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Sitzbänke statt ParkplätzeThalwil möbliert seine Einkaufsstrasse

Auf sechs Parkfeldern in der Gotthardstrasse installiert die Gemeinde diesen Sommer Holzbänke und -tische. Sie sollen das Zentrum aufwerten.

Noch sind die Holzkonstruktionen in Entstehung. Die Mitarbeiter der Thalwiler Schreinerei Rigex verwenden dazu rund 7500 Schrauben.
Noch sind die Holzkonstruktionen in Entstehung. Die Mitarbeiter der Thalwiler Schreinerei Rigex verwenden dazu rund 7500 Schrauben.
Foto: André Springer
Die ersten Tische und Hocker sind fertig. Und auch eine der Bodenflächen, von denen jede so lang ist wie zwei Parkfelder.
Die ersten Tische und Hocker sind fertig. Und auch eine der Bodenflächen, von denen jede so lang ist wie zwei Parkfelder.
Foto: André Springer
Rund 2600 Lärchenholzleisten werden verarbeitet.
Rund 2600 Lärchenholzleisten werden verarbeitet.
Foto: André Springer
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Die Schreiner der Thalwiler Firma Rigex schrauben dieser Tage gerade rund 2600 Holzleisten zusammen. Was dabei entsteht, nennt sich Parklet: eine längliche Bodenkonstruktion, auf der Tische, Stehtische, Hocker, Bänke und Pflanzentroge stehen. Insgesamt drei solcher Parklets stellt die Schreinerei her. Ein jedes hat die Fläche von zwei Parkfeldern. Und genau auf solchen sollen sie diesen Sommer platziert werden.

Auftraggeberin ist nämlich die Gemeinde Thalwil. Sie will die Parklets laut einer Mitteilung auf sechs Parkplätzen in der Gotthardstrasse installieren. «Es ist ein Pilotprojekt», sagt Gemeinde-Ingenieur Andy Fellmann. «Wir wollen herausfinden, wie diese Sitznischen bei der Bevölkerung ankommen.» Das Ziel: Die Sitzgelegenheiten aus Lärchenholz sollen Begegnungen fördern und für urbanes Flair sorgen. Dies circa ab Ende Juni.

Erinnerungen werden wach

Die Sommerwochen böten sich für das Projekt auch deshalb an, weil dann weniger Verkehr durch die Gotthardstrasse rolle. Zur Verfügung stehen werden die Installationen laut Fellmann höchstens 60 Tage. Darüber hinaus wäre eine Baubewilligung nötig. Als Vorbild diente der Gemeinde Thalwil die Stadt Bern. Dort wurden solche Parklets schon vor zwei Jahren produziert und getestet.

Die Parklets in Thalwil werden ähnlich aussehen wie dieses Modell, das 2018 in der Berner Zeughausgasse stand.
Die Parklets in Thalwil werden ähnlich aussehen wie dieses Modell, das 2018 in der Berner Zeughausgasse stand.
Foto: Iris Andermatt

Dass die Sitznischen nun auch in Thalwils Einkaufsstrasse zum Einsatz kommen, erinnert hier an ein altes Thema: die bescheidene Aufenthaltsqualität im Dorfzentrum. 2016 lehnten die Thalwiler die Schaffung einer Begegnungszone mit weniger Parkplätzen in der Gotthardstrasse letztmals ab.

Danach kündigte Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP) an, dass der Abschnitt zwischen Migros und Post wohl wenigstens mit vereinzelten Sitzbänken aufgewertet werde. Nun also scheint Thalwil, zumindest testweise, einen Schritt in diese Richtung zu unternehmen.

«Es ist vertretbar»

Bisherige Bestrebungen, den Parkraum im Zentrum zu reduzieren, stiessen bei den ansässigen Geschäften selten auf Gegenliebe. Und wie sieht es im Fall der Parklets aus? «Wir finden es ein schönes Projekt», sagt Christian Kling, Präsident des Thalwiler Handwerk- und Gewerbevereins. «Während der Sommerferienzeit ist es vertretbar.»

Wo genau die Holzelemente hinkommen sollen, ist allerdings noch nicht definiert. Denkbar sei eine Platzierung vor dem Gnusspur, vor der Bäckerei-Konditorei Widmer und vor der ZKB-Filiale. Die Zürcher Kantonalbank hat schliesslich wesentlichen Anteil am Projekt: Eines der drei Parklets finanziert die Gemeinde nämlich mit 23'000 Franken aus der ZKB-Jubiläumsdividende. Die anderen beiden schlagen in der Investitionsrechnung mit total 56’000 Franken zu Buche.

Auch am See?

Was die Thalwiler von der neuen Anschaffung halten, wolle die Gemeinde Ende Sommer in einer Online-Umfrage herausfinden, sagt Fellmann. Ob die Parklets künftig auch in anderen Strassen – oder etwa am See oder auf dem Chilbiplatz – zum Einsatz kommen, werde sich zeigen.