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Kurioses aus der JustizToll, ein anderer machts

Auf Baustellen verteilt sich die Verantwortung auf viele Schultern. Ein Beispiel aus Uetikon zeigt, was passiert,
wenn jeder glaubt, der andere kümmere sich um ein Problem.

Kurioses aus der Welt der Justiz.
Kurioses aus der Welt der Justiz.
Olivier Samter

Aus der Schulzeit blieb der Spruch hängen: Team heisse eben nicht «Toll, ein anderer machts», pflegte der Primarlehrer zu sagen. Genau das ist aber offenbar im März 2016 auf einer Baustelle in Uetikon passiert. Um den Grundwasserspiegel zu senken, wurde Wasser in Bohrlöcher gepumpt. Dadurch sollten Gesteinsschichten gelöst werden. Ein normaler Vorgang; dabei kommt es zu Schlammbildungen, die sich einen Weg nach draussen suchen. In Uetikon floss der Schlamm durch eine nicht abgedeckte Meteorleitung in einen nahegelegenen Bach. Eine unbekannte Zahl Jungfische starb wegen des Schlamms, der sich auf rund 100 Metern ausgebreitet hatte. Der Unfall löste einen Grosseinsatz aus, die Zu- und Abflüsse wurden verschlossen. Ein Zuflussrohr ging jedoch vergessen, was nur drei Tage später erneut zu einer Verschmutzung des Bachs und sterbenden Fischen führte. Dieses Mal wurde eine im Plan nicht sichtbare Regenleitung angebohrt, durch die der Schlamm in den Bach gelangte.

Wie konnte das passieren? Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben gleich vier Personen Fehler begangen. Der Gesamtbauleiter war der Ansicht, dass die Meteorleitung ausserhalb des Arbeitsgebiets lag. Der Bauführer einer zweiten Firma bemerkte die Leitung zwar, sagte dem Subunternehmen aber nur, dass er nicht wisse, wohin diese führe. Nach dem ersten Unfall beauftragte er das Subunternehmen, den Schacht zu schliessen. Der Chef und ein Angestellter der Firma führten den Auftrag ungenügend aus und konnten die erneute Trübung des Bachs nicht verhindern.

Das ergibt also vier Strafbefehle. Die vier Männer kommen gut weg, mit bedingten Geldstrafen zu je zehn Tagessätzen und Bussen von 300 Franken. Es bleiben tote Fische und eine hoffentlich verbesserte Kommunikation auf der Baustelle.