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Corona-Verstösse über Ostern«Dünnhäutige» Bürger hielten Polizei auf Trab

Die Corona-Regeln wurden über Ostern zumeist gut eingehalten. Trotzdem wurde die Polizei oft gerufen. Vorgehen musste sie jedoch vor allem gegen Raser und Protzer. Eine Bilanz.

Ein Polizeiauto patrouilliert am Seeuferweg von Ascona. (12. April 2020) Bild: Alessandro Crinari/Keystone
Ein Polizeiauto patrouilliert am Seeuferweg von Ascona. (12. April 2020) Bild: Alessandro Crinari/Keystone

Trotz des schönen Wetters über die Ostertage hat sich die Schweizer Bevölkerung gut an die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus gehalten. Verstösse gab es zumeist von Jugendlichen oder von Familien. Die Menschen verzichteten auf eine Reise ins Tessin, der sonst übliche Stau am Gotthard blieb aus.

Nach Polizeiangaben hielt sich die Mehrheit der Bevölkerung über das verlängerte Wochenende an die geltenden Corona-Regeln. Allerdings habe die Polizei dennoch immer wieder wegen Verstössen ausrücken müssen, sagte Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Montag. Diese seien oft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen begangen worden.

Aber auch Familien verstiessen überdurchschnittlich häufig gegen die Regeln, wie Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen erklärte. Vielfach hätten mehrere Familien gemeinsam etwas unternommen, so dass die Gruppen deutlich mehr als die maximal erlaubten von fünf Personen umfasst hätten. «Das Unverständnis, dass dies nicht erlaubt ist, war gross.»

Alles in allem zog Krüsi aber eine positive Bilanz. «Wir hatten mit mehr Verstössen gerechnet», sagte er. Erfreulich sei, dass die Disziplin von Tag zu Tag besser geworden sei – die Bevölkerung habe zunehmend gelernt, was erlaubt sei und was nicht.

Die Polizei versuchte meist mit Gesprächen und Aufklärung, die Situation zu klären. Bussen seien nur wenige ausgesprochen worden, sagte Krüsi. Vereinzelt seien «uneinsichtige und arrogante» Personen gebüsst worden, die sich auf abgesperrten Plätzen aufhielten. Auch die Kantonspolizeien Bern und Zürich setzten auf Sensibilisierung.

Überempfindliche Mitbürger

Viele Hinweise auf Verstösse kamen von Bürgerinnen und Bürgern. Allerdings traf die Polizei vor Ort dann oft eine «coronakonforme» Situation an, wie Krüsi sagte. Manche Menschen seien besorgt und wollten eine gewisse Verantwortung übernehmen, erklärte Graser dazu.

Zudem seien viele Menschen in Zeiten der Coronakrise dünnhäutig und störten sich an Dingen, die für sie sonst kein Problem seien, sagte Krüsi. Es bestehe auch eine gewisse Überempfindlichkeit. Wahrscheinlich auch deshalb gab es überdurchschnittlich viele Meldungen wegen Ruhestörung oder Lärmbelästigung. Da die Menschen derzeit mehr Zeit zuhause verbringen, kam es vermehrt zu Konflikten zwischen Nachbarn, wie Krüsi ausführte.

Positive Auswirkungen haben die vielen Daheimgebliebenen auf die Einbruchsstatistik: Die Zahl der Einbrüche in Privathaushalte sei seit Beginn der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus sehr tief, bestätigten Krüsi und Graser – und auch im Vergleich mit dem tiefen Niveau der vergangenen Monate.

Kaum Verkehr am Gotthard

Dass die Leute vermehrt zuhause blieben, zeigte sich auch auf den Strassen. So gab es für einmal an einem Wochenende freie Fahrt Richtung Süden. Am Karfreitag war vor dem Gotthard-Nordportal laut Viasuisse kein Stau zu verzeichnen.

Laut der Kantonspolizei Uri lag das Verkehrsaufkommen Richtung Süden am Karfreitag bei bei weniger als 10 Prozent im Vergleich zu anderen Jahren. So waren noch rund 1800 Fahrzeuge in Richtung Süden unterwegs. Zu Spitzenzeiten waren es in anderen Jahren um Ostern etwa 17'000. Die Tessiner Polizei wollte am späteren Montagnachmittag vor den Medien Bilanz ziehen.

Raser und Protzer als Problem

Zahlreiche Auto- und Motorradfahrer schienen die relativ leeren Strassen jedoch mit Rennstrecken verwechselt zu haben. Besonders viele Raser zog die Aargauer Polizei nach Geschwindigkeitsmessungen auf der A1 bei Spreitenbach aus dem Verkehr.

Die beiden schnellsten Autos, gelenkt von jungen Männern, waren mit 235 respektive 224 statt der erlaubten 120 Stundenkilometer unterwegs. Später zog die Polizei noch einen 22-jährigen Autolenker aus dem Verkehr, der in der Nacht auf Sonntag gleichenorts mit 219 Stundenkilometern erfasst worden war.

Am Brünigpass im Kanton Bern wurde am Karfreitag eine Motorradgruppe aus dem Verkehr gezogen. Der Schnellste der Gruppe war ausserorts mit Tempo 172 bergwärts unterwegs, die anderen vier hatten zwischen 151 und 163 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho.

Die Raser und Protzer, die die leeren Strassen vermehrt in Beschlag nähmen, seien zunehmend ein Problem, sagte Graser. Bei der Kantonspolizei seien über die Ostertage laufend Lärmklagen eingegangen, die sich auf meist sehr junge Männer bezogen, die in leistungsstarken Autos herumfuhren und mit unnötigen Beschleunigungsmanövern bewusst Lärm verursacht haben.