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Kommentar zu den Unruhen in den USATrump ist nicht der Arzt, den das kranke Amerika braucht

Die Rassenunruhen sind das Symptom einer alten amerikanischen Krankheit. Leider hat der Präsident bisher keine Abhilfe geschaffen.

Demonstranten protestieren in New York vor dem Trump Tower während einer Solidaritätskundgebung für George Floyd, der diese Woche in Minneapolis von einem Polizisten getötet wurde.
Demonstranten protestieren in New York vor dem Trump Tower während einer Solidaritätskundgebung für George Floyd, der diese Woche in Minneapolis von einem Polizisten getötet wurde.
Foto: Wong Maye-E (Keystone)

Das Video mit dem gewaltsamen Tod von George Floyd verschlägt einem die Sprache. Brutal und öffentlich wurde der Afroamerikaner von einem weissen Polizisten erstickt. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Das war zu viel für viele Amerikanerinnen und Amerikaner. Vor allem natürlich für die Schwarzen, sie, die derzeit am meisten unter der Corona-Krise leiden: Unter den über 100’000 Todesopfern und den mehr als 40 Millionen Arbeitslosen sind überproportional viele Afroamerikaner.

Die gewaltsamen Proteste deuten darauf hin, dass nicht nur George Floyd die Luft abgedrückt wurde, sondern dem ganzen Land. Die Karte mit den roten Punkten der über hundert von Protesten betroffenen Städte zeigt die allergische Reaktion auf die alte amerikanische Krankheit. Seit Sklaverei und Rassentrennung sind die USA von ihr befallen. Zwar wurden ab und an die Symptome erfolgreich bekämpft, wie die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung oder die Wahl Barack Obamas als ersten schwarzen Präsidenten gezeigt haben. Nie aber gelang es Amerika, das Virus des Rassismus auszurotten.

Nicht nur George Floyd wurde die Luft abgedrückt, sondern dem ganzen Land.

Dafür mitverantwortlich ist Donald Trump. Zeit seines Lebens hat er rassistische Klischees bedient, etwa als er Obama unterstellte, er sei in Afrika geboren worden und deshalb kein rechtmässiger Präsident. Allerdings wäre es unfair, Trump die ganze historische Last anzuhängen. Als US-Präsident wäre er jedoch dafür verantwortlich, das alte Leid zu lindern, das der Tod von George Floyd wieder hervorgerufen hat.

Bisher wartet die Nation vergeblich auf eine Rede, die das Land versöhnen könnte. Vielmehr spricht Trump von «Schlägern», «bösartigen Hunden» und droht mit dem Einsatz von Schusswaffen. Mit solcher Law-and-Order-Rhetorik will der Präsident offenbar Gesetz und Ordnung wiederherstellen und nebenbei seine Wähler beeindrucken. Doch Trump ist nicht der Arzt, den das kranke Amerika dringend braucht.