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Streit um Marke «Nusr-Et»Türkischer Promi-Griller Salt Bae verliert gegen Wädenswiler vor Gericht

Er salzt das Fleisch wie kein Zweiter: der türkische Metzger Nusret Gökçe. Trotz Millionen von Followern sagt das Schweizer Bundesverwaltungsgericht: Er ist zu wenig bekannt.

Der Metzger auf dem roten Teppich: Promi-Grillmeister Salt Bae.
Der Metzger auf dem roten Teppich: Promi-Grillmeister Salt Bae.
Foto: Getty Images

Roger Federer, David Beckham, Leonardo DiCaprio: Die Gästeliste des türkischen Metzgers, Kochs und Gastronomen Nusret Gökçe liest sich wie das Who’s who der Superprominenz. Gökçe zählt inzwischen selbst zur Promiwelt. «Salt Bae» – sein Spitzname ist der speziellen Handbewegung, wie er Fleisch salzt, geschuldet – folgen allein auf Instagram über 29 Millionen Menschen.

Spätestens als er dem Fussballprofi Franck Ribéry ein mit Blattgold überzogenes Steak für umgerechnet 1200 Euro servierte, schaffte er es – Shitstorm für Ribérys Dekadenz inklusive – auch hierzulande in die Medien. Sogar das renommierte Gastronomiemagazin «Salz & Pfeffer» widmete ihm einen Artikel.

Ausgerechnet dieser Salt Bae, respektive dessen Steak-House-Kette Nusr-Et, soll nun zu wenig bekannt sein. Das urteilt das Bundesverwaltungsgericht mit Blick auf die Schweiz. Ein findiger Lebensmittelunternehmer aus Wädenswil hatte die Marke «Nusr-Et» mit genau dem gleichen Logo ins Schweizer Markenregister eintragen lassen. Was er damit bezwecken will, ist nicht bekannt. Er war für diese Zeitung nicht erreichbar.

Marke kann einfach eingetragen werden

Das Gericht kommt in seinem Urteil zum Schluss, dass es dem Inhaber der gleich lautenden türkischen Marke nicht gelungen sei, die «notorische Bekanntheit» in der Schweiz glaubhaft zu machen. Rechtsanwalt Martin Steiger erklärt: «In der Schweiz ist es einfach, eine Marke zu hinterlegen.» Im Erfolgsfall beginnt nach der Veröffentlichung im Markenregister eine Widerspruchsfrist, in der sich Markeninhaber melden können, die mit dem neuen Eintrag nicht einverstanden sind. Das haben die Anwälte von Nusret Gökçe getan.

«Beim Markenrecht geht es in erster Linie um die Verwechslungsgefahr», sagt Steiger. Deshalb muss belegt werden, dass eine Marke eben nicht nur den beteiligten Behörden oder Juristen, sondern weitherum bekannt ist. «Es ist häufig ein Problem, genügend Belege zu finden», sagt Steiger und fügt schmunzelnd zum vorliegenden Fall an: «Oft hat es in solchen Verfahren zu wenig Fleisch am Knochen.»

Das Bundesverwaltungsgericht urteilt denn auch, der «Brand» Nusr-Et stehe in erster Linie für die Person und nicht die Fleischware oder die Gastronomiedienstleistung. «Die beachtliche Anzahl Follower der Person Nusret Gökçe ist zumindest ein Indiz dafür, dass er bei einem Teil der Weltbevölkerung nicht unbekannt ist.» Aber: «Wer nicht auf Instagram, Twitter oder Youtube seinen Kanal abonniert hat, hört in der Schweiz wenig von Salt Bae.» People-News zum Metzger gebe es vor allem dort, wo er Restaurants betreibe, also etwa in Istanbul, Dubai, Miami, New York oder auf Mykonos. Die Marke «Nusr-Et» stehe in dieser Berichterstattung aber selten im Vordergrund.

Andere Klagen möglich

Ob der Fall ans Bundesgericht weitergezogen wird, ist offen. Das Schweizer Anwaltsbüro des Promikochs wollte zum Fall keine Stellung nehmen. Insbesondere liess das Büro auch offen, ob man nun auf anderem Weg versuchen will, gegen die Nusr-Et-Kopie vorzugehen.

Für den Rechtsanwalt Martin Steiger sind andere Klagen zwar durchaus denkbar: «Man könnte sich etwa darauf berufen, dass das Logo urheberrechtlich geschützt ist.» Aber selbst das sei nicht zwingend gegeben. Denn dafür müsste die sogenannte Wort-Bild-Marke wohl tatsächlich verwendet werden. Doch von einem Nusr-Et-Steak-House in der Schweiz fehlt bisher jede Spur.