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Kryptische KommunikationSRF bei den Managern

Der Gebührensender gibt seine Gmögigkeit auf – und schlägt sprachlich ganz neue Wege ein. Das bedarf der Klärung.

Hat viel Managementliteratur gelesen. Und man merkts leider: Die neue SRF-Kulturchefin Susanne Wille spricht sehr oft von «digitaler Transformation».
Hat viel Managementliteratur gelesen. Und man merkts leider: Die neue SRF-Kulturchefin Susanne Wille spricht sehr oft von «digitaler Transformation».
Foto: Lukas Mäder (SRF)

Jesses, was ist bloss mit unserem guten alten gmögigen SRF los! Vielleicht haben Sie das in jüngster Zeit auch schon gedacht, wenn Sie durchs Programm zappten. Oder wenn Sie von all den Veränderungen und Sparmassnahmen gehört haben, die bei unserem Service public anstehen.

Wir sind vor allem sprachlich befremdet. Jüngst etwa war bei SRF von einer «vektorübergreifenden Initiative» die Rede, worunter sich wohl die wenigsten etwas vorstellen können. Das Wort wirkt so exotisch, dass der Komiker Mike Müller auf Twitter die Ansicht vertrat, es müsste eigentlich «viktorübergreifend» heissen. Aber wir haben den schlimmen Verdacht, dass es SRF sehr ernst ist mit all den Management-Begriffen, die es da um sich wirft wie eine Schneekanone, die ausser Kontrolle geraten ist.

Hier eine Übersicht der wichtigsten SRF-Begriffe – und was sie bedeuten könnten:

Transformation

«Flexibel» und «dynamisch»: Bei SRF soll so viel in Veränderung sein, dass fast jede Verlautbarung mit Bewegungsmetaphern durchsetzt ist. Das absolute Lieblingswort von SRF ist «digitale Transformation», was wohl so oft verwendet wird, weil es nicht nur das Fernsehen und das Radio gibt, sondern eben auch noch dieses Internet, dem man sich nun anpassen muss.

Aber weil bei SRF einiges zugleich beim Alten bleiben soll, sprach eine Personalverantwortliche von der Wichtigkeit des «iterativen», also wiederholenden Arbeitens. Sie selbst arbeitet übrigens nicht mehr für SRF, sondern hat sich flexibel und dynamisch anderswohin weiterentwickelt.

Community

«Hallo SRF!» Bereits seit einiger Zeit entdeckt SRF sein Publikum und will ganz heftig mit ihm in «Dialog» treten. Weil «Publikum» aber nicht so sexy klingt, spricht man lieber von der «Community». Sogar dann, wenn man Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, die sich ans Jahr 1945 erinnern. Aber müsste man dann konsequenterweise nicht einige Sendungen umtaufen, zum Beispiel die mit den «Lüt», hiesse die nicht treffender «SRF bi de Community»?

Vektorübergreifend

Das grosse SRF-Rätselwort bleibt «vektorübergreifend». Gemeint sind damit Formate, die im TV wie auch im Internet funktionieren. Wir wären hier gerne tiefer gegangen. Aber eine Mail von SRF dazu landete in unserem Spam-Ordner, wo wir sie zu spät entdeckten. So ein Zufall.

8 Kommentare
    Hans Klein

    Man sollte diese Anfänger vom SRF auf einen Seminar für Journalisten schicken. Dort und nachher in Redaktionen sprudelt es so richtig von Anglizismen die kein Mensch mehr versteht.

    Je mehr Anglizismen, desto globalizismer. Oder wie und warum ?