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Coronavirus in der Schweiz+++ Tessin lockert Regeln in Altersheimen +++ BAG meldet 488 Neuansteckungen

Bewohner dürfen Besucher wieder im Zimmer empfangen. Roche kommt bei der Suche nach einem Coronamedikament voran. Schweizer Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Wochen steigt die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz eher wieder an.
  • Trotzdem lässt der Bundesrat ab Oktober Grossanlässe mit mehr als 1000 Menschen zu, allerdings mit strengen Massnahmen und unter der Obhut der Kantone.
  • Mehrere Kantone haben die Schutzmassnahmen verschärft. U. a. wurde die Maskenpflicht in Läden eingeführt.

LIVE TICKER

Mieterlass für Geschäfte

Das Parlament will den von Corona-Schliessungen betroffenen Geschäftsmietern zu Hilfe eilen. Im Auftrag der Räte hat der Bundesrat am Freitag die Vorlage für einen teilweisen Mieterlass beschlossen. Er macht keinen Hehl daraus, dass er wenig von dieser Lösung hält.

Der Bundesrat erwähnt in seiner Mitteilung mehrmals, dass er mit der Botschaft zum Covid-19-Geschäftsmietegesetz einen Auftrag des Parlaments erfülle. Er halte an seiner bisherigen Position fest, dass ein Eingriff in die privatrechtlichen Beziehungen zwischen Mieterinnen und Vermieterinnen zu vermeiden sei. Gleich argumentieren die SVP und die FDP, welche die entsprechenden Motionen in der Sommersession ablehnten, sowie der Hauseigentümerverband.

Ob das Gesetz im Parlament wiederum eine knappe Mehrheit findet, zeigt sich Ende Oktober. Dann debattiert der Nationalrat in einer Sondersession unter anderem über diese Vorlage.

Tessin lockert Regeln in Altersheimen

Bewohner von dürfen wieder Besuche auf den Zimmern empfangen und selber ausgehen: Die Tessiner Regierung hat die Bestimmungen für die Altersheime gelockert. Für Besucherinnen und Besucher gelten aber strenge Hygiene- und Sicherheitsvorschriften.

Franco Tanzi, Geriater und Koordinator der Arbeitsgruppe «Altersheime» im Kanton Tessin, bezeichnete die Lockerungen an der Medienkonferenz der Regierung am Freitagmorgen als «grosse Errungenschaft». Viele ältere Menschen hätten unter der Einsamkeit der letzten Monate gelitten, nicht wenige hätten Appetit und Lebensfreude verloren.

Das soll nun ein Ende haben: Ab nächster Woche sind wieder Besuche auf den Zimmern der Altersheimbewohner erlaubt.

«Chirurgenmaske» ist Vorschrift

Besucherinnen müssen nach Betreten des Altersheims ihre Hände waschen und desinfizieren, ein spezielles Hemd anziehen sowie eine Schutzmaske anlegen, die sie erst nach dem Verlassen des Hauses wieder ablegen dürften, wie Kantonsarzt Giorgio Merlani erklärte. Die Masken müssen zertifiziert sein – und dem Standard «Chirurgenmaske» entsprechen.

Alle Externen müssen zudem ein Protokoll unterschreiben, auf dem festgehalten ist, dass sich die betreffende Person in keinem Land aufgehalten hat, das auf der orangen oder roten Liste der Schweiz steht.

Vier neue Fälle in den letzten 24 Stunden

Die zweite Errungenschaft der neuen Verordnung ist die Ausgeherlaubnis für Altersheimbewohner – sei es für ein Essen mit Verwandten oder den Besuch eines Grabes auf dem Friedhof, wie Tanzi erklärte. Auch dies sei wichtig für die älteren Menschen.

Nicht ohne Stolz hielt Giorgio Merlani fest, dass es derzeit keinen einzigen Fall von Coronavirus in den insgesamt 68 Altersheimen gebe. Auch sonst stehe das Tessin mit aktuell vier bestätigten Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden gut da, resümierte Merlani. Doch der Preis, den insbesondere die älteren Menschen im Tessin für diese «gute Situation» gezahlt hätten, sei hoch.

488 Neuansteckungen

Das BAG meldet 488 Neuinfizierte bei 13'993 Tests. Somit liegt die Positivitätsrate bei 3,5 Prozent. Es gab 3 neue Todesfälle und 15 Personen mussten ins Spital eingewiesen werden. Am Freitag vor einer Woche hatte das BAG 528 Fälle gemeldet

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie 49'283 laborbestätigte Fälle. Seit Anfang der Pandemie mussten 4742 Personen im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 1765.

In der Schweiz wurden bisher 1'251'614 Tests durchgeführt. Bei 4,6 Prozent aller Tests fiel das Resultat über die vergangenen Monate gesehen positiv aus. Für die letzten sieben Tage betrug die Positivitätsrate 4,0 Prozent.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung steckten am Freitag nach Angaben des BAG 2048 Personen in Isolation und 5598 Menschen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 7571 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

Hier gelangen Sie zu unserem Corona-Dashboard mit weiteren Daten zur Pandemie in der Schweiz und weltweit.

Pendler-Masken auf Bakterien untersucht

Der K-Tipp (kostenpflichtiger Artikel) hat Einwegmasken von 20 Pendlern im Labor untersuchen lassen. Resultat der Stichprobe in Zürich: Auf elf Masken fanden sich über 100'000 Bakterienkolonien, auf drei über eine Million. Das ist ein Vielfaches der Bakterien, die auf Touchscreens von Billetautomaten nachgewiesen wurden. Dort lag der Wert zwischen 3 und 69 Kolonien. Auch Schimmel- und Hefepilze blieben an den Oberflächen der Masken hängen.

Der Befund zeige, wie wichtig es sei, die Maske regelmässig zu wechseln und sich nach dem Anfassen die Hände zu waschen, schreibt der K-Tipp. Viele der Pendler hatten angegeben, die Einwegmaske mehrere Tage oder sogar Wochen getragen zu haben.

Lesen Sie, wie man Masken richtig trägt.

Coronamittel erzielt in Tests gute Wirkung

Roche kommt bei der Suche nach einem Coronamedikament voran. Das bereits zugelassene Mittel Actemra/RoActemra (Tocilizumab) habe in einer Studie die angestrebte Wirkung bei Patienten mit coronabedingter Lungenentzündung erreicht.

Die Patienten, die das Mittel erhielten, hatten im Vergleich zu Patienten, die mit Placebo behandelt wurden, eine um 44 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, an die Beatmungsmaschine angeschlossen werden zu müssen oder zu sterben. Dies gab der Basler Pharmariese bekannt (lesen Sie, welche Wirkstoffe bei der Behandlung von Covid-19 bereits im Einsatz sind).

Ein Pfleger betreut eine Covid-19-Patientin am Unispital in Lausanne.
Ein Pfleger betreut eine Covid-19-Patientin am Unispital in Lausanne.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Zudem werde Roche einen Antikörpertest lancieren, mit dem Personen identifiziert werden können, die mit dem Coronavirus angesteckt waren und selbst bereits Antikörper entwickelt haben. Der Test könne eine wichtige Rolle bei der Charakterisierung einer impfstoffinduzierten Immunreaktion spielen, teilte Roche weiter mit.

530 neue Infektionen

In der Schweiz sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag 530 Coronavirus-Ansteckungen innerhalb eines Tages gemeldet worden. Es gab sieben neue Todesfälle und 18 Personen mussten ins Spital eingewiesen werden.

Am letzten Donnerstag waren es 405 Neuinfektionen, am Donnerstag davor 364. Die Kurve zeigt somit weiter nach oben. Gestern Mittwoch registrierte das BAG 514 Fälle, am Dienstag 315 Fälle, am Montag 257 und am Sonntag 475.

Die 530 Fälle wurden bei 14'911 Tests gefunden, die Positivitätsrate beträgt 3,6%.

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Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie 48'795 laborbestätigte Fälle. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich am Donnerstag nach Angaben des BAG 2258 Personen in Isolation und 6455 Menschen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 8097 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

Waadt: Kein Mangel an Spitalbetten

Das Universitätsspital Lausanne (Chuv) ist für eine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie vorbereitet. Einen Mangel an Spitalbetten gebe es nicht. Derzeit befinden sich 23 Covid-19 Patienten im Chuv, darunter zwei auf der Intensivstation.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in dem am stärksten vom Virus betroffenen Kanton orientierten das Waadtländer Universitätsspital und die Kantonsregierung an einer Medienkonferenz am Donnerstag über die aktuelle Lage. Das Gesundheitssystem sei in der Lage, mit einem möglichen neuen Zustrom von Patienten zurechtzukommen, hiess es.

«Das Spitalwesen im Kanton Waadt ist nicht ausgelastet», sagte die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz (SP). Ein Drittel der Betten auf den Intensivstationen der Waadtländer Spitäler sei frei. «Wir haben ein solides Gesundheitssystem, das seine Flexibilität bewiesen hat und bei Bedarf bereit ist», sagte Ruiz.

Die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz (SP) informierte über die Lage in ihrem Kanton.
Die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz (SP) informierte über die Lage in ihrem Kanton.
Foto: Keystone

«Das Chuv arbeitet mit fast normaler Aktivität. Das heisst, es ist zu 90 Prozent ausgelastet», sagte Spitaldirektor Philippe Eckert. «Aber wir haben Reservebereiche mit leeren Betten für Corona-Patienten bereit. Auf der Intensivstation stehen 14 Betten zur Verfügung», sagte er.

Derweil fordert das Personal des Chuv eine Aufstockung des Personals, Lohnerhöhungen und eine Prämie wegen der Coronavirus-Pandemie. Es hat an einer Generalversammlung des Personals beschlossen, sich an einem kantonalen Aktions- und Streiktag des Gesundheitssektors am 28. Oktober zu beteiligen.

Jurassische Ständerätin in Quarantäne

Die jurassische Ständerätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) ist in Quarantäne. Ihr Sohn wurde positiv auf das Virus getestet, wie Ratspräsident Hans Stöckli (SP/BE) am Donnerstag im Ständerat bekannt gab.

Baume-Schneider und auch ihre Familie, die ebenfalls in Quarantäne sei, sei wohlauf, sagte Stöckli. Er hoffe, die Ratskollegin könne am kommenden Mittwoch nach Bern zurückkehren. Baume-Schneider ist 56-jährig und seit Ende 2019 Ständerätin.

Elisabeth Baume-Schneide während einer Medienkonferenz im Medienzentrum Bundeshaus.
Elisabeth Baume-Schneide während einer Medienkonferenz im Medienzentrum Bundeshaus.
Foto: Keystone/Anthony Anex

Baume-Schneider ist bereits das zweite Parlamentsmitglied, das während der Herbstsession in Quarantäne musste. Vergangene Woche traf es Nationalrat Daniel Brélaz (Grüne/VD). Er selbst wurde zwar negativ getestet, musste aber zuhause bleiben, weil sein Sohn positiv getestet worden war.

Corona-Schnelltest bald erhältlich

Der Sars-CoV-2-­Rapid-Antigen-Tests von Roche soll noch diesen Monat an Diagnostik-Labors ausgeliefert werden, wie blick.ch berichtet. Damit könnte ein Corona-Verdacht schneller abgeklärt werden. Zwar kann man den Test nicht zu Hause selber durchführen, sondern muss dafür weiterhin zum Arzt oder in ein Testzentrum. Allerdings liegen die Resultate schneller vor. Die neuen Schnelltests werden allerdings vom BAG noch nicht empfohlen, weil sie noch nicht validiert seien.

Roche bringt zudem einen kombinierten Grippe-Corona-Test heraus, dessen Ergebnisse innerhalb von drei Stunden vorliegen sollen und Klarheit schaffen, woran Patienten erkrankt sind.

Ob sich die Tests eignen, um die Quarantänedauer oder die Einreiseregeln bei Rückkehr aus Risikogebieten zu lockern, steht nicht fest. Der Bundesrat prüft bereits Verkürzungen und Lockerungen (Maske statt Quarantäne? Lesen Sie hier, was die Wissenschafts-Taskforce derzeit abklärt).

Hälfte fordert freiwillige Impfung

Die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz wünscht sich eine freiwillige, von der Grundversicherung bezahlte Impfung gegen das Coronavirus, wenn ein wirksamer Impfstoff auf den Markt kommen sollte.

Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes Comparis hervor. 49,2 Prozent der Umfrageteilnehmenden forderten danach eine Übernahme der Kosten durch die Grundversicherung für alle – nicht nur für Risikogruppen, wie bei der Grippeimpfung. Diese Haltung ist vor allem in der deutschsprachigen Schweiz verbreitet

Ein Fünftel der unter 56-Jährigen will jedoch einen allgemeinen Impfzwang. 19,6 Prozent der 15- bis 35-Jährigen und 19,4 Prozent der 36- bis 55-Jährigen wünscht sich diesen. Der Anteil der Impfzwangbefürworter ist in der Romandie mit 23,2 Prozent in allen Altersgruppen (gegenüber 15,1 Prozent bei den Deutschschweizern) und bei Personen mit hoher Bildung besonders hoch.

Eine klare Mehrheit will zudem Bussen für das Nichteinhalten der Quarantänepflicht und die Angabe von falschen Personendaten in Restaurants oder Clubs (73,4 Prozent) sowie beim Verschweigen von Kontaktpersonen nach einem positiven Corona-Test (68,7 Prozent).

Auch das Nichteinhalten der Maskenpflicht an vorgeschriebenen Orten sollte gemäss einer Mehrzahl der Befragten (66,7 Prozent) gebüsst werden. 67,9 Prozent der Befragten möchte jedoch keine Bussen für ein Brechen der Abstandsregeln. Das gilt vor allem für die unter 35-Jährigen.

Deutschland setzt Freiburg auf Risikoliste

Deutschland hat wegen der gestiegenen Zahl der Coronavirus-Neuansteckungen eine Reisewarnung auch für den Kanton Freiburg ausgesprochen.

Freiburg gilt in Deutschland jetzt offiziell als Corona-Risikogebiet, wie aus der am Mittwochabend aktualisierten Liste des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Deutschland warnt vor der Reise in mehrere Regionen, darunter neu auch in die österreichische Hauptstadt Wien.

Bereits letzte Woche setzte Deutschland die Waadt und Genf auf seine Risikoliste. Diese wird vom deutschen Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch Institut erstellt und veröffentlicht.

Belgien setzt Kanton Waadt auf Quarantäneliste

Das belgische Aussenministerium hat den Kanton Waadt in seiner Risikobeurteilung von Status Orange auf Rot gesetzt. Das berichtet «Le Matin» am Mittwochabend. Die Waadt gilt wegen seiner explodierenden Fallzahlen aktuell als Corona-Hotspot in der Schweiz (lesen Sie hier die Hintergründe dazu). Für die belgische Bevölkerung sind «nicht essentielle» Reisen in Gebiete mit höchster Warnstufe grundsätzlich verboten. In der Schweiz betrifft dies die aktuell die Kantone Freiburg und Waadt. Wer trotzdem eine Bewilligung bekommt, muss sich nach seiner Rückkehr zwingend testen lassen und sich anschliessend 14 Tage in Quarantäne begeben.

Weitere Kantone mit Status Orange in Belgien: Wallis, Jura, Genf, Neuenburg, Aargau, Bern, Solothurn, Basel, Zürich, Schwyz und Zug. Alle anderen sind grün.

Zwei Atemschutzmasken mit ungenügender Schutzwirkung zurückgezogen

In der Schweiz sind zwei Atemschutzmasken wegen ungenügender Schutzwirkung zurückgezogen worden. Es handelt sich dabei um die Maske «KN95» des Herstellers Huihong sowie um die Maske «Top-KN98-KEN01».

Mund-Nasen-Schutz «Top-KN98-KEN01».
Mund-Nasen-Schutz «Top-KN98-KEN01».
Quelle: Büro für Konsumentenfragen

Die Aristos International GmbH hat in Zusammenarbeit mit der Suva die Atemschutzmaske «KN95» des Herstellers Huihong wegen ungenügender Schutzwirkung zurückgezogen, teilte das Büro für Konsumentenfragen am Mittwoch mit. Es bestehe eine Gesundheitsgefährdung.

Atemschutzmaske «KN95» des Herstellers Huihong.
Atemschutzmaske «KN95» des Herstellers Huihong.
Quelle: Büro für Konsumentenfragen

Betroffene Kunden wurden aufgerufen, mit der Aristos International für einen Austausch mit einem konformen Ersatzprodukt Kontakt aufzunehmen, wie aus einer Mitteilung des Büros für Konsumentenfragen vom Mittwoch hervorgeht.

Aufgrund einer ungenügenden und falsch deklarierten Schutzwirkung bestehe für die Verwender der Masken das Risiko, gegen irreversible Gesundheitsschäden ungenügend geschützt zu sein, heisst es. Kunden wurden gebeten, die Atemschutzmaske nicht mehr zu verwenden.

In Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) rief gleichentags die SwissCommerce AG die Atemschutzmaske «Top-KN98-KEN01» ebenfalls wegen ungenügender Schutzwirkung zurück. Die Begründung war die Gleiche. Betroffene Kunden wurden aufgerufen, mit der SwissCommerce AG Kontakt aufzunehmen für einen Austausch mit einer konformen Ersatzmaske. Die betroffene Atemschutzmaske war auf der Webseite www.reitsport.ch angeboten worden.

53 Bieler Schüler in Quarantäne

In der französischsprachigen Sekundarschule «Collège des Platanes» in Biel haben sich mehrere Schülerinnen und Schüler mit dem Coronavirus infiziert. Das Kantonsarztamt hat entschieden, die Klassen der betroffenen Schüler in Quarantäne zu schicken. Das sind 53 Personen.

Wie die kantonale Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion am Mittwoch mitteilte, sind in zwei neunten Klassen je zwei Personen positiv auf Covid-19 getestet worden. In einer weiteren neunten Klasse ist ein Klassenmitglied infiziert. Die Quarantäne dauert voraussichtlich bis zum 24. oder 25. September.

Ferner ist eine Lehrperson der Schule positiv getestet worden. Sie trug während des Unterrichts eine Maske, weshalb die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse nicht in Quarantäne müssen. Bis zum Ferienbeginn am 18. September müssen diese Schüler aber eine Maske im Unterricht tragen.

Das Collège des Platanes beherbergt vier neunte Klassen, fünf achte Klassen und vier siebte Klassen.

BAG meldet 514 neue Ansteckungen

Das BAG meldet 514 Neuansteckungen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages bei 17'861 Tests. Es gab sieben neue Todesfälle und 18 Personen mussten ins Spital eingewiesen werden. Die aktuelle Positivitätsrate beläuft sich auf 2,9 Prozent.

Am Mittwoch vor einer Woche lag die Zahl der gemeldeten Neuansteckungen bei 469 Fällen. Am Dienstag waren es 315, am Montag waren es 257 und am Sonntag 475.

Insgesamt wurden in der Schweiz bisher 1'221'858 Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19, durchgeführt. Davon waren nach Angaben des BAG 4,7 Prozent positiv. 4709 Personen mussten wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden, 1755 sind verstorben.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie 48'265 laborbestätigte Fälle. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich am Mittwoch 2034 Personen in Isolation und 5737 Menschen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 7075 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

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Hobbykicker muss 40 Kollegen in Quarantäne schicken

Ein Berner Hobbyfussballer wurde positiv auf das Coronavirus getestet und musste daraufhin selber 40 Personen in die Quarantäne schicken. Erst zwei Tage später hatte das Contact-Tracing-Team Kapazität die Betroffenen zu kontaktieren. In der Zwischenzeit sollte er dies selber machen, wie «20 Minuten» berichtet.

Der 19-Jährige entwickelte nach einem Training vergangenen Donnerstag Symptome. Damit begann für die Mannschaft eine Odysee der Ungewissheit. «Ich hatte starke Kopfschmerzen und fühlte mich fiebrig», sagt der junge Fussballer. Nach einem Corona-Test kam am nächsten Tag dann der Befund: Er war positiv.

Wenige Stunden später kontaktierte ihn das Contact-Tracing-Team des Kantons Bern. «Ich musste angeben, mit wem ich in den letzten Tagen engeren Kontakt hatte – das waren viele.»

Einige Tage nach dem letzten Training musste die ganze Mannschaft des angesteckten Hobbykickers in Quarantäne.
Einige Tage nach dem letzten Training musste die ganze Mannschaft des angesteckten Hobbykickers in Quarantäne.
Foto: Sportamt Stadt Bern

Damit es schnell ging, wurde der 19-Jährige dazu aufgefordert, alle Betroffenen gleich selber über die Quarantäne zu informieren. Erst in einem zweiten Schritt musste er die Kontaktdaten den Contact-Tracern schicken.

«Wir waren völlig im Ungewissen», sagt ein Mitspieler. «Erst am Montagmittag bekam ich einen Anruf und mir wurde offiziell mitgeteilt, dass ich seit Freitag in Quarantäne stecke.»

Bei der Corona-Hotline des BAG zeigte man sich erstaunt darüber, dass die Mannschaft nach 48 Stunden noch immer nicht vom Kanton kontaktiert worden sei.

Die Frage, ob das Contact-Tracing-Team mit den steigenden Infektionszahlen überfordert sei, verneint ein Sprecher der Gesundheits- und Fürsorgedirektion auf Anfrage von «20 Minuten».

Es sei ein besonders intensives Wochenende für das Team gewesen. «Wir haben Hunderte, wenn nicht gar Tausende Telefonate geführt.» Jeder Fall gebe unterschiedlich viel zu tun. Besonders viel Arbeit machte dem Team auch der Fall des Hobbyfussballers.

Contact-Tracing-Team wird aufgestockt

Der junge Mann sei sportlich sehr aktiv und in zwei Vereinen. Entsprechend hätten viele Anrufe geführt werden müssen. Das Berner Contact-Tracing-Team reagiert nun auf die hohe Anzahl Neuinfizierter und die damit einhergehende Arbeit: «Bisher hatten wir am Wochenende einen reduzierten Betrieb. Das ändern wir ab dieser Woche», sagt Giebel.

Derzeit sind 50 Personen angestellt, hinzu kommen 20 Kapo-Mitarbeiter, die dort ebenfalls im Einsatz stehen. Gemäss Giebel wird das Team weiter ausgebaut: «Diese und nächste Woche starten jeweils fünf neue Mitarbeiter. Ausserdem sind wir noch immer auf der Suche nach weiteren Angestellten.»

Umzüge an Luzerner Fasnacht abgesagt

Die Umzüge der Luzerner Fasnacht 2021 finden wegen der Coronapandemie nicht statt. Das Luzerner Fasnachtskomitee hat unter anderem den Fritschiumzug vom Schmutzigen Donnerstag und den Weyumzug abgesagt.

Auch der Fasnachtsmarkt und die Usgüüglete seien abgesagt, sagte Präsident Dani Abächerli am Mittwoch in Luzern vor den Medien. Damit finden die vier grossen Anlässe des LFK nicht statt. Man sei nicht der Meinung, dass sich die Situation mit Covid-19 Anfang 2021 gravierend verändern werde.

Schweiz könnte Quarantäne für Rückkehrer vekürzen

Bundesrat Ueli Maurer geht davon aus, dass die Schweiz die Quarantäne für Menschen nach der Rückkehr aus einem Risikoland wird verkürzen können. Dies sagte der Finanzminister in einem Interview mit der SRF-TV-Sendung «Tagesschau» vom Dienstag.

«Wir diskutieren, wie schnell wir die Leute, die negativ sind, auch wenn sie in einem gefährdeten Gebiet waren, wieder in die Wirtschaft, an den Arbeitsplatz zurückschicken können», sagte Maurer. Es seien dringend sehr viele Tests nötig, um festzustellen, wer wirklich infiziert sei.

Laut Bundesrat Ueli Maurer seien dringend sehr viele Tests nötig, um festzustellen, wer wirklich infiziert sei.
Laut Bundesrat Ueli Maurer seien dringend sehr viele Tests nötig, um festzustellen, wer wirklich infiziert sei.
Foto: Peter Schneider/Keystone

In der Schweiz müssen seit Anfang Juli alle Personen zehn Tage lang in Quarantäne, nachdem sie aus einem Staat oder Gebiet mit hohem Ansteckungsrisiko in die Schweiz eingereist sind. Mit der Massnahme will der Bundesrat die Einschleppung des Coronavirus eindämmen.

In mehreren Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, ist eine Diskussion um eine Verkürzung der Quarantäne etwa auf sieben oder gar fünf Tage im Gang. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erklärte bislang, es gebe keine neuen Daten, die zeigen würden, dass eine Verkürzung sicher wäre. Bei einer Verkürzung würden viele Leute, die infiziert seien, «verloren» gehen, sagte Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten beim BAG, vergangene Woche in einem Interview.

«Haben Geld nicht für zweiten Lockdown»

Finanzminister Maurer erklärte weiter, das Land müsse weiter die Risiken für eine Infektion eingrenzen und an die Eigenverantwortung der Bürger appellieren. «Die Schweiz kann sich keinen zweiten Lockdown leisten. Dafür haben wir das Geld nicht.»

Das Parlament habe etwas über 30 Milliarden Franken an zusätzlichen Ausgaben bewilligt, erklärte Maurer. Man werden etwa 18 Milliarden davon brauchen. Aufgrund auch weniger Einnahmen würden Ende Jahr zusammen rund 22 Milliarden Franken mehr Schulden anfallen.

Bei den Steuereinnahmen rechnet Maurer damit, dass 2024 wieder das Niveau wie vor der Pandemie erreicht werde. Eine Steuererhöhung werde wohl nicht nötig sein. «Wir müssen zurückfinden zur Disziplin in der Ausgabenpolitik», mahnte Maurer.

Fallzahlen im Thurgau wieder so hoch wie im April

Im Kanton Thurgau steigt die Coronazahlen wieder an: In der vergangenen Woche kamen 48 Neuinfektionen hinzu. Der Schnitt der Fallzahlen ist so hoch wie zuletzt im April.

Waren die Fallzahlen im Kanton Thurgau zuletzt rückläufig, so steigen sie seit vergangener Woche wieder an, wie die Thurgauer Staatskanzlei am Dienstag mitteilte. In der Woche vom 7. bis 14. September kamen im Kanton Thurgau 48 Neuinfektionen hinzu. Eine Kumulation habe den Anstieg verursacht. Die Übertragungsmuster und -orte sind vielfältig.

Mit dem Anstieg an Kontaktpersonen erhöhe sich auch der Aufwand des Contact Tracings. Es dauert länger, bis die Übertragungsketten unterbrochen werden können. Nicht nur die Fallzahlen, auch die Reproduktionszahl ist wieder ansteigend.

Waadt schliesst Clubs, weitet Maskenpflicht aus und verbietet Anlässe ab 100 Personen

Der Kanton Waadt reagiert auf die stark zunehmenden Corona-Fallzahlen. Er schliesst Nachtclubs, führt eine Maskenpflicht in allen öffentlichen Gebäuden ein und verbietet Anlässe ab 100 Personen.

Der Kanton informierte am Dienstagmorgen die Medien über die neuen Massnahmen. Sie gelten ab 15 Uhr am Donnerstag, 17. September.

Das Maskentragen ist in Cafés, Restaurants, Bars oder Casinos sowohl für Angestellte als auch für die Kunden obligatorisch. Getränke dürfen nur noch an Orten serviert werden, wo sie im Sitzen getrunken werden. Ebenfalls ist eine zuverlässige Identifikation Voraussetzung. Die Maskenpflicht gilt zudem in allen öffentlich zugänglichen geschlossenen Räumen wie Theater, Konzertsäle, Museen, Ausstellungen oder Bibliotheken.

Sorge um Kapazität der Spitäler

Die Zahlen zeigten deutlich, dass die Zahl der Ansteckungen wieder ansteigen würde, sagte die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz. Ziel des Kantons sei es immer gewesen, einerseits insbesondere die verletzlichen Personen zu schützen und andererseits dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde.

«Es könnte bald passieren, das ein Spital keine Kapazität mehr hat»: Die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz äussert sich vor den Medien zu den steigenden Fallzahlen. (15. September 2020)
«Es könnte bald passieren, das ein Spital keine Kapazität mehr hat»: Die Waadtländer Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz äussert sich vor den Medien zu den steigenden Fallzahlen. (15. September 2020)
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Nach einer vorübergehenden Stabilisierung änderten sich nun aber die Zahlen, stellte Ruiz fest. Am Montag befanden sich im Kanton Waadt 33 Personen wegen Covid-19 im Spital.

«Es könnte bald passieren, das ein Spital keine Kapazität mehr hat», warnte Ruiz. Sorgen bereitet der Kantonsregierung, dass die Altersklasse der über 65-Jährigen wieder stärker von Corona-Infektionen betroffen ist.

Lesen Sie zum Thema: Contact-Tracer kommen an ihre Grenzen

«Die erste Sorge der Regierung ist die Gesundheit der Menschen», sagte Philippe Leuba, Vorsteher des Departements für Wirtschaft. «Die zweite Sorge gilt aber der Wirtschaft.» Man habe versucht, herauszufinden, wo sich die Menschen am häufigsten anstecken: das sei einerseits im Nachtleben und andererseits an privaten Partys. Aus diesem Grund habe die Regierung beschlossen, die Ausbreitung einzudämmen.

Es sei enorm wichtig, einen zweiten Lockdown zu verhindern, wie Leuba weiter sagte. Nur schon 2000 Menschen in der Quarantäne zu haben sei «beträchtlich».

Corona sei eine simple Grippe, sagte der Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba (FDP) zu Beginn der Pandemie. In keinem Kanton starben in der Folge mehr Personen als in der Waadt, und nun steigen die Fallzahlen erneut stark an.
Corona sei eine simple Grippe, sagte der Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba (FDP) zu Beginn der Pandemie. In keinem Kanton starben in der Folge mehr Personen als in der Waadt, und nun steigen die Fallzahlen erneut stark an.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Zuletzt schnellte die Zahl der Neuinfektionen in der Waadt in die Höhe. Von den am Freitag vom BAG gemeldeten 528 Fälle in der Schweiz entfielen 208 alleine auf den Kanton Waadt. Das entspricht rund 40 Prozent.

Auch bei der Anzahl der Corona-Infektionen pro hunderttausend Einwohner innerhalb der letzten vierzehn Tage hat die Waadt mit 197 Fällen die schlechteste Bilanz aller Kantone. Freiburg weist einen Wert von 136, Genf 124 und Zürich 62 auf. Zur Erinnerung: Die Schweiz schreibt eine zehntägige Quarantäne für Reisende aus Ländern vor, die den Grenzwert von 60 übersteigen.

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sda/reuters/red