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Entscheidende Tage bei AryztaStreit um das Erbe von Gipfeli-König Hiestand geht in die nächste Runde

Der Backwarenhersteller Aryzta hält am Mittwoch eine ausserordentliche Generalversammlung ab. Doch die angekündigte Kampfwahl um den Posten des Verwaltungsratspräsidenten ist nun abgesagt.

Vor der Fusion: Eine Hiestand-Mitarbeiterin am früheren Produktionsstandort in Lupfig AG.
Vor der Fusion: Eine Hiestand-Mitarbeiterin am früheren Produktionsstandort in Lupfig AG.
Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Wo soll man bei der Geschichte rund um den Backwaren-Riesen Aryzta bloss anfangen? Etwa beim Aufgehen von Hiestand, der Firma von Gipfeli-König Alfred «Fredy» Hiestand und der irischen Firma IAWS im Konzern Aryzta? Bei den folgenden Jahren, in denen das Unternehmen auf Wachstumskurs war, sich dabei aber überschuldete und trotzdem noch fürstliche Löhne an die Topmanager ausbezahlte? Oder im Jahr 2017, als die komplette Chefetage zurücktrat? Allein diese Episoden zeigen: Bei der Firma mit etwas über 3 Milliarden Franken Umsatz lief in den letzten Jahren vieles schief. Da passen die neusten Ereignisse bestens hinein.

Eigentlich hätte es am Mittwoch zum grossen Showdown kommen sollen. Eine Aktionärsgruppe rund um den aktivistischen Investor Veraison will unter anderem einen neuen Verwaltungsratspräsidenten installieren. Der heisst Urs Jordi und ist in der Branche ein bekannter Name. Jordi war einst Chef bei Hiestand und danach auch bei Aryzta tätig. Er kennt also das Geschäft mit den Tiefkühlbackwaren sehr gut.

Auf der anderen Seite ging Aryzta mit Andreas Schmid ins Rennen. Schmid ist Multi-VR, derzeit ist er etwa Verwaltungsratspräsident beim Flughafen Zürich. Früher war er unter anderem beim weltweit grössten Schokoladenhersteller Barry Callebaut, beim Tabakkonzern Oettinger Davidoff, bei Gategroup und vielen anderen mehr tätig.

Im August präsentiert, im September der Rückzug

Schmid wurde erst im August vom Konzern als neuer Präsident ins Spiel gebracht. Doch am Dienstag hat sich Schmid zurückgezogen. Die offizielle Begründung: Er habe sich für eine unabhängige Firma oder ein Unternehmen mit starken industriellen Interessen zur Verfügung gestellt, heisst es in einer Mitteilung. Doch es sei nun so, dass diese Lösung nicht länger eine Option sei. Damit wird auf Verhandlungen angespielt für eine mögliche Übernahme durch die Investorengruppe Elliott des amerikanischen Milliardärs Paul Singer, die letzten Donnerstag bekannt geworden sind.

Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, dass Aryzta übernommen werden könnte: Die Firma selbst hatte angekündigt, dass es mehrere Interessenten für eine Übernahme gebe. Für Schmid dürfte ein solcher Schritt also nicht überraschend gekommen sein. Auch wenn er Ende August in der «Bilanz» sagte: «Ein schneller Verkauf steht nicht im Vordergrund.»

Möglich ist, dass bereits durchgesickert ist, wie die Mehrheiten bei der elektronischen Abstimmung im Vorfeld der ausserordentlichen Genervalversammlung liegen. Und Schmid dabei gegenüber Jordi den Kürzeren zog. Bis letzten Freitag konnten die Aktionäre abstimmen, nur wenige werden wohl am Mittwoch noch ihre Stimme abgeben. Möglich also, dass Schmid die Konsequenzen aus den Voten gezogen hat.

Egal, warum sich Schmid nun zurückzog: Die Geschichte rund um Aryzta ist damit nicht abgeschlossen. Nun ist es realistisch, dass Veraison-Mann Urs Jordi am Mittwoch tatsächlich zum neuen Verwaltungsrat gewählt wird. Auf Anfrage bestätigte ein Sprecher, dass die Generalversammlung wie angekündigt stattfinden wird. Die Verhandlungen mit Elliott können nach der Wahl fortgesetzt werden. Sollten sie scheitern, weil Elliott etwa ein zu tiefes Angebot macht, hat das Unternehmen einen ebenso langen Weg vor sich.

Aryzta schrieb in den vergangenen Jahren immer wieder Verluste, der Aktienkurs rasselte in den Keller. Die Verschuldung ist hoch. Die Schulden will die Gruppe rund um Veraison um 600 Millionen Franken senken. Das soll mit Verkäufen passieren. Entsprechend dürfte auch in Zukunft wenig Ruhe in die Firma kommen. Und das Erbe von Gipfeli-König Alfred Hiestand wird noch für viele Schlagzeilen sorgen.

Er selbst hatte sich erst vor kurzem in der «SonntagsZeitung» kritisch gegenüber dem einstigen Börsengang von Hiestand geäussert: «Rückblickend war es ein Fehler, an die Börse zu gehen.» Erst dadurch war das Zusammengehen von Hiestand und IAWS überhaupt ermöglicht worden. Und dies steht am Anfang dieser unrühmlichen Geschichte rund um den Backwarenhersteller.