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Theater um Corona-bedingte AbsageTeamarzt der Ukraine greift Luzerner Kantonsarzt an

Der ukrainische Fussballverband veröffentlicht ein Interview mit seinem Chefmediziner. Dessen Aussagen haben es in sich.

Nur Naserümpfen übrig: Der ukrainische Teamarzt, stellvertretend für den Verband, kritisiert in einem Interview das Vorgehen der Schweizer Gesundheitsbehörden nach der Absage des Spiels in Luzern am Dienstag.
Nur Naserümpfen übrig: Der ukrainische Teamarzt, stellvertretend für den Verband, kritisiert in einem Interview das Vorgehen der Schweizer Gesundheitsbehörden nach der Absage des Spiels in Luzern am Dienstag.
Foto: Reuters
Gemäss Verband sind die Spieler bei der Rückkehr in die Ukraine negativ getestet worden.
Gemäss Verband sind die Spieler bei der Rückkehr in die Ukraine negativ getestet worden.
Foto: Imago
Am Samstag spielten die Ukrainer noch gegen Deutschland und verloren.
Am Samstag spielten die Ukrainer noch gegen Deutschland und verloren.
Foto: Imago 
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Kein Tag vergeht ohne Sticheleien aus der Ukraine, nachdem am Dienstag die entscheidende Nations-League-Partie der Schweiz gegen die Osteuropäer abgesagt wurde. Am Freitag ist der ukrainische Teamarzt Artur Hlushchenko an der Reihe. Er attackiert in einem Interview auf der Website des ukrainischen Verbandes den Luzerner Kantonsarzt Dr. Roger Harstall. Dieser hat nach positiven Testergebnissen bei drei ukrainischen Feldspielern mit seiner Quarantäne-Anweisung für das gesamte Team für die Absage gesorgt.

Teamarzt Hlushchenko lobt im Interview die Deutschen – und kritisiert die Schweizer Kollegen: «Nicht wie die deutschen Kollegen, die alles daran setzten, alle Probleme zu lösen, damit ein Spiel stattfinden konnte, und ihre Arbeit auf höchstem medizinischem Level durchführten, erfuhren wir in der Schweiz nicht die gleiche Behandlung.»

Nachdem bei den Ukrainern vor dem Gastspiel in Dresden fünf Leute positiv getestet worden seien, habe der Deutsche Fussball-Bund weitere Tests für den Spieltag angeordnet, so Hlushchenko weiter. «Die Deutschen kamen am Spieltag mit einem mobilen Labor zu uns, um die Tests durchzuführen. Drei Stunden später hatten wir die Resultate. Alle waren negativ, und das Spiel konnte stattfinden. Die Schweizer weigerten sich aber, am Spieltag zu testen, ordneten die Tests explizit auf den Tag zuvor an.»

Klare Ansage des Kantonsarztes

«Wenn es auch nur einen Infizierten in Ihrer oder der Mannschaft der Schweizer hat, dann findet das Spiel nicht statt.» Das soll der Luzerner Kantonsarzt vor den Tests bereits entschieden haben, schenkt man Hlushchenko Glauben. Der Teamarzt plädiert für Corona-Tests am Spieltag: «So weiss man sicher, wer infiziert ist und wer nicht. Über Nacht kann so viel passieren.» Zudem zweifelt er daran, dass der Match auch wirklich abgesagt worden wäre, hätte es Mitglieder der Schweizer Nationalmannschaft betroffen.

Auch zweifelt Hlushchenko die Ergebnisse der in der Schweiz durchgeführten Tests der Spieler Junior Moraes und Sergei Kriwtsow an: «Das sind falsche positive Ergebnisse. Es ist möglich, dass tote Zellen des Virus ein solches Ergebnis auslösen.» Die beiden Spieler hatten sich bereits im Oktober bei ihrem Stammclub Schachtar Donezk infiziert und waren danach in den Spielbetrieb zurückgekehrt. Auch in Donezk ist Hlushchenko der verantwortliche Mediziner. Am Donnerstag wurden die beiden nach ihrer Ankunft in der Ukraine negativ getestet, wie alle Spieler des Teams.

Auch die Schweizer Gesundheitsbehörden melden sich nun zu Wort: «Das Gesundheits- und Sozialdepartement hält fest, dass die am 16. November 2020 durchgeführten Tests weder vom Kantonsarzt noch von einem anderen Mitarbeitenden der Dienststelle Gesundheit und Sport (Dige) vorgenommen wurden. Auch in die anschliessende Laboranalyse der Tests war weder der Kantonsarzt noch ein anderer Mitarbeitender der Dige involviert – Gleiches gilt für die Wahl des auswertenden Labors.» Der Quarantäne-Entscheid sei vom Kantonsarzt in Absprache mit dem BAG und der Uefa gefallen.

Entscheid über Spielwertung steht aus

Sportlich stand vor der Partie einiges auf dem Spiel: der Abstieg aus der Liga der Nations League. Die Schweizer hätten gegen die Ukrainer einen Sieg gebraucht, um den Abstieg abzuwenden. Sollte die Uefa den Grund für die Absage beim ukrainischen Verband sehen, so würde die Schweiz wohl mit einem Sieg am grünen Tisch den Abstieg abwenden.

Vonseiten des Schweizer Verbands erwartet man einen Sieg und dadurch den Verbleib in der höchsten Spielklasse der Nations League. Die Ukrainer hoffen ihrerseits wohl nach den negativen Testresultaten der Delegation und den Vorwürfen in Richtung der Schweizer Behörden auf einen Sieg am grünen Tisch. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, steht bislang nicht fest.

13 Kommentare
    Max Ritter

    Russische Propaganda aus einer korrupten von kriminellen Mäzen kontrollierten Land, nicht mehr oder weniger. Das kann kein Mensch ernst nehmen.