Illnau-Effretikon

Auch die letzte Ruhe hat ein Ende

Zwei Jahrzehnte lang ruhen die Toten auf den Zürcher Friedhöfen. Eigentlich auch länger, denn bei Grabaufhebungen bleiben die Gebeine im Boden. Die Grabsteine hingegen kommen in den Schredder.

Friedhofgärtner Pio Merlo lockert den Grabstein mit der Schaufel, dann hebt ihn der Laswagenkran.

Friedhofgärtner Pio Merlo lockert den Grabstein mit der Schaufel, dann hebt ihn der Laswagenkran. Bild: Marc Dahinden

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Die Anzeige ist schnörkellos: «Das Erdgrabfeld Nummer 6 und Urnengrabfeld Nummer 12, Todesjahre 1990 bis 1991, werden aufgehoben», heisst es etwa in der amtlichen Mitteilung, kurz und klar. Sie erschien in der Zeitung, auf der Internetseite der Stadt Illnau-Effretikon und im Aushang der Friedhöfe. Die Stadt hat sich zudem bemüht, Angehörige direkt anzuschreiben, sofern sie die Adressen zur Verfügung hatte. «Die Leute zu finden, ist manchmal sehr aufwendig», sagt Friedhofsvorsteherin Ursula Studer.

Nachfahren holen Grabsteine

Bis Mitte März hatten Nachfahren die Möglichkeit, Grabsteine, Urnen und Pflanzen mitzunehmen. «Davon wird durchaus Gebrauch gemacht», sagt Studer. In diesem Jahr haben einige Angehörige die Steine abgeholt.

Auch Urnen werden hie und da zurückverlangt. «Die Angehörigen verstreuen die Asche dann an einem von ihnen gewählten Ort ausserhalb des Friedhofes», sagt Studer. Das ist erlaubt. Verboten ist es hingegen, die Urne im Wald zu vergraben.

Nach mindestens 20 Jahren ist die Grabesruhe beendet. In einigen Gemeinden dauert sie etwas länger, etwa in Illnau-Effretikon, wo Friedhofsgärtner Pio Merlo und drei weitere Mitarbeiter die Gräber nach 25 Jahren aufheben. Sie führen die Arbeiten einmal im Jahr, jeweils im April, durch. Dann, wenn der Boden meist nicht mehr gefroren ist.

Insgesamt 54 Gräber in Illnau und in Effretikon waren es dieses Jahr. Sie haben vergangene Woche vier Tage dafür eingesetzt. Je nach Anzahl Gräber wenden sie auch mehr Zeit auf.

Zuerst entfernen sie die Pflanzen und kompostieren sie. Mit dem Lastwagenkran heben sie dann den Grabstein aus der Erde. Will ihn niemand zurück, wird er im Betonwerk geschreddert. Grundsätzlich wäre es möglich, den Stein nochmals zu verwenden, ihn also von einem Steinbildhauer bearbeiten und neu gravieren zu lassen. «Das kommt heutzutage aber kaum mehr vor», sagt Studer.

Die Särge werden im Boden belassen. Früher wurden sie herausgenommen und kremiert. «Heute macht man das aus hygienischen Gründen nicht mehr», sagt Studer. Die Urnen hingegen werden ausgegraben und entsorgt, deren Asche auf dem Friedhof verstreut.

Seit rund zehn Jahren sind in Illnau-Effretikon nur noch biologisch abbaubare Urnen im Gebrauch. Diese bleiben in der Erde. Wer möchte, kann eine Urne auf eigene Kosten auch in ein jüngeres, bestehendes Grab umbetten lassen. Dadurch verlängert sich die Ruhefrist jedoch nicht. Solche Vorschriften sind in der Friedhof- und Bestattungsverordnung der Gemeinden zu finden (siehe Kasten unten).

Urnen liegen weniger tief

«Nach einer Aufhebung legen die Friedhofsgärtner an der gleichen Stelle nicht gleich wieder neue Gräber an», sagt die Friedhofsvorsteherin. Auf Erdgräber kommen erst in einigen Jahren wieder Erdgräber. Ansonsten sind es eher Urnen. Diese werden – anders als die Särge – 60 Zentimeter weniger tief vergraben.

Sind Pflanzen, Steine und Urnen einmal entfernt, bleibt blanke Erde zurück. Auf ihr sähen die städtischen Angestellten eine Wiese an, die im Sommer in allen Farben erblüht. (Landbote)

Erstellt: 11.04.2016, 18:04 Uhr

Die Grabesruhe von Reihengräbern kann nicht verlängert werden

Die gesetzliche Ruhefrist beträgt im Kanton Zürich 20 Jahre. Diese kann je nach Gemeinde und Grabart auch länger sein. In den Friedhöfen werden immer ganze Grabreihen oder Felder aufgehoben. Die Grabesruhe berechnet sich, sobald das letzte Feld einer Reihe belegt ist. Im Durchschnitt bleiben die Gräber also 20 bis 25 Jahre bestehen. Die Frist kann bei einem Reihengrab nicht verlängert werden, hingegen bei einem Familien- oder einem ­anderen Mietgrab schon. Diese sind allerdings kostenpflichtig.
In Illnau-Effretikon bleiben Familiengräber mit Option auf Verlängerung 60 Jahre lang bestehen, Kindergräber mindestens 20 Jahre, das Engelsgrab (für Totgeburten) ebenfalls.
Für die Einwohner einer Gemeinde ist die Grabräumung kostenlos. In Illnau-Effretikon wendet die Stadt rund 1250 Franken im Jahr auf, zuzüglich Arbeitszeit der Gärtner. In den Kosten enthalten sind das Entsorgen der Grabsteine, die Anlieferung von Humus für die Auffüllung, Grassamen, LKW mit Kranaufsatz und Bagger.neh

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