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Fast 500 Stellen wegTaschentücher für Manor-Mitarbeitende lagen bereit

Manor gibt einen Stellenabbau bekannt – wieder einmal. Die Warenhauskette streicht seit Jahren Jobs. Das sind die Gründe.

8900 Mitarbeitende beschäftigt Manor heute. In Zukunft werden es deutlich weniger sein.
8900 Mitarbeitende beschäftigt Manor heute. In Zukunft werden es deutlich weniger sein.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

91 Stellen am Hauptsitz in Basel – weg. Über 380 Jobs in den Filialen – weg. Manor hat zum grossen Kahlschlag angesetzt. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Manor sind das schwer verdauliche Neuigkeiten. Wie aus dem Inneren des Konzerns zu hören ist, wurden für heute am Hauptsitz drei Sitzungszimmer vorbereitet, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die schlechte Nachricht zu überbringen. Die Zimmer wurden dabei eigens mit Papiertaschentücher ausgestattet.

Manor befindet sich seit Jahren in einer schwierigen Situation. Bereits im Januar hatte Manor einen Abbau angekündigt. Die offizielle Meldung kam jedoch erst, als die Neuigkeiten bereits aus dem Innern des Konzerns an die Öffentlichkeit gelangt war. Damals war die Rede von 87 Jobs, die wegfallen sollten. Und nun – ein halbes Jahr später – folgt der nächste Abbau. In den letzten Jahren hat Manor immer wieder Stellen abgebaut. Die Gewerkschaftspublikation «Work» schrieb im Januar davon, dass seit 2015 mindestens 800 Jobs weggefallen sind.

«Die Warenhäuser haben jahrelang geschlafen und nicht an den Onlineshop geglaubt.»

E-Commerce-Experte Thomas Lang

Die Gründe für den Abbau sind vielfältig. Einerseits haben Warenhäuser heute generell einen schwierigen Stand. Die Umsätze sinken seit Jahren. Das Heilmittel für die Misere konnte von den grossen Schweizer Warenhäusern bisher niemand finden, auch wenn die Branche mit unterschiedlichen Konzepten versucht, die Kundschaft zurückzuholen. Hinzu kommen hausgemachte Fehler. So hat Manor zu spät auf den Onlinehandel gesetzt. In diesem Frühjahr liess Manor verlauten, dass man nun auf die Karte online setzen will.

In der neusten Meldung benennt Manor nun ein Ziel, wie es mit dem Online-Kanal weitergehen soll: Bis Ende 2024 solle der aktuelle Online-Anteil verfünffacht werden. Was das genau heissen soll, will Manor nicht kommentieren. In einem Blogeintrag schätzt E-Commerce-Experte Thomas Lang des Beratungsunternehmens Carpathia, dass Manor rund 250 bis 300 Millionen Franken Online-Umsatz anvisiert. Das sei ungefähr so viel, wie Microspot bereits heute erzielt. Damit ein Sprung beim Onlinehandel funktioniert, will Manor im vierten Quartal einen eigenen Online-Marktplatz lancieren.

Doch ob dieser Effort reicht, um mit der Konkurrenz mitzuhalten, ist fraglich. «Die Warenhäuser haben jahrelang geschlafen und nicht an den Onlineshop geglaubt», erklärte E-Commerce-Experte Thomas Lang bereits im vergangenen Jahr gegenüber dieser Zeitung. Zum Vergleich: Der Umsatz von Zalando lag 2018 in der Schweiz bei über 780 Millionen Franken. Manor-Konkurrent Jelmoli machte geschätzte 6 Millionen Umsatz, Globus 30 Millionen. Bei Manor selbst geht Carpathia von 63 Millionen Franken Umsatz im Onlinehandel aus.

Konsultationsverfahren gefordert

Beim neu angekündigten Abbau seien alle Regionen und Hierarchiestufen betroffen, sagte ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Beim Abbau soll ein Sozialplan greifen, schreibt Manor. Allerdings nur für die Betroffenen am Basler Hauptsitz. «In den Warenhäusern haben die Konsultationsverfahren teilweise erst heute begonnen», so ein Manor-Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Gewerkschaft Unia fordert bessere Sozialpläne, als Manor bisher bereit war, zu gewähren. Zudem verlangen die Arbeitnehmervertreter ein transparentes Konsultationsverfahren für die Mitarbeitenden. Alle Mitarbeitenden müssten umfassend informiert werden, und Manor müsse allen Angestellten die Möglichkeit geben, sich am Konsultationsverfahren zu beteiligen, heisst es in einer Mitteilung der Unia.

Manor kommt mit dem neuerlichen Abbau nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Während Corona hat Manor bereits mit einer anderen Forderung auf sich aufmerksam gemacht. Manor-Chef  Jérôme Gilg schrieb seinen Lieferanten einen Brief mit der Aufforderung, dass sie sich mit 10’000 Franken an den Kosten der Corona-Krise beteiligen sollen. Einige hätten die 10'000 Franken überwiesen, sagt ein Sprecher gegenüber Keystone-SDA.

47 Kommentare
    Rolf Zach

    Manor hatte einstmals riesige Reserven und die Maus und die Nordmann waren unter den fünf reichsten Familien der Schweiz. Wo haben sie ihren außerordentlichen Reichtum verloren. Natürlich in den USA mit der Warenhauskette Berner und dem berühmten Warenhaus Carson, Pirie, Scott in Chicago, welches sie zu einem damals unglaublichen Preis, ohne deren Bücher einzusehen, gekauft haben. Sie mussten ihre wertvolle Mehrheitsbeteiligung an Galerie Lafayette verkaufen, um aus dem schlimmsten Schlamassel herauszukommen. Das nicht überzeugende Management hat sich fortgesetzt und es wurden nicht genügend Gewinne geniert, um sich auf neue Verkaufskanäle im Detailhandel zu konzentrieren.

    Die neuerlichen Investitionen in weltweite bekannte Modemarken wie Lacoste könnten durchaus der Beginn des endgültigen Ausstiegs von MANOR aus dem Warenhaus-Geschäft sein, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Warenhäuser davon in eigenen Liegenschaften sind und die bei Verkauf gutes Geld bringen sollten.

    Ob Lacoste eine Wiederholung eines Fehlschlags wie Carson, Pirie, Scott wird, ist abzuwarten!