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SP-Politiker verstorbenÜberraschend verliert Kirchenpflege Herrliberg den Präsidenten

Kürzlich ist Hans Spuhler gestorben. Der vielfältig engagierte SP-Politiker aus Herrliberg war seit 2018 Präsident der Kirchenpflege.

Im Januar hielt der Historiker Hans Spuhler noch einen Vortrag zur Migrationsgeschichte.
Im Januar hielt der Historiker Hans Spuhler noch einen Vortrag zur Migrationsgeschichte.
Foto: Sabine Rock

Der Tod des 74-Jährigen traf die Mitglieder der Kirchenpflege Herrliberg Mitte September völlig unerwartet. «Wir mussten erst einmal den grossen Schock verarbeiten», sagt Marly Straub. Als Vizepräsidentin führt sie die Behörde ad interim bis auf weiteres, denn die Legislaturperiode ist erst in der Hälfte. Wie es weitergeht, ist noch nicht festgelegt. Nach den Herbstferien bespricht die Herrliberger Kirchenpflege die nächsten Schritte mit der Bezirkskirchenpflege. Eine Ersatzwahl ist möglich.

Klar ist heute: Niemand aus der aktuellen Kirchenpflege möchte das Präsidium übernehmen. Spuhlers Aufgaben wurden verteilt, sagt Straub. «Jeder leistet seinen Beitrag.» Man könne die Amtsgeschäfte weiterführen, aber den Menschen Hans Spuhler nicht ersetzen.

Der Vorsitz der Kirchenpflege Herrliberg war nicht Hans Spuhlers erste leitende Funktion. Zuvor war er lange Jahre zusammen mit Hanna Stahel Co-Präsident der SP Herrliberg gewesen und 17 Jahre lang Prorektor der Kantonsschule Enge. Deshalb trat Spuhler, 2018 frisch in die Kirchenpflege gewählt und gleich deren Präsident, sein Amt gut vorbereitet an.

«Er hatte sich schon zuvor mit der Materie vertraut gemacht und sich auf seine Aufgaben vorbereitet», erinnert sich Straub. Sein Amt führte er laut der Vizepräsidentin, wie er die Sitzungen leitete: «Ruhig, beobachtend, ausgeglichen, diplomatisch und immer mit einer Prise Humor untermalt.»

Lehrer und Politiker

Hans Spuhler hat sich auch sonst engagiert, in der Bildung und politisch. Als Co-Präsident der lokalen SP, als 1.-August-Redner in Herrliberg, als Kandidat fürs Schulpräsidium 2006 und zuletzt als Historiker, der einen Vortrag über die Geschichte der Völkerwanderungen hielt. Spuhler hatte Deutsch und Geschichte studiert und diese Fächer an der Kantonsschule Enge unterrichtet. Bis zu seiner Pensionierung 2011 arbeitete er 41 Jahre dort – wie bereits erwähnt, war er lange Zeit Prorektor an der Schule.

Im Ruhestand liess er es nicht allzu ruhig angehen. Er unterrichtete ehrenamtlich beim Solidaritätsnetz Zürich Deutsch für Migranten, engagierte sich beim Seniorenforum Herrliberg und gehörte zum Stiftungsrat der Stiftung Kreatives Alter. Diese führt alle zwei Jahre einen Wettbewerb mit einem Preisgeld von insgesamt 120’000 Franken für Senioren durch. Der Stiftungsrat beurteilt «gehaltvolle und originelle» Arbeiten in Literatur, Wissenschaft, Musik und Theater.