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ProbefahrtStart zur Mission Titelverteidigung

Der Tiguan ist der meistverkaufte VW weltweit und der beliebteste SUV Europas. Damit das so bleibt, wurde er umfangreich überarbeitet.

Sanfte Retuschen aussen, modernere Technik innen und zwei neue Modellvarianten machen den VW Tiguan fit für die zweite Hälfte seines Lebenszyklus.
Sanfte Retuschen aussen, modernere Technik innen und zwei neue Modellvarianten machen den VW Tiguan fit für die zweite Hälfte seines Lebenszyklus.
Bild: VW
Neben Benzinern und dem neuen Plug-in werden im Tiguan neu Twindosing-Dieselmotoren mit doppelter Harnstoff-Einspritzung angeboten.
Neben Benzinern und dem neuen Plug-in werden im Tiguan neu Twindosing-Dieselmotoren mit doppelter Harnstoff-Einspritzung angeboten.
Bild: VW
Der Tiguan R ist die neue Topversion des SUV, mit 320 PS, strafferem Fahrwerk und zwei Doppelendrohren am Heck.
Der Tiguan R ist die neue Topversion des SUV, mit 320 PS, strafferem Fahrwerk und zwei Doppelendrohren am Heck.
Bild: VW
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Er ist der heimliche Star der VW-Familie. Auch wenn sich die Wolfsburger noch immer gerne über den Golf definieren, den ID.3 als Wegweiser in die Elektromobilität feiern und den ID.4 als künftiges Weltauto inthronisieren, verkaufen sie derzeit von keinem andern Auto so viel wie vom Tiguan. In mittlerweile zwölf Jahren sechs Millionen Mal produziert, hat er sich mit seinen amerikanischen und chinesischen Derivaten längst am Golf vorbei auf den Thron geschoben – und will sich von diesem auch von einem elektrischen SUV wie dem ID.4 nicht stürzen lassen. Deshalb rüstet sich der Champion jetzt mit einem gründlichen Update zur Mission Titelverteidigung – und will die Herausforderer der Generation E dabei mit ihren eigenen Waffen schlagen.

Wenn in diesen Tagen zu Preisen ab 31’900 Franken die überarbeitete Version des Bestsellers in den Handel kommt, gibt es deshalb nicht nur die üblichen Retuschen an Schwellern und Scheinwerfern, sondern auch ein neues Bediensystem im Cockpit, mit reichlich Sensortasten statt realer Knöpfe, digitalen Instrumenten, grossem Touchscreen und einer eigenen SIM-Karte, die den Tiguan immer mit dem digitalen Orbit, seinen Suchmaschinen und Streamingdiensten verbindet.

Plug-in nur mit Frontantrieb

Aber vor allem bekommt der Tiguan endlich einen Stecker. Denn neben den beiden 1,5-Liter-Benzinern mit 130 oder 150 PS und den drei 2-Liter-Dieselmotoren mit 122 bis 200 PS bringt VW zum Jahreswechsel ab 49’650 Franken die überfällige Plug-in-Hybridversion. Die kombiniert wie bei Golf und Co. einen 1,4 Liter grossen Turbobenziner mit einer E-Maschine im Doppelkupplungsgetriebe mit einem Akku, dessen Kapazität von 13 kWh für maximal 65 Kilometer reichen soll. Allerdings nur, wenn man brav an der Steckdose parkt, wo der Tiguan auf eine Ladeleistung von bis zu 3,6 kW kommt.

Der Teilzeitstromer macht seine Sache zwar gut und fühlt sich mit seinen 85 elektrischen kW, einem flotten Antritt und einem flüssigen Fahrverhalten bis 120 km/h fast so elektrisierend an wie der ID.4. Und wenn man kräftig aufs Pedal tritt, dann wirft der 1,4-Liter-Benziner noch einmal 150 PS in die Waagschale, und mit einer Systemleistung von 245 PS und kumulierten 400 Nm geht es beherzt voran. Doch darf man sich von den Zahlen nicht täuschen lassen: Auch wenn der E-Hybrid so viel Leistung hat wie ein Golf GTI, ist er weder so leidenschaftlich, noch so schnell. Und obwohl der Tiguan zweifelsohne ein SUV ist und in den meisten Motorvarianten mit Allradantrieb an den Start rollt, wird die Kraft hier allein und ausschliesslich über die Vorderachse übertragen.

Diesel bleibt unverzichtbar

Digitalisierung, Vernetzung, Elektrifizierung – bis hierhin folgt der Tiguan den neuen Werten der elektrischen ID-Familie. Doch mit der Modellpflege lockt der Bestseller in Zukunft auch mit einer Währung, die in der Welt von Bits, Bytes und Batterien ziemlich knapp geworden ist und auch sonst bei VW nicht ganz so hoch im Kurs steht: Emotionen. Für die sorgt die Tochtermarke R GmbH, die sich nach zwölf Jahren erstmals den Bestseller vorgeknöpft hat und ihn zum Sportler macht. Schliesslich bläst durch die vier provozierend in den Blickpunkt gerückten Endrohre ein Vierzylinder, der 320 PS leistet und mit bis zu 420 Nm zu Werke geht. Das reicht nicht nur für Sprintwerte um fünf Sekunden, sondern macht aus dem eher biedern SUV ein Spassmobil. Dazu hat VW das Fahrwerk spürbar straffer abgestimmt, die Lenkung schärfer eingestellt und den Allradantrieb umprogrammiert. Dass der Wagen ein bisschen schwerer ist als ein Golf R und man ein wenig höher sitzt, hat man nach ein paar Kurven glatt vergessen.

Zwar schreitet mit dem E-Hybrid nun auch beim Tiguan die Elektrifizierung voran, und abgesehen vom R-Modell sind die Benziner mit ihrer Zylinderabschaltung und der baldigen Einführung von 48-Volt-Generatoren durchaus vernünftig. Doch während VW in der Klasse darüber beim Touareg den lieb gewonnenen V8-Diesel gerade ausmustert, halten die Wolfsburger auch dem Selbstzünder in dieser Liga nicht nur weiter tapfer die Treue, sondern nehmen noch einmal Geld für eine neue Generation in die Hand. Denn mit der Modellpflege halten auch beim Tiguan die ersten Twindosing-Diesel Einzug, die dem Ölbrenner mit doppelter Harnstoff-Einspritzung wieder eine weisse Weste verleihen sollen. Denn auch wenn das Interesse am Diesel weiter nachlässt, kann der Tiguan nicht auf die Selbstzünder verzichten, wenn er seine Rolle als Champion weiterspielen soll.

1 Kommentar
    Jürgen Baumann

    Das der Tiguan einen Stecker bekommt, ist nett. Aber das er am Ende seiner elektrischen Reichweite weiterhin Umwelt und Gesundheit strapaziert, ist doch eher nur weniger als Durchschnitt. Ein zukünftiges „stranded asset“?