mehrerer Erprobungsphasen im Schulhaus Bachtobel beschäftigte sich Sabrina Hofers Klasse mit Suchmaschinen und Programmiersprachen. Andere Schulhäuser nahmen sich auch der Themen Cybermobbing oder Binärcode an.

«Die Kinder lernen, dass es mehrere Lösungswege gibt – und der Computer nicht immer der schnellste ist.»Sabrina Hofer, Lehrerin

Für Fünftklässler sei das Fach weder zu früh noch zu anspruchsvoll, findet Sabrina Hofer. Der Aufbau des Lehrmittels sei gelungen. Beim Programmieren nehmen die Kinder zuerst das Heft hervor und malen Rasterbilder aus. Erst dann schalten sie die Notebooks ein und programmieren mit einfachen Befehlen die ersten Smileys und Figuren. «So lernen sie, was hinter einer Applikation steckt – und nicht nur deren Anwendung.»

Bedenken der Eltern

Die Vorkenntnisse waren zwar recht unterschiedlich, sagt Sabrina Hofer. «In anderen Fächern ist das aber genauso.» Aufgefallen sei ihr, dass teilweise Schülerinnen und Schüler, die sonst auf Hilfe ihrer Gspänli angewiesen seien, im Fach Medien und Informatik in die Expertenrolle schlüpften. Das seien nicht zwingend jene, die bereits ein Smartphone besässen. Und auch nicht die, die ihre Freizeit mit Computerspielen verbringen würden.

Eines sei allen Kindern gemeinsam: «Sie lieben das neue Fach», sagt die Lehrerin. «Die Arbeit mit dem Notebook macht ihnen Spass. Aber auch die Übungen ohne Gerät.» Etwa dann, wenn sie zur Auflockerung einen Computer spielen sollen, der gerade aufgestartet wird.

Im Fach Medien und Informatik lernen die Schüler nicht nur am Computer. Bild: Andreas Eggenberger

Bedenken vereinzelter Eltern, die Kinder würden nur noch vor den Bildschirmen sitzen, hätten nicht zuletzt mit solchen spielerischen Elementen entkräftet werden können.

Eine eigene Sprache

Sabrina Hofer, die Erfahrungen im kaufmännischen Bereich und eine Affinität für Informatik mitbringt, hatte am Lehrmittel nicht viel zu bemängeln. Vereinzelte Aufgaben fand sie unnötig. «Aber die Lehrpersonen sind ja bei der Wahl der Übungen und der Methodik frei.»

Aufgrund der Rückmeldungen hat der Verlag das Lehrmittel vor der offiziellen Veröffentlichung leicht modifiziert. Teilweise wurden Texte und Aufgaben gekürzt oder verständlichere Begriffe verwendet.

Tablets erst im Sommer da

Es brauche Zeit, sich auf die Lektionen vorzubereiten, sagt Sabrina Hofer. Man müsse zuerst eine Sprache entwickeln, die sich für den Medienunterricht eigne. Dazu liefere der Verlag mit dem digitalen Handbuch für Lehrpersonen aber Anstösse.

Die grösste Herausforderung sieht die Pädagogin im Bereich der Infrastruktur. Funktionieren die Computer, hält das Schulhaus-WLAN? «Wenn etwas ausfällt, steht man an mit dem Unterricht.» In allen Schulhäusern wird deshalb mindestens je eine Lehrpersonen für den technischen und den pädagogischen Support geschult.

Die Tablets, mit denen die Fünftklässler im Bachtobel arbeiten werden, treffen erst während der Sommerferien ein. Da bleibt nicht viel Zeit, um sich auf die erste Lektion vorzubereiten.

Sabrina Hofer betrifft das nicht. Sie unterrichtet dann eine 6. Klasse. Die Sechstklässler und Sekschüler sind mit dem Fach Medien und Informatik erst ab dem Schuljahr 2019/2020 an der Reihe. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 23.04.2018, 10:32 Uhr

Sabrina Hofer, Lehrerin (Bild: PD)

Das Lehrmittel

Nicht alle Hefte rechtzeitig fertig



Die vier «Connected»-Bände für den Medienunterricht erscheinen über vier Jahre hinweg: «Connected 2» (für die 6. Klasse) im Jahr 2019, Band 3 (für die 7. Klasse) 2020 und Band 4 (für die 8./9. Klasse) 2021.

Im Kanton Zürich startet das Fach Medien und Informatik für die Sekundarstufe bereits im Schuljahr 2019/20. In jenem Jahr steht «Connected» der 7. Klasse noch nicht zur Verfügung. Zur Überbrückung bietet das Volksschulamt in Zusammenarbeit mit dem Lehrmittelverlag Zürich auf seiner Website Unterrichtsmaterial an. Die Links sollen per Ende Jahr aufgeschaltet werden. (hz)

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