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Kolumne von Markus SommTrumps dritte Amtszeit

Über einen Mann, der nicht vergehen will.

Ein Brocken, den man nicht so leicht aus dem Weg schaffen kann: Donald Trump.
Ein Brocken, den man nicht so leicht aus dem Weg schaffen kann: Donald Trump.
Foto: Keystone

Wars das schon? Stellt sich Donald Trump als eine Episode heraus, ein böser Traum, von dem wir jetzt aufgewacht sind? Der amtierende amerikanische Präsident wurde vermutlich abgewählt – vermutlich, weil selbst wenn die Nachzählungen vorbei und die Prozesse wegen Wahlbetrugs, die die Republikaner nun anstrengen, entschieden sind, sich am Resultat nichts mehr ändern dürfte. Der Demokrat Joe Biden wird aller Voraussicht nach im Januar 2021 als neuer Präsident vereidigt werden. Und doch schmeckt der Sieg für die Demokraten bitter.

Vier Jahre lang haben sie alles getan, Illegales und Fürchterliches, um einen Präsidenten loszuwerden, den sie für illegal und fürchterlich hielten, und trotzdem mussten sie am Wahlabend zittern. Die Wahl fiel sehr viel knapper aus, als dies erwartet worden war. Hatten die Umfragen nicht einen deutlichen Vorsprung vorausgesagt? War Trump nicht der schlimmste Präsident aller Zeiten? Sicher mussten auch die Amerikaner, und zwar alle, das endlich eingesehen haben. Vier Jahre lang hatten fast sämtliche Journalisten, Professoren, Intellektuelle und Hollywoodschauspieler – also Leute, die sich auszudrücken wissen – alles versucht, um jene Teile der Bevölkerung, die offenbar schwer von Begriff waren, davon zu überzeugen, wie unerfreulich Trump regierte – und dennoch wählten 73 Millionen Amerikaner Trump. Für Biden entschieden sich 78 Millionen.

Wer spinnt, wer hat recht? Die 73 oder die 78? Das Land bleibt zerfurcht, und wenn Biden nun von Heilung und Einheit spricht, dann hat das etwas Rührendes und Verlogenes zugleich. Es waren seine Demokraten genauso, die das Land gespalten haben, nicht nur Trump, der Spaltpilz. Hätte Biden es ernst gemeint, hätte er jetzt auch seine Demokraten zur Ordnung gerufen. Davon haben wir nichts gehört.

Die Schlange ist tot, aber das Kaninchen steht immer noch starr vor lauter Angst.

Trump, was nun? Noch wirken selbst seine Gegner wie betäubt. Die Schlange ist tot, aber das Kaninchen steht immer noch starr vor lauter Angst. Man kann sich nicht vorstellen, dass der furchtbare New Yorker die Bühne verlässt. Vielleicht stimmt es ja, und er plant einen Fernsehsender, um Biden und den 78 Millionen Siegern auf die Nerven zu gehen, oder aber er schwingt sich zum Chef der Opposition auf, um in vier Jahren wieder anzutreten. Man traut ihm alles zu, seine Gegner und seine Freunde. Der Bann ist nicht gelöst. Das liegt an Trump, und doch wieder nicht.

Denn die 73 Millionen machen deutlich, dass die Rebellion der einfachen Leute noch lange nicht vorüber ist. Ob Trump diese Leute anführt oder ein anderer Charismatiker, spielt gar keine so grosse Rolle. Was Trump entdeckt hat, jene Vergessenen in der Mitte des Landes, jene Verachteten in den sanierungsbedürftigen Häusern, die den Eliten in Washington, New York und im Silicon Valley nicht mehr über den Weg trauen, diese Leute und ihre Sorgen bleiben: Die Republikaner werden Trump für geraume Zeit noch dankbar sein, dass er diese Wähler in ihre Partei gezogen hat.

Gewiss, das letzte Mal reichte das, um das Weisse Haus zu erobern, aber trotz Niederlage ist klar, dass Trump sehr viele dieser einstigen Anhänger der Demokraten behalten hat. Darüber hinaus legte Trump bei den Schwarzen zu – auf 12 Prozent, was noch kein Republikaner fertiggebracht hat, er gewann mehr Latinos (32 Prozent), ja er sprach sogar mehr Frauen an, allein bei den weissen Männern verlor er ironischerweise. Das erklärt, warum die Republikaner noch zu ihm halten, selbst wenn sie kaum glauben, dass er das Wahlresultat im Gerichtssaal drehen kann. Trump ist ein Klotz in der republikanischen Partei geworden, ein Brocken auch in der amerikanischen Politik, den man nicht so leicht aus dem Weg schaffen kann.

Ein Zweites macht den Sieg der Demokraten bitter. Ohne dass sie damit gerechnet hatten, verloren sie Sitze im Repräsentantenhaus, und den Senat haben sie bis jetzt noch nicht gewonnen, kurz, nur Biden siegte, nicht unbedingt die Demokraten. Ihr Bündnis aus Minderheiten, Studenten und der alten Arbeiterschaft scheint viel zu wenig stabil, als dass sie darauf die Zukunft bauen könnten. Es ist ein Pyrrhussieg, den sie melancholisch feiern, ein teurer, scheinbarer Sieg, in dem eine Niederlage steckt.

Trump liebe es nicht, zu verlieren, heisst es. «Es war noch nie eine gute Idee, gegen mich zu wetten», sagt er. Tatsache ist, ich kenne viele, die eine Wette verloren haben, weil sie 2020 auf ihn gesetzt hatten. Vielleicht sollten sie 2024 wieder auf ihn wetten.

54 Kommentare
    Baumgartner

    Sie Herr Somm sind ein gutes Beispiel, ....eine gut studierte Person die schlussendlich gar nicht so viel Aufmerksamkeit verdient, bin enttäuscht.

    Es ist Trump in den letzten 4Jahren nur um seine Show gegangen.

    Da müssen sie mir schon erläutern was die Schweiz verpasst hat, bei diesem wankelmütigen verwöhnten Zaupf.

    Zu allem Überfluss sind seine dümmsten Fans bis an die Zähne bewaffnet. Das ist ihnen doch sicher auch aufgefallen, könnte noch ungemütlich werden.

    Alle Achtung, weit hat sie es gebracht die älteste Demokratie in den vergangenen 4Jahren.