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Surf-Sound und Wüstenrock

Die Musikfestwochen starten heute mit ausgezeichneten Bands aus Kalifornien, Niger und der Schweiz.

«Tuareg-Musik enthält alles, Jazz, Rock und Blues», sagt der Gitarrist und Sänger Omara Moctar alias Bombino.
«Tuareg-Musik enthält alles, Jazz, Rock und Blues», sagt der Gitarrist und Sänger Omara Moctar alias Bombino.
zvg

Obwohl er sich auf den ersten Blick nicht von der Stelle zu bewegen scheint, ist an diesem vibrierenden Gitarrenrock alles in Bewegung, und das oft in hohem Tempo, dazu kommt ein unerschöpflicher Reichtum an Melodien: Der 37-jährige, aus Niger stammende Gitarrist und Sänger Omara Moctar, der sich Bombino nennt, und seine gleichnamige Band produzieren auf der Basis ständig variierter Repetitionen, wie sie für den «Wüstenrock» typisch sind, einen hinreissenden, rhythmisch geprägten Sound.

«Tuareg-Musik enthält alles, Jazz, Rock und Blues»

Bombino über seine Musik

Wie bei den aus Mali stammenden Tinariwen und ihren Nachfolgern Tamikrest (letztere spielen am kommenden Montag an den Musikfestwochen) verbinden sich in der Musik von Bombino Traditionen der Tuareg mit westlichen Einflüssen, namentlich dem Blues.

«Tuareg-Musik enthält alles, Jazz, Rock und Blues», meint Bombino in einem Interview auf die Frage nach der Identität der Tuareg-Musik.

Auf dem aktuellen Album «Azel», das von David Longstreth von den Dirty Projectors produziert und 2016 beim Label Partisan Records erschienen ist, kommt auch noch Reggae dazu, was dem Ganzen noch mehr Swing verleiht. Das Album ist in voller Länge auf Youtube zu hören.

Live zu erleben sind Bombino heute abend auf dem Kirchplatz (20.30 Uhr). Eine gute Gelegenheit, die Band und ihre Musik vorab kennenzulernen, bietet die Session im Studio des alternativen amerikanischen Radiosenders KEXP aus Seattle.

Die Session von Bombino beim Radiosender KEXP. Quelle: youtube

Cooler Surf-Sound

Wenn auf der kleinen Bühne der Tuareg-Express Fahrt aufnimmt, herrscht auf der grossen Bühne in der Steinberggasse bereits ein Surf-Sound-Feeling wie in den 1960er-Jahren. Verantwortlich dafür ist die kalifornische Band Allah-Las (20.15 Uhr). Auffallendstes Merkmal des Quartetts ist neben der Coolness eine Vorliebe für wenige, einfache Akkorde, die das Ganze zunächst sehr simpel aussehen lassen.

Aber der erste Eindruck täuscht. Die sonnendurchfluteten, schläfrigen Songs sind ein Amalgam aus Sixties-Garagenrock, Surf-Sound und texanischem Punkrock, mit Anleihen bei den Beatles und den Beach Boys; zuweilen wird es auch psychedelisch oder es erinnert an legère und lustvoll gefilmte Zombie-Streifen, was dann an der zum Abgründigen neigenden Melancholie im Gesang des Frontmanns Miles Michaud liegt.

Das alles, und das ist wohl das Entscheidende, wird zu einem schwebend-leichten Stimmungsteppich verwoben, auf dem man gerne durch die Nacht gleitet. Das gilt auch für das dritte, 2016 beim Label Mexican Summer erschienene Album «Calico Review».

Von den Allah-Las sind auf Youtube gleich mehrerer KEXP-Sessions zu sehen und zu hören, in deren Verlauf die Moderatoren sich immer auch kurz mit der Band unterhalten. Der von der Universität von Washington unterstützte Sender ist eine Fundgrube.

Allah-Las bei KEXP. Quelle: youtube

Sogar von der ersten Band des heutigen Musikfestwochen-Eröffnungsabends gibt es eine KEXP-Session, die kurioserweise am Festival Trans Musicales im französischen Rennes aufgenommen wurde: Fai Baba, die Band des Zürcher Sängers und Gitarristen Fabian Sigmund. Fai Babas innovativer Bluesrock entwickelt, nicht zuletzt dank dem rastlosen Drummer Domi Chansorn, dichte Stimmungen und einen unglaublichen Drive, dem man sich kaum entziehen kann.

Fai Baba in Rennes. Quelle: youtube

Dichtes Innenleben

Alles in allem sind es Songs, die das Innenleben erkunden: Auf Fai Babas fünftem Album «Said And Horny», erschienen 2016 beim Label A Tree in a Field, herrsche zumeist «nachdenkliche Leichtigkeit», und es gebe «Anspielungen auf die Beatles und auf Chris Isaak», urteilte die «Berner Zeitung». Live zu hören ist die Band heute abend auf der Steinberggasse (18.30 Uhr).

Auf der «Startrampe», der kleinen Bühne mitten auf der Steinberggasse, ist die Zürcher Band Soybomb um den Winterthurer Songschreiber Beda Mächler , der bereits mit der Rockband Neckless in Erscheinung getreten ist, in einem Kurzauftritt zu erleben: Der ungemein kraftvolle Soundmix aus Synthiepop, Gitarren und gefühlvoller Stimme macht Soybomb zu einer der interessantesten jungen Rockformationen (19.30 Uhr).

Wer nach Bombino und den Allah-Las Lust auf weitere interessante Stilkreuzungen hat, kann im Albani zum Synthie-Pop von All XS in die Nacht eintauchen. Das junge Berner Quartett überrascht mit einem vielschichtigen, frischen Soundmix, der laut Eigendeklaration unter anderem frühen britischen Rave und äthiopische Volksmusik enthält (22 Uhr).

Musikfestwochen-Eröffnungsabend: Fai Baba: 18.30 Uhr; Allah-Las: 20.15 Uhr, Steinberggasse. Bombino: 20.30 Uhr, Kirchplatz. All XS: 22 Uhr, Albani, Steinberggasse. Bei allen Konzerten Eintritt frei, Kollekte.

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