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Teures Atlantik-Eis in Schweizer Regalen

Geschäfte hierzulande verkaufen Flaschen mit Wasser vom Eisberg. Konsumenten haben nicht nur Freude daran.

Nischenprodukt für fast 10 Franken: Wasser, das aus geschmolzenen Eisbergen gewonnen wird. (Leserreporter 20 Minuten)
Nischenprodukt für fast 10 Franken: Wasser, das aus geschmolzenen Eisbergen gewonnen wird. (Leserreporter 20 Minuten)

Wasser direkt vom Eisberg – das kann man in Flaschen abgefüllt im Laden kaufen. Für die kanadische Marke Berg etwa wird im Atlantik-Eis geerntet, das ursprünglich von einem Gletscher aus Grönland stammt und besonders sauber sein soll (siehe Info-Box).

Eine Leserin von 20 Minuten sah kürzlich im Manor eine solche Flasche. Sie kostete 9.95 Franken für 0,75 Liter. «Wie bescheuert ist die Menschheit? Macht den Wasserhahn auf und trinkt», schrieb sie in einem Facebook-Post. Viele Nutzer pflichten ihr bei. «Das Unternehmen schmilzt Eisberge ein, um an das Wasser zu kommen. Kein Wunder, erwärmt sich die Erde!» Ein anderer Nutzer fragt: «Kauft das wirklich jemand?» Der Beitrag wurde innert zwei Tagen über 2000-mal geteilt.

Das Luxuswasser sei ein Nischenprodukt, wie Manor-Sprecher Fabian Hildbrand zu 20 Minuten sagt: «Die Produkte werden von unseren Kunden nicht für den alltäglichen Gebrauch verwendet.» Zudem würde die Kundschaft das Design der Flaschen schätzen und sie zum Wiederauffüllen verwenden.

Manor führt seit 2018 ein Sortiment namens «Waters of the World». Ziel sei es, den Kunden neben den Standardwassern, die mehrheitlich aus der Schweiz oder dem grenznahen Ausland stammen, ein exklusives Sortiment anzubieten.

Gletschereis wird nicht extra geschmolzen

Das Wasser der Marke Berg ist das meistverkaufte Produkt der Serie. Vielen Konsumenten kommt es grotesk vor, dass man Eisberge schmilzt und um die halbe Welt transportiert. «Es ist nicht etwa so, dass das Gletschereis extra geschmolzen wird, sondern es wird nur abgebrochenes Eis eingesammelt», betont Manor-Sprecher Hiltbrand.

Zwei Männer fangen ein abgebrochenes Stück von einem Eisberg ein. (Bild: Icebergwater)

Importwasser gibt es bei einer ganzen Reihe von Schweizer Händlern: Der Klassiker ist das Fiji-Wasser, das etwa Globus, Manor und Jelmoli im Sortiment haben. Es wird von Fidschi importiert und kostet in der Schweiz je nach Anbieter um die 5 Franken pro Liter.

Wahl dem Kunden überlassen

Migros bietet das norwegische Voss-Mineralwasser für über 7 Franken pro Liter an. Coop hat Voss aus dem Sortiment genommen, auf Coop@home wird das Produkt aber noch gelistet.

Die Migros betont, dass man es den Kunden überlasse, für welches Wasser sie sich entscheiden. Zudem lasse sich die Nachhaltigkeitsleistung der Migros nicht an einzelnen Punkten messen, sondern an den gesamtheitlichen Anstrengungen in diesem Bereich.

Die Vorteile des Leitungswassers

Dass Konsumenten sich über das importierte Luxuswasser aufregen, entspreche dem Zeitgeist, erklärt Wasserexperte und Beratungsunternehmer Matthias Mend: «Wir werden uns zunehmend bewusst, das Flaschenwasser immer die schlechtere Alternative zu Leitungswasser ist, sowohl ökologisch als auch ökonomisch.»

Dazu komme, dass Wasser aus der Flasche vielleicht mehrere Wochen stehen bleibt und sich darin Bakterien, Parasiten und Algen schneller ausbreiten können. Auch darum sei fliessendes Hahnenwasser immer zu bevorzugen.

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