Schwingen

Zwei Seebuben vor grosser Kulisse

Bevor Shane Dändliker und Nicola Wey am Eidgenössischen in Zug in die Hosen steigen, sprechen sie über Formstand, persönliche Favoriten und vergeben ein «Zähni».

Nicola Wey (rechts) und Shane Dändliker posieren in Feldbach mit dem Zürichsee im Hintergrund. Am Eidgenössischen in Zug wird die Kulisse für den Auftritt der beiden Schwinger wohl noch imposanter sein.

Nicola Wey (rechts) und Shane Dändliker posieren in Feldbach mit dem Zürichsee im Hintergrund. Am Eidgenössischen in Zug wird die Kulisse für den Auftritt der beiden Schwinger wohl noch imposanter sein. Bild: Sabine Rock

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Shane Dändliker und Nicola Wey, Sie beide wagen sich heute am Eidgenössischen Schwingfest in Zug in den Sägemehlring. Mit welchem Ziel?
Shane Dändliker: Möglichst bis Sonntagabend dabei zu sein, also acht Gänge zu schwingen.

Nicola Wey: Ich will mich im Vergleich zu meiner Premiere 2016 in Estavayer steigern und den Schnitt am Samstag nach vier Gängen überstehen. Sechs Gänge zu schwingen, ist das Ziel, acht wären sehr schön.

Wie beurteilen Sie Ihren aktuellen Formstand?
Dändliker: Ich fühle mich beschwerdefrei und unbelastet. Nach der Qualifikation fürs Eidgenössische war der Druck weg. Der Kapselriss am linken Daumen, den ich mir Anfang Saison im Training zugezogen habe, ist gut verheilt. Je nach Wetter spüre ich zwar noch ein Ziehen, aber beim Schwingen behindert mich der Finger nicht. Die jüngsten Erfolge haben mich zuversichtlich gestimmt. An Pfingsten habe ich das Bruederschwingen in Bachenbülach gewonnen, danach am Bündner, Schaffhauser und Appenzeller Kantonalen drei Kränze geholt. Und vor zwei Wochen auf der Schwägalp ist der erste Bergkranz hinzugekommen. Dieser ist für mich ein besonders schöner und wertvoller.

Wey: Nach zwei Kranzgewinnen am Zürcher und St. Galler Kantonalen früh in der Saison habe ich meine Form halten können. Am NOS in Hallau im Juli habe ich im 5. Gang leider gestellt, sonst hätte ich um den Kranz schwingen können. Auf der Schwägalp allerdings ist es mir vor zwei Wochen nicht gut gelaufen, ich konnte nur den ersten Gang gewinnen. Dafür habe ich mit guten Auftritten an kleineren Festen, etwa im Klöntal, Selbstvertrauen getankt.

Vertreten die Region am ESAF: Shane Dändliker und Nicola Wey.

Welche Stärken können Sie am Eidgenössischen ausspielen?
Dändliker: Darüber spricht man in unserem Sport nicht gern. (lacht) Bei mir stimmt die Kombination von Technik und Kraft. Ich bin ein offensiver Schwinger. Dazu passt mein Paradeschwung, der Übersprung, der ist frech und nie ohne Risiko.

Wey: Ich bin eher der technisch versierte Schwinger. Früher war ich recht schwer, habe viel mit dem Körper gemacht. Seit ich Muskelauf- und Fettabbau betrieben und mein Gewicht von 138 markant auf 105 Kilogramm reduziert habe, läuft es technisch besser. Meine Lieblingsschwünge sind der Hüfter und der Fussstich. Letzterer ist einer, den man nicht immer erwartet. Mit einer Körperfinte muss eine Drehung angetäuscht und anschliessend mit dem rechten Fuss der Gegner über den linken Fuss abgedreht werden.

Welchem Gegner würden Sie in Zug gerne aus dem Weg gehen?
Dändliker: Keinem. Wer vorne mitschwingen will, muss alle bezwingen können. Zugegeben, was ich nicht mag, sind die defensiven Gegner.

Wey: Da gibts keinen. Ich stelle mich jedem, der kommt.

Wer ist Ihr persönlicher Favorit auf den Festsieg?
Dändliker: Schön wäre, wenn der Sieger aus unserem Nordostschweizer Schwingerverband käme. Der Giger Samuel und der Orlik Armon sind da sicher heisse Kandidaten.

Wey: Ich setze auf den Orlik Armon. Schön wäre es, wenn der Sieg in die Ostschweiz ginge. Also würde es mich auch glücklich machen, wenn der Giger Samuel triumphiert. Der Reichmuth Pirmin aus Cham ist für mich ebenfalls ein grosser Siegesanwärter.

Hätten Sie freie Wahl, was würden Sie vom Gabentisch gerne mitnehmen?
Dändliker: Abgesehen von den zehn Lebendpreisen, sind an diesem Eidgenössischen die grossen Trycheln der Hammer. So eine sieht man nicht alle Tage. Ein E-Bike oder ein schönes Möbel würden mir auch gefallen. Aber ich lasse das einfach auf mich zukommen und schaue mich im Gabentempel um, wenn es so weit ist.

Wey: Ich fände es toll, wenn es für mich noch eine angeschriebene Gabe gäbe zur Erinnerung. Also eine schöne Trychel oder ein Holzgegenstand, eine Truhe oder ein Schrank.

Gibt es etwas, das Sie an einem Sonntagmorgen noch lieber riechen als frisches Sägemehl?
Dändliker: Kaum. Überall, wo ich Sägemehl rieche, fühle ich mich sofort zu Hause.

Wey: Während der Schwingsaison definitiv nicht. Aber im Winter durchaus, das wäre dann frisches Brot für einen Brunch mit der Freundin und der Familie.

Wen auf dieser Welt würden Sie mit der Maximalnote, einem «Zähni», auszeichnen und wofür?
Dändliker: Meine Eltern und meinen Schwingtrainer Urs Bürgler, der seit Jahren viel Zeit für mich investiert. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Wey: Müsste ich einen Sportler wählen, wäre das ganz sicher Roger Federer. Aus dem persönlichen Umfeld würde ich meinen Vater auszeichnen. Seit ich klein bin, begleitet er mich auf den Schwingplatz und an meine Handballmatches. Er hat mich immer unterstützt, und wir haben auch heute noch eine sehr enge Beziehung.

Erstellt: 23.08.2019, 17:32 Uhr

Zu den Schwingern

Shane Dändliker. – Alter: 24. – Wohnort: Feldbach. – Schwingclub: Zürichsee Rechtes Ufer. – Gewicht: 106 kg. – Grösse: 1.93 m. – Beruf: Zimmermann. – Kränze: 8. – Teilnahmen an einem Eidgenössischen: 1 (Zug 2019). – Grösste sportliche Erfolge: Bergkranz auf der Schwägalp (2019) und NOS-Kranz in Herisau (2018).

Nicola Wey. – Alter: 23. – Wohnort: Stäfa. – Schwingclub: Zürichsee Rechtes Ufer. Gewicht: 105 kg. – Grösse: 1.82 m. – Beruf: Zimmermann – Kränze: 8. – Teilnahmen an einem Eidgenössischen: 2 (Estavayer 2016 und Zug 2019). – Grösster sportlicher Erfolg: 3. Rang am Zürcher Kantonalen 2019 in Fehraltorf.

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