Zum Hauptinhalt springen

Hoffnung auf Überlebende schwindetMindestens 50 Tote bei Unwettern in Japan

Sintflutartiger Regen hat ganze Wohngebiete unter Wasser gesetzt und Erdrutsche ausgelöst. Die Zahl der Todesopfer hat sich drastisch erhöht.

Unwetter haben im Südwesten Japans schwere Schäden angerichtet.
Unwetter haben im Südwesten Japans schwere Schäden angerichtet.
Keystone/Kyodo News/AP/Yuki Sato

In den von schweren Unwettern heimgesuchten Überschwemmungsgebieten in Japan schwindet die Hoffnung auf weitere Überlebende. Wie japanische Medien am Dienstag berichteten, stieg die Zahl der Todesopfer auf Japans Hauptinsel Kyushu weiter auf mindestens 50.

Weitere Menschen werden vermisst. Unter den Opfern befinden sich auch 14 Bewohner eines Altenpflegeheims in der schwer betroffenen Provinz Kumamoto. Die Behörden warnten unterdessen weiter vor den andauernden Gefahren durch die rekordstarken Niederschläge.

Die Regierung gab die höchste Warnstufe für die Insel Kyushu aus. Derweil setzten die Rettungskräfte ihren unermüdlichen Einsatz fort. Allein in der schwer betroffenen Provinz kamen mindestens 49 Menschen ums Leben, elf wurden am Dienstag weiter vermisst, wie örtliche Medien berichteten.

Fluss tritt über die Ufer

Auch aus der Präfektur Fukuoka wurde eine Tote gemeldet. Die 87 Jahre alte Frau war in der Nacht in ihrem überfluteten Haus gefunden worden. Am Dienstag konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. In der ebenfalls auf Kyushu gelegenen Provinz trat derweil der Chikugo-Fluss über die Ufer, wie Medien weiter berichtete. Eine Eisenbahnbrücke brach dort zusammen.

Vermutlich mehr als ein Dutzend Menschen sind tot, mehrere werden vermisst oder warten darauf, gerettet zu werden. Eine überflutete Strasse in Hitoyoshi. (4. Juli 2020)
Vermutlich mehr als ein Dutzend Menschen sind tot, mehrere werden vermisst oder warten darauf, gerettet zu werden. Eine überflutete Strasse in Hitoyoshi. (4. Juli 2020)
Foto: Yuki Sato/Kyodo News/Keystone

Japans meteorologische Behörde hatte die Bevölkerung aufgefordert, vorerst in höchster Alarmbereitschaft zu bleiben. Mehr als 1,2 Millionen Bewohner auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu waren aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen und Schutzräume aufzusuchen.

Die massiven Niederschläge hatten am Wochenende schwere Überflutungen und Erdrutsche auf Kyushu ausgelöst und hohe Schäden verursacht.

Hilferufe über soziale Medien

In sozialen Medien wurden derweil unzählige Fotos und Videos aus den Katastrophengebieten hochgeladen. Im August will Japans Polizei eine Webseite starten, auf der solche Aufnahmen zum Beispiel von beschädigten Strassen und Gebäuden sowie Erdrutschen hochgeladen werden können. Dies soll den Einsatzkräften bei Katastrophen künftig dabei helfen, Rettungsarbeiten zügig einzuleiten. Manche Menschen nutzten am Samstag die sozialen Medien auch dafür, um Hilfe zu rufen.

Der Fluss Kuma hat in Hitoyoshi ein ganzes Wohngebiet überflutet, wie diese Luftaufnahme zeigt. (4. Juli 2020)
Der Fluss Kuma hat in Hitoyoshi ein ganzes Wohngebiet überflutet, wie diese Luftaufnahme zeigt. (4. Juli 2020)
Foto: Kyodo/Reuters

In einem Altenpflegeheim in dem von den Überflutungen ebenfalls stark betroffenen Dorf Kuma in der Provinz Kumamoto wurde bei 14 Menschen Herz- und Atemstillstand diagnostiziert, meldete der Fernsehsender NHK. «Es war unheimlich», schilderte eine alte Frau in Kumamoto, die von Helfern auf dem Rücken aus ihrem überschwemmten Wohnviertel getragen wurde. Ganze Häuser wurden von den schlammigen Wassermassen fortgerissen, andere standen bis unter das Dach unter Wasser.

Regierung schickt 10’000 Soldaten

Als der Wasserspiegel stellenweise langsam sank, wurde das Ausmass der Schäden immer deutlicher: verwüstete Häuser, in denen dicke Schlammschichten liegen, beschädigte Strassen und Autos, eine grosse Brücke überflutet. Zu mehreren Bewohnern überschwemmter Städte gebe es keinen Kontakt, hiess es. Die Mobiltelefonverbindungen waren zeitweise unterbrochen, Tausende von Haushalten waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Stellenweise gingen Erdrutsche nieder.

Das Militär wurde zur Hilfe gerufen, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Der japanische Regierungschef Shinzo Abe kündigte bei einer Notfallsitzung die Entsendung von rund 10’000 Soldaten in die Katastrophenregion an. Zudem sollen die betroffenen Menschen mit Notfallgütern versorgt werden. Die Meteorologische Behörde gab für viele Regionen die höchste Warnstufe aus und warnte für das restliche Wochenende vor weiterem heftigen Regen auch in Teilen des Westens.

SDA