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Leser fragen«Tote Tiere» essen?

Die Antwort auf die Frage einer Leserin, wie man mit einem rhetorischen Klassiker in der Vegetarier-Debatte umgeht.

Essen – insbesondere der Fleischkonsum wie Fondue chinoise – hat auch mit Moral und Politik zu tun.
Essen – insbesondere der Fleischkonsum wie Fondue chinoise – hat auch mit Moral und Politik zu tun.
Foto: Keystone

Eine gute, blitzgescheite und viel wissende Freundin ärgert sich enorm, weil während einer Wanderung eine ebenfalls nicht dumme Vegetarierin im Restaurant, nach reiflichem Überlegen, wozu sie sich in diesem Falle entscheiden sollte, und unter engagiertem Beistand aller mitwandernden Fleischessenden, schlussendlich sagte: Und ihr, ihr esst tote Tiere. Meine kluge Freundin ist hochgradig empört. Sagt: Das geht gar nicht, also so was von nicht! Ich sage: Aber es stimmt doch was sagen Sie? G.J.

Liebe Frau J. Klar. Stimmt. Nur Austern schlürft man in der Regel lebendig. Die anderen Tiere, die man verspeist, kommen tot auf den Teller. Kleinere Fische sogar oft als Ganzkörperpräparat; die meisten anderen Tiere in Gestalt von Einzelteilen. Leichenteilen, würde die vegetarische Freundin wahrscheinlich sagen, und die fleischessende Freundin würde sich darüber noch mehr aufregen. Warum? Weil sie die Wahrheit nicht verträgt? Es ist ein bisschen komplizierter. Man muss sich schon naiv stellen, um so zu tun, als sei «Ihr esst tote Tiere» nur eine Feststellung, die entweder wahr sein kann oder falsch. Sie ist ausserdem ein Sprechakt, mit dem man mehr macht, als lediglich eine Behauptung aufzustellen. (Vgl. dazu einen meiner Lieblingsphilosophen, nämlich John Langshaw Austin und sein klassisches Werk «How to Do Things with Words».)

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