Freizeit

Gemeinden sollen sich beim Sport besser vernetzen

Viel Potenzial liegt in der Region Pfannenstiel brach, wenn es um die Förderung von Sport geht. Der Sportkoordinator Beat Ladner hat untersucht, wo es hapert.

Für den Uetiker Beat Ladner müssten die Gemeinden in der Region Pfannenstiel zusammenarbeiten, um die Sportangebote für die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen.

Für den Uetiker Beat Ladner müssten die Gemeinden in der Region Pfannenstiel zusammenarbeiten, um die Sportangebote für die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen. Bild: Moritz Hager

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Alle Gemeinden kochen ihr eigenes Sportsüppchen. Sie  stellen den Vereinen Boden und Geld für den Betrieb von Sportanlagen zur Verfügung, unterstützen den Nachwuchs finanziell. Damit hat es sich aber oft. Vieles Weitere überlassen die Kommunen den Vereinen. Der Uetiker Beat Ladner hat im letzten Jahr die Gemeinden in der Region Pfannenstiel auf deren Verhalten bezüglich der Sport- und Bewegungsförderung  ihrer Bevölkerung untersucht.

Der 53-Jährige vermisst hier vor allem den Blick über die Grenzen. «Schon alleine zu sehen, welche Massnahmen die anderen Gemeinden zur Förderung von Sport und Bewegung ergreifen, könnte helfen, das Angebot aufeinander abzustimmen», sagt er. Dies würde sowohl den Vereinssportlern wie auch den Individualsportlern dienen. Es sei ein Trugschluss zu glauben, die Einwohner wüssten genug über das Sportangebot im Dorf. «Der Zugang zu den Sportmöglichkeiten soll optimiert werden, damit die Einwohner besser Bescheid wissen, welche Möglichkeiten es zur Ausübung von Sport und Bewegung in der Gemeinde gibt», erklärt Ladner. 

Jedes Jahr 1,35 Milliarden

Der grösste Vorteil ist daher, dass der Zugang zu Sport und Bewegung erleichtert wird - zum Beispiel mit einem Überblick über die Massnahmen zur Sport- und Bewegungsförderung in den einzelnen Gemeinde. Das wiederum würde die Nutzung der Infrastruktur steigern. Dazu brauche es Information und Kommunikation. Eine Sport-Website der Gemeinde mit Angaben zu allgemein zugänglichen Sporteinrichtungen sei nützlicher als eine Auflistung von Vereinen. Hombrechtikon habe immerhin schon einen Flyer mit Sportangeboten aufgelegt, Stäfa schaltet Wanderwege online. 

In Regensdorf ist Ladner Sportkoordinator. Dort fördert er die Vernetzung von Angebot und Benutzern, informiert und kommuniziert. Vor allem sensibilisiert er Behörden und Verwaltung, Sport und Bewegung als Thema des Gemeindealltag zu behandeln wie Strassenunterhalt oder soziale Dienste. Das sei auch nötig, verweist er auf die Bedeutung des Sports. Die Gemeinden in der Schweiz geben nämlich mit 1,35 Milliarden Franken pro Jahr dreimal mehr Geld für Sport aus als Bund und Kantone zusammen. Nicht zuletzt teilt der Bund mit dem Breitensportkonzept den Gemeinden die Hauptverantwortung zu bei der Förderung von Sport und Bewegung in der Bevölkerung. Darin steht explizit: Die Gemeinden sollen Fachstellen für den Sport schaffen, mit umliegenden Gemeinden kooperieren und Angebote entwickeln, die ein breites Zielpublikum ansprechen.

Zentrale Anlaufstelle fehlt

Was Ladner bei seiner Untersuchung aber herausfand, ist zum Teil recht ernüchternd. Zum einen beteiligten sich nur fünf der zwölf Gemeinden (Meilen, Männedorf, Uetikon, Stäfa und Egg) an seiner Umfrage. Zum anderen würde auch dort noch viel zu wenig für eine Vernetzung des Sportangebots getan. «Alle schauen nur auf sich selbst. Wir stehen erst am Anfang von einer systematischen Koordination von Sport und Bildung eines Sportnetzes.»

«Es geht nicht um mehr Geld, sondern darum, aus den
bestehenden Angeboten mehr herauszuholen.»
Beat Ladner, 
Sportkoordinator

Ladner kritisiert ein Denken, wie er es in seiner Arbeit bei den Mitgliedern der Gemeinderäte festgestellt hat: «Eine fixe, institutionalisierte Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden in Sachen Sport- und Bewegungsfördertung wird mehrheitlich ablehnend beurteilt.» Einzig Männedorf und Meilen haben schon eine zentrale Anlaufstelle wie zum Beispiel einen Sportkoordinator. Diese beiden Gemeinden arbeiten bei der Sport- und Bewegungsförderung mit den Nachbargemeinden zusammen.  Männedorf und Uetikon wiederum spannten beim Fussballclub zusammen. Sportnetze gibt es in der Region aber noch keine.

Die stiefmütterliche Behandlung des Sports erklärt sich der Uetiker Experte mit dem fehlenden  politischen Auftrag. In den Gemeinderäten herrsche die Haltung vor, wonach mit der Bereitstellung der Infrastruktur sowie die materielle Unterstützung von Vereinen und insbesondere des Nachwuchses genug getan sei. Das hält Ladner für zu wenig. «Es geht nicht um mehr Geld, sondern darum, aus den bestehenden Angeboten mehr herauszuholen», plädiert er für eine Zusammenarbeit in Planung und Betrieb der Anlagen über die Gemeindegrenzen hinweg.

Lobby für Individualsport

Kooperation verhindert gemäss Ladner etwaige Konkurrenzierung. Sie ermögliche zudem den Vereinen, ihr Wirkungsfeld auszudehnen. In vielen Sportarten müssen diese in zunehmend grösseren Einzugsgebieten denken, um ihre Mitgliederzahlen zu halten oder Teams für die Wettkämpfe zu stellen. «Ein Volleyballclub oder Badmintonclub muss sich für einen Meisterschaftsbetrieb regional orientieren», nennt Ladner Beispiele. 

Weil der Individualsport oft nicht so eine starke Stimme wie der Vereinssport besitze, mahnt er die Gemeinden. «Man sollte nicht nur an die grossen Sportanlagen denken, sondern auch an jene, die von unorganisierten Einzelsportlern gesucht werden: Velowege, Vitaparcours, Wanderwege.» Dort gebe es mehr Potenzial zur Förderung von Sport und Bewegung, doch seien die Gemeinden noch zu stark auf die Vereine fokussiert. Darum fordert Ladner, dass die Sportanlagen im Dorf mit einer Online-Reservierung besser zugänglich gemacht werden. Wichtig ist ihm auch, dass die Sportanlagen und Turnhallen möglichst weitgehend den Einwohnern zur Verfügung stehen. Diese sollten daher an Wochenenden und in der Ferienzeit nicht generell geschlossen sein. 

«Bezüglich interkommunaler Zusammenarbeit muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden», fasst der Uetiker seine Studie zusammen. «Eine solche braucht es jedoch, um die Sport- und Bewegungsföderung leistungsfähiger zu machen.»

Erstellt: 21.02.2019, 14:19 Uhr

So sportlich ist die Bevölkerung

Eine Studie zum Sport im Kanton Zürich 2014 attestiert der Bevölkerung in der Region Pfannenstiel im kantonalen Vergleich gute sportliche Aktivitäten. 26 Prozent der 15- bis 74-Jährigen sind Aktivmitglied in einem Sportverein, 20 Prozent sind Mitglied in einem Fitnesscenter, 41 Prozent sind freie Sportler. Im Vergleich zu einer Vorgängerstudie 2008 nimmt die Zahl der Vereinsmitglieder ab, jene der Besucher in einem Fitnesscenter zu.

In der Region Pfannenstiel kommen 1,8 Sportvereine auf 1000 Einwohner. Das entspricht im kantonalen Vergleich einer mittleren Vereinsdichte. Dafür liegt die Zahl der Aktivmitglieder mit durchschnittlich 172 pro 1000 Einwohner deutlich über dem kantonalen Durchschnitt von 121 Mitgliedern. (di)

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