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Kunden platzt der KragenSwiss mit Betreibungen in Millionenhöhe

Weil die Swiss die Tickets nicht zurückzahlen will, wird die Airline nun eingedeckt mit amtlichen Betreibungen. Ein Gläubiger verlangt über 4 Millionen Franken zurück.

Wegen der Corona-Krise fuhr die Swiss den Flugplan zeitweise fast komplett herunter: Bei den meisten Betreibungen dürfte es sich um Rückerstattungen von Flugreisen handeln.
Wegen der Corona-Krise fuhr die Swiss den Flugplan zeitweise fast komplett herunter: Bei den meisten Betreibungen dürfte es sich um Rückerstattungen von Flugreisen handeln.
Foto: Urs Flueeler (Keystone)


Bei der Fluggesellschaft Swiss türmen sich die Betreibungen. In den letzten Wochen gab es gleich Dutzende Zahlungsaufforderungen. Dies zeigt ein Auszug aus dem Betreibungsregister der Fluglinie, welcher der SonntagsZeitung vorliegt. Insgesamt belaufen sich die Betreibungen seit Anfang April auf 4,48 Millionen Franken durch total 72 Gläubiger. Ende März fuhr die Swiss den Flugplan praktisch komplett herunter. Die Kunden blieben auf ihren Tickets sitzen.

Die weitaus grösste Forderung stammt von DER Touristik Suisse. Zum Reisekonzern gehören Kuoni, Helvetic Tours sowie Spezialveranstalter. Am 22. Juni hat das Unternehmen eine Betreibung von knapp 4,2 Millionen eingereicht (siehe Ausriss). Die Swiss wiederum hat dagegen wie bei allen anderen Forderungen Rechtsvorschlag erhoben.

Auch ein Ethikprofessor betreibt die Swiss

Bei den meisten Betreibungen dürfte es um Rückerstattungen von Flugreisen gehen, die wegen der Corona-Krise ausfielen. Dies ist aufgrund der Beträge zu vermuten, die zwischen knapp 200 Franken bis mehreren Tausend Franken schwanken. Unter den Gläubigern befinden sich Chefs von KMU, Ehepaare, viele Juristen und Anwälte, aber auch ein hoher Manager eines grossen Innerschweizer Industriekonzerns und ein Ethikprofessor.

DER Touristik Suisse will sich zu den Betreibungen nicht direkt äussern. Ein Sprecher schreibt: «Wir befinden uns mit der Swiss bezüglich der zurückgehaltenen Kundengelder für nicht durchgeführte Flüge im ständigen Dialog und hoffen auf ein einvernehmliches Ergebnis dieser Gespräche – dies bei Wahrung unserer Rechte.» Die Swiss liess eine Anfrage zu den Betreibungen unbeantwortet.

Swiss will die Höhe der Forderungen nicht nennen

Klar ist, dass die Betreibungen nur einen kleinen Teil aller Forderungen ausmachen. Die Airline, die mit staatlichen Mitteln gerettet werden muss, will den genauen Betrag nicht nennen, den sie Passagieren und Reisebüros insgesamt schuldet. Swiss-Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour sprach Anfang Juli von einem dreistelligen Millionenbetrag. Die Summe von 800 Millionen Franken, die in den Medien genannt wurde, sei falsch.

Goudarzi Pour sagte, es sei das Ziel, in den nächsten sechs Wochen die Ansprüche jener Kunden, die am längsten warten, «weitgehend abzuarbeiten». Gemäss Auflagen des Bundes muss die Swiss den Reiseveranstaltern bis spätestens Ende September die Forderungen erstatten. Viele Kunden wollen aber nicht länger warten und haben die Airline betrieben.