Trumps Mann für zweifelhafte Einsätze gerät unter Druck

Lässt der US-Präsident seinen Anwalt Rudy Giuliani fallen? Zwei Interviews deuten in diese Richtung. Auch ein neuer Vorwurf ist aufgetaucht.

Rudy Giuliani an einer Rede Donald Trumps im Garten des Weissen Hauses in Washington. Foto: Pablo Martinez Monsivais (Keystone/AP)

Rudy Giuliani an einer Rede Donald Trumps im Garten des Weissen Hauses in Washington. Foto: Pablo Martinez Monsivais (Keystone/AP)

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Für Donald Trump zu arbeiten ist nervenaufreibend – und riskant. Einige ehemalige Mitarbeiter des Präsidenten sitzen im Gefängnis, andere verloren ihre Reputation, wieder andere wurden abrupt geschasst. Trump lässt missliebige Untergebene gelegentlich fallen, als seien sie Zufallsbekanntschaften. Loyalität ist für den Präsidenten bekanntlich eine Einbahnstrasse.

Vom ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn über Ex-Justizminister Jeff Sessions bis hin zu Trumps langjährigem Anwalt und Consigliere Michael Cohen reicht die Palette derer, die für ihre Arbeit in Trumps Orbit einen Preis bezahlten. Niemand aber kreist ergebener um den Präsidenten als sein «persönlicher» Anwalt Rudy Giuliani. Wirkte der New Yorker Ex-Bürgermeister schon während der Russland-Affäre als Sprachrohr des Präsidenten, so fungierte er in der Ukraine-Affäre als Trumps Bagger für das Ausheben von Dreck in Kiew.

Giuliani ist eine zentrale Figur: Er lenkte die Kampagne, um Joe Biden zu belasten und die Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl 2016 statt Wladimir Putin der Ukraine anzuhängen. «Das ist ein Impeachment Rudy Giulianis, und soweit ich weiss, ist der nicht Präsident», versuchte der republikanische Abgeordnete und Trump-Fan Mark Meadows dem Ex-Bürgermeister das ukrainische Debakel neulich in die Schuhe zu schieben.

Auf «sehr gute Versicherung» verwiesen

In einem Interview Anfang November schien sich Giuliani der Gefahr bewusst zu sein, aus der Gunst des Präsidenten zu fallen. Auf die Frage, ob er sich wegen Trumps Loyalität sorge, antwortete er dem britischen «Guardian»: Nein, er mache sich keine Sorgen, «aber ich habe eine sehr gute Versicherung». Die vieldeutige Antwort führte zu Spekulationen, Giuliani habe im Verlauf seiner ukrainischen Expedition wenig schmeichelhaftes Material über den Präsidenten gesammelt, um sich abzusichern.

In einem Tweet am vergangenen Samstag wiegelte Giuliani dann ab: Sein Hinweis auf eine Versicherung für den Fall, dass sich Trump seiner entledigen wolle, sei «sarkastisch» gemeint gewesen. Allerdings befände sich in seinem Tresor belastendes Material über Joe Biden.

«Rudy hat ja auch andere Mandanten…er hat im Lauf der Jahre viel Arbeit in der Ukraine verrichtet.»Donald Trump, US-Präsident

Mag sein, aber am Dienstag schien sich Trump in einem Interview tatsächlich von Giuliani zu distanzieren. Der habe auf eigene Faust gehandelt, was die Ukraine angehe, sagte Trump. «Rudy hat ja auch andere Mandanten … er hat im Lauf der Jahre viel Arbeit in der Ukraine verrichtet». Als der Fragesteller wissen wollte, ob Giuliani von Trump Anweisungen erhalten habe, behauptete der Präsident, er habe Giuliani «keine Anweisungen erteilt».

Anweisungen erteilt – und befolgt?

Das ist natürlich Unsinn: In seinem inzwischen berüchtigten Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski Ende Juli wies Trump seinen Gesprächspartner in Kiew ausdrücklich an, mit Giuliani zusammenzuarbeiten. «Mr. Giuliani ist hochangesehen, er war ein grossartiger Bürgermeister in New York, und ich möchte, dass er Sie anruft … Rudy weiss genau, was los ist, er ist sehr fähig, es wäre prima, wenn Sie mit ihm sprechen könnten», so Trump.

Es ist zudem unvorstellbar, dass Giuliani die Botschafter Gordon Sondland und Kurt Volker ohne ausdrückliche Rückendeckung von Trump und dessen Aussenminister Mike Pompeo herumdirigiert hätte. Doch falls der Präsident ihn loswerden möchte, dürfte dieser Umstand Giuliani kaum helfen. Vielleicht würde Trump mit ihm wie mit Gordon Sondland («Ich kenne diesen Gentleman kaum!») verfahren oder wie mit den beiden ukrainisch-amerikanischen Geschäftsleuten Lev Parnas und Igor Fruman, die Giuliani beim Baggern behilflich waren.

Gegen ihn wird auch schon ermittelt: Rudy Giuliani, Trumps Anwalt. Foto: Spencer Heyfron (Redux/laif)

«Ich kenne sie nicht, ich weiss nichts über sie, ich weiss nicht, was sie machen, aber vielleicht waren sie Klienten von Rudy, Sie müssen Rudy fragen, ich weiss es einfach nicht», schwurbelte Trump. Mehrere Fotos zeigen Parnas und Fruman mit dem Präsidenten, und im Dezember 2018 unterhielt sich Trump im Weissen Haus mit Parnas. Den im Oktober verhafteten Parnas kränkte die Verleugnung derart, dass er jetzt in der Ukraine-Affäre mit New Yorker Strafverfolgern kooperiert.

Am Anfang stand ein Telefonat: US-Korrespondent Alan Cassidy erklärt, wie das Impeachment-Verfahren gegen Trump abläuft. (Video: Alan Cassidy, Adrian Panholzer, Sarah Sbalchiero)

Dort wird mittlerweile auch gegen Giuliani ermittelt – wegen Geldwäsche, Justizbehinderung, Verschwörung und Betrug. Am Mittwoch geriet Trumps Mann für zweifelhafte Einsätze weiter unter Druck: US-Medien berichteten, Giuliani habe erwogen, neben seiner Wühlarbeit in der Ukraine private Geschäfte mit ukrainischen Offiziellen abzuschliessen.


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Erstellt: 28.11.2019, 09:19 Uhr

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