Musical

«Traurig, wie aktuell die Themen in ‹Cabaret› sind»

Bereits zum zweiten Mal verwandelt sich das Bernhard-Theater in den Kit Kat Klub. Mit der Wiederaufnahme von «Cabaret» taucht man in einen verruchten Berliner Nachtclub der 20er-Jahre ab. Michael von der Heide mimt dort den Conférencier.

Michael von der Heide in der Figur des zwielichtigen Conférenciers.

Michael von der Heide in der Figur des zwielichtigen Conférenciers. Bild: PD

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Michael von der Heide, Sie sind nicht einfach «nur» Sänger, sondern Entertainer, Unterhalter. Ist es dieses Gesamtpaket, also Kunst mit stilvollemGeschenkpapier zu verpacken, was Ihrem Naturell, Ihrer Leidenschaft entspricht?
Michael von der Heide (47): Ich habe es immer geliebt, die Menschen zu unterhalten. Schon als Kind sang ich für die Touristen in Amden SG, wo ich aufgewachsen bin, oder erzählte Witze bei Familienfeiern. Mein Vorbild in Sachen Entertainment war und ist immer die grosse Bette Midler. Sie vereint Musik, Tanz, Komik und Tragik, wie niemand anderes, den ich kenne.

In «Cabaret» verkörpern Sie die Figur des Conférenciers. Ein zwielichtiger, fast etwas unheimlicher Charakter. Sie nehmen dem Publikum aber auf humorvolle Art die «Angst» – «Ich bins doch, euer Micheli . . .».Wie unterschiedlich sind Rolle und Michael?
Es ist eine Rolle. Der Text ist vorgegeben und zwei Sätze habe ich reingeschmuggelt. Der Conférencier liebt die Abgründe und es ist ihm egal, wie es in der Welt und mit der Menschheit weitergeht. So bin ich definitiv nicht, im Gegenteil.

Demnächst spielen Sie im Theater am Hechtplatz das Programm «DivAmix». Ist der Conférencier eine, sind Sie es?
Der Conférencier ist ein gnadenloser Bestimmer und ein heilloser Opportunist – ganz bestimmt keine Diva. Was eine Diva ist, werden Nubya, Christina Jaccard und ich ab Mitte März im Theater am Hechtplatz durchleuchten und besingen.

Ist ein so bekanntes Stück wie «Cabaret», welches 1966 am Broadway uraufgeführt und 1972 mit Liza Minelli und u. a. Fritz Wepper (der aus der Krimireihe «Derrick») verfilmt wurde, eine echte Herausforderung, die Ihnen Kondition abverlangt?
Natürlich fordert diese Arbeit und Rolle, das ist auch gut so. Inhaltlich, sängerisch und auch tänzerisch bin ich und jedes Mitglied dieses Projektes jeden Abend gefordert und wir gehen mit vereinter Power auf die Bühne.

Das Stück spielt 1929 in Berlin und thematisiert einerseits die Beziehung zwischen dem amerikanischen Schriftsteller Cliff und der Nachtclubtänzerin Sally, der «unmöglichen» Liebe von Hauswirtin Fräulein Schneider und dem jüdischen Obsthändler Herr Schultz vor der im Hintergrund aufkommenden Nazibewegung. Ein schwieriger Balanceaktsüsssaurer Unterhaltung?
Gerade in dieser Zeit merken wir, dass dieses Stück eben nicht «nur» Unterhaltung ist. Eigentlich traurig, wie aktuell die Themen sind, welche in «Cabaret» besungen, besprochen und betanzt werden. Und wieder diskutiert werden müssen.

Die Nationalsozialisten halten in Form rhythmischen Auflaufens der Tänzerinnen, eines Kreuzes auf dem Oberarm und regenbogenfarbener Fahnen im Publikum, kurz vor der Pause, Einzug. Ein starkes Bild. So stark, dass zwei Zuschauer bei der Premiere nicht mehr an ihre Plätze zurückkehrten . . .
Tja, da interpretiert man dann immer was rein. Könnte doch sein, dass das Touristen waren und kein Wort verstanden. Oder Leute, die dachten, «Cabaret» im Bernhard- Theater, das ist sicher ein Schwank, da können wir lachen und lachen und lachen. Oder ganz profan: Sie bekamen eine SMS von ihrer Tocher, die gerade entbunden hatte, eine freudige Nachricht und sie wollten in der Kronenhalle auf das neue Leben anstossen.

Auch nicht in seinen Obstladen zurückkehren kann Jude Schultz. Sein Weg ist trotz Zweckoptimismus vorgepflastert und dennoch wird getanzt. Typisch – Autor ist Joe Masteroff – amerikanischer Dramatiker?
Anscheinend typisch für die Zeit. Tanzen auf dem Vulkan. Gar nicht so weit entfernt, wenn wir uns in unsereren Breitengraden umschauen.

Auch in der Unterhaltungs-komödie «Spuk in der Villa Stern», welche Sie 2019 in Basel spielen, geht es um aufkommenden Nationalsozialismus. Eine Thematik, die Sie beschäftigt, oder Zufall?
Natürlich beschäftigt mich das – und anscheinend und hoffentlich alle Künstler, Regisseure und Dramaturgen. «Spuk in der Villa Stern» ist eine Revue mit Musik von Friedrich Holländer (er schrieb viele Lieder für Marlene Dietrich) und ich singe endlich mal im Duett mit der Sopranistin Noemi Nadelmann.

Hätten Sie sich vorstellen können, es sich gar gewünscht, in den «Goldenen Zwanziger­jahren», der Blütezeit derdeutschen Kunst, Kultur und Wissenschaft, zu wirken?
An so was habe ich noch nie gedacht. Ich lebe immer im Hier und Heute. Schaue gerne ins Gestern und denke nicht gerne an morgen.

. . . oder lieber in Paris, dem «Olympia», der Geburtsstadt des Chansons?
Non – je ne regrette rien!

Das Bernhard-Theater, ein «Amüsiertempel» mit Theatertradition. Genau der richtige – zum Niederdorf leicht verschobene – Ort, ein «Kit Kat Klub»?
Eigentlich ja, doch leider hat sich das Bernhard-Theater ein wenig hin zu einem «Lach- und Pointentempel» entwickelt.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.12.2018, 14:24 Uhr

Ticketverlosung

Cabaret – Die «Zürichsee-Zeitung» verlost für die Aufführung vom Mittwoch, 9. Januar 2019, 19.30 Uhr, 2×2 Tickets.
Kennwort: Cabaret
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zsz.ch bis Montag, 17. Dezember, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden.

Musical – «Cabaret»

Bis 13. Januar 2019. Bernhard-Theater, Zürich.Daten: www.bernhard-theater.ch.
Tickets: www.zurichticket.ch,
Telefon 044 268 66 99.

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