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Stillstand bei Europas Autobauern bringt Schweizer Zulieferer in Not

VW, Opel und Co. setzen ihre Produktion in Europa wegen Corona weitgehend aus. Die Vollbremsung trifft die Schweizer Autozulieferer mit voller Wucht.

Auch die VW-Tochter Audi stoppt die Produktion an mehreren Standorten. Foto: Keystone
Auch die VW-Tochter Audi stoppt die Produktion an mehreren Standorten. Foto: Keystone

Über der Autobranche hat sich mit der Corona-Krise ein perfekter Sturm zusammengebraut. Branchenriesen wie Volkswagen, Audi, Fiat, Peugeot und Renault müssen ihre Produktion in Europa teils für mehrere Wochen einstellen. Ihnen fehlen entweder wichtige Zulieferteile oder es kommen wegen der Krise nicht mehr genug Arbeiter in die Fabriken.

Der plötzliche Stopp bringt Schweizer Zulieferer ins Schleudern. Sie stellen sich auf eine Absatzflaute ein und dürften ihre Produktion ebenfalls drosseln. Eine weitere Welle von Kurzarbeit ist absehbar, auch wenn die meisten Unternehmen noch nicht abschätzen können, wie schwerwiegend die Auswirkungen des Stillstands sind. Denn noch ist unklar, wie lange der Unterbruch dauert.

Kurzarbeit ist in vielen Firmen ein Thema

Das Technologieunternehmen Feintool aus Lyss BE, das unter anderem Teile für Motoren, Fahrwerke und Getriebe produziert, stellt sich mit einer Ausweitung der Produktionsstopps bereits jetzt auf geringere Absatzmengen ein. «Wann die Arbeit ausgeht, hängt von der Durchgängigkeit der Lieferkette ab», sagt eine Sprecherin. «Die Folge für die Mitarbeitenden bei zu wenig Arbeit wird Kurzarbeit sein.»

Ein Sprecher des Schaffhauser Traditionskonzerns Georg Fischer sagt, der Produktionsstopp habe «natürlich» Auswirkungen. Weitere Kurzarbeit sei eine Möglichkeit. Georg Fischer beliefert die Autoindustrie mit Leichtbauteilen. Die Werke der Sparte befinden sich jedoch nicht in der Schweiz. Bislang hat der Konzern am Standort eines anderen Geschäftsbereichs im Tessin für zwei Wochen Kurzarbeit angemeldet.

Beim Technologiekonzern Oerlikon mit Sitz in Pfäffikon SZ laufen die Bänder zwar noch, wie ein Sprecher sagt. «Aber wenn die Autoindustrie die Produktion runterfährt, werden wir das merken», räumt er ein. Das Unternehmen könne darauf ebenfalls mit Kurzarbeit reagieren. Oerlikon liefert Beschichtungen, etwa für bestimmte Teile im Motorraum.

Von den Produktionsstopps betroffen ist auch der grösste Schweizer Autozulieferer Autoneum. Die Auswirkungen seien allerdings noch nicht absehbar, sagt eine Sprecherin. Die Firma mit Sitz in Winterthur fertigt Bauteile für den Schall- und Hitzeschutz in Autos.

Bereits vor Corona war die Lage angespannt

Die Luzerner Komax, deren Kabelverbindungsmaschinen bei praktisch allen grossen Autoherstellern im Einsatz sind, traut sich wegen der unabsehbaren Folgen des Virus-Ausbruchs derzeit keine Prognose für das laufende Jahr zu. Seine Mittelfristziele hat das Unternehmen gesenkt und weiter nach hinten verschoben. Und auch beim Thema Kurzarbeit ist die Firma vorgeprescht. Sie hatte diese bereits im Januar für die drei Standorte Dierikon LU, Rotkreuz ZG und Küssnacht SZ ab März angekündigt.

Das Beispiel verdeutlicht, dass die Lage nicht erst seit kurzem kritisch ist. «Bereits vor der Corona-Krise war die Autoindustrie nicht in einem guten Zustand», sagt Richard Frei, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Das habe unter anderem mit Unsicherheiten bei der Verschärfung von beispielsweise Abgasvorschriften oder mit dem Strukturwandel hin zu Elektromobilität zu tun. «Diese Situation war der Nachfrage nicht zuträglich – und das in allen wichtigen Absatzmärkten von China über Europa bis in die USA.»

Kleine Betriebe trifft die Krise besonders hart. Sie haben oft weniger Reserven als grosse Konzerne. Der für KMU-Firmen zuständige Branchenverband Swissmechanic begrüsst daher die Möglichkeit für Überbrückungskredite mittels Bürgschaften und die vereinfachte Kurzarbeitsregelung. «So können Entlassungen verhindert werden», erklärt der Verband.

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