Tennis

«Zmorge wird immer wichtiger»

Um als Tennisprofi leben zu können, nimmt Marc-Andrea Hüsler auch einmal eine siebenstündige Busfahrt in Mexiko in Kauf. Am Wochenende ist der 21-Jährige Rüeschliker erstmals im Davis-Cup dabei.

Ein Käfeli braucht Marc-Andrea Hüsler manchmal als Muntermacher vor dem Training.

Ein Käfeli braucht Marc-Andrea Hüsler manchmal als Muntermacher vor dem Training. Bild: David Bruderer

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Sie haben sich einen Kaffee zubereitet. Was mögen Sie daran?
Marc-Andrea Hüsler: Den Gout und die Wirkung.

Also setzen Sie Koffein bewusst ein?
Nicht täglich. Aber wenn ich nach dem Essen in einem Loch bin, gönne ich mir vor dem Training ein Käfeli.

Ist Kaffee auch Ihr Lieblingsgetränk?
In der Schweiz und in Italien ist er meist sehr fein, sonst bekommt man im Ausland zum Teil eine ziemliche Brühe aufgetischt. Am liebsten habe ich aber Apfelschorle, das ist das gesündeste Süssgetränk. Im Training greife ich fast immer auf etwas Isotonisches zurück.

Bleiben wir beim Kulinarischen: Was essen Sie gerne?
Neuerdings Rösti mit Spiegelei, Speck und Käse. Als ich im November im Wallis war, stand Rösti auf der Speisekarte und ich kam nach drei Jahren wieder auf den Geschmack.

Wie steht es um Ihre Kochkünste?
Ich kann mich selbst versorgen, aber nach drei, vier Tagen ist es dann nicht mehr so abwechslungsreich. (lacht)

Inwiefern achten Sie als Sportler auf die Ernährung?
Ich versuche mich ausgewogen zu ernähren, allerdings ohne strikten Plan. Den Konsum von Teigwaren habe ich reduziert. Und der Zmorge wird immer wichtiger. Während der Schule hatte ich dafür einfach keine Zeit. Jetzt merke ich, dass ich nach einem herrlichen Früchtebuffet leistungsfähiger bin.

Ihre Mutter hat mal gesagt, pro Jahr verschlinge Ihre Tenniskarriere 100'000 Franken. Wie finanzieren Sie das?
Ohne die Hilfe meiner Eltern ginge es nicht. Ich versuche möglichst günstig zu reisen und für Unterkünfte wenig auszugeben. In Mexiko habe ich den siebenstündigen Transfer von einem zum anderen Turnierort zusammen mit Jessy Kalambay für 20 Dollar mit einem Nachtbus gemacht. Auch begleitet mich an die Turniere kein Coach. So versuche ich die Kosten im fünfstelligen Bereich zu halten.

«Die Woche in Basel war extrem motivierend.»Marc-Andrea Hüsler

An Preisgeld haben Sie im letzten Jahr knapp 25 000 Franken kassiert. Welches sind Ihre anderen Einnahmequellen?
Der Interclub mit dem TC Seeblick aber auch in Frankreich und neuerdings der Davis-Cup sind gute und wichtige Verdienstmöglichkeiten. Zum Preisgeld muss ich noch sagen, dass jeweils ein beträchtlicher Teil gleich als Quellensteuern abgezogen wird.

Im Gegensatz zum Uetiker Raphael Baltensperger trainieren sie nicht ausschliesslich im Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel. Weshalb?
Es wäre mir zu eintönig dort. Ich bin meist zwei Tage pro Woche in Biel und habe mit Swiss Tennis eine Vereinbarung, dass mich Raphis Coach Sven Svinnen an Turnieren unterstützt, wenn wir am selben Ort sind. Sonst arbeite ich, wie schon während meiner Zeit am Sportgymi mit Alexander Sadecky, Dario Camenzind und Roman Valent zusammen.

Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?
Als etwa Achtjähriger habe ich die Swiss Indoors in Basel besucht – letzten Herbst war ich selbst in der Qualifikation dabei. Das war unglaublich.

Und im Doppel standen Sie an der Seite der ehemaligen Weltnummer 1 Nenad Zimonjic sogar im Hauptfeld.
Eigentlich hätte ich mit Antoine Bellier spielen sollen, der dann aber nicht antreten konnte. Als Nenad nach einer Wildcard fragte, kam ich mit ihm zum Handkuss. Er hat als 41-Jähriger extrem viel Erfahrung und hat mir viele Tipps gegeben.

Von Roger Federer konnten Sie ja auch schon lernen.
Ja, wir trainierten vor Basel zusammen in Horgen. Meine erste Begegnung mit Roger hatte ich aber schon als Knirps, als ich bei einem «Match for Africa» mal eine Minute mit ihm lange Bälle schlagen durfte – aber daran erinnerte er sich nicht mehr. (lacht) Und in Basel fragte mich Roger für ein Sparring bevor er gegen Adrian Mannarino, der ebenfalls Linkshänder ist, spielen musste.

Wie sind Sie zum Tennis gekommen?
Meine Eltern lernten sich an denTennis-Hochschulmeisterschaften kennen. Sie verkehrten dann im TC Seeblick, wo ich von klein auf ebenfalls viel Zeit verbrachte.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?
Ich habe vor kurzem mit meinem Vater über die Highlights 2017 diskutiert. Die Woche in Basel war extrem motivierend, der Meistertitel im Interclub mit Seeblick sehr emotional. Und in Mexiko bei meinem ersten Future-Turniersieg war ich sehr nervös am Schluss, dafür war dann die Erleichterung riesig.

Und welches war die grösste Enttäuschung ihrer bisherigen Karriere?
Da gibt es schon genug. Gerade letzte Woche war das Future in Frankreich für mich punktemässig im Einzel und Doppel eine Nullnummer, obwohl ich nicht schlecht gespielt habe. Mit Alessandro Bega, der ATP-Nummer 340, konnte ich mithalten. Im entscheidenden Moment bei 5:5 im dritten Satz, war er einfach einen Tick besser.

Wann haben Sie von ihrem ersten Aufgebot für den Davis-Cup erfahren?
Seve Lüthi (der Davis-Cup-Captain; Red.) hat mir schon an der SM im Dezember in Biel gesagt, dass er im Sinn hat, mich mitzunehmen. Mitte Januar kam dann per SMS die Bestätigung.

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Astana gereist?
Das ganze Drumherum ist speziell. Wir sind schon am Samstag in der Business Class hingeflogen. So etwas würde ich mir nie gönnen. Es ist eine super Trainingswoche für mich, schliesslich geht es danach auf der Tour weiter. Das oberste Ziel ist, mich bei minus 20 Grad nicht zu erkälten. Ich bin zwar für das Doppel nominiert. Die Aufstellung kann allerdings bis eine Stunde vorher geändert werden.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?
Das hängt vom Tagesprogramm ab. Meist gehe ich eh gleich ins Training, dann reichen fünf Minuten inklusive Zähneputzen.

Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag tauschen?
Wie ein Tag von Roger Federer verläuft, kann ich mir gut vorstellen. Deshalb würde ich einen Politiker wählen, um einmal etwas ganz Neues zu sehen.

Welche Person bewundern Sie?
Vom Spielstil Feliciano Lopez. Und meine Eltern dafür, dass sie mir die Chance geben, voll aufs Tennis zu setzen.

Wo und mit wem verbringen Sie Ihre nächsten Ferien?
Nach den beiden Future-Turnieren in der Schweiz reise ich Mitte Februar nach Bergamo. Wenn ich beim Challenger nicht rein komme, mache ich dort ein paar Ferientage mit meiner Mutter. Dann geht es bis zum ATP-Turnier im Mai Schlag auf Schlag.

Ihr Lieblingssong?
«Hometown» von 21 Pilots oder «Wonderwall» von Oasis.

Ihr Lieblingsfilm?
«Now You See Me» oder dann die Serie «Game of Thrones».

Ihr Lebensmotto?
Du bist, was du machst – nicht was du sagst. Es gibt Spieler auf der Tour, die reden viel, handeln aber nicht danach.

Was ist Ihr grösstes Laster?
Früher wäre ich manchmal gerne in den Ausgang gegangen. Und wenn ich ging, hatte ich am anderen Tag im Training ein schlechtes Gewissen.

Und welches ist Ihre beste Eigenschaft?
Mein Fighter-Instinkt, ich habe noch nie in einem Match mental aufgegeben. Und ich kenne meinen Körper gut. Ich war bisher kaum verletzt.

Was macht Sie glücklich?
Ein Sieg. Der Teamspirit im Interclub, der fehlt sonst oft im Tennis. Und es ist toll, wie viele Leute ich kennen gelernt habe durch den Sport. Zeit mit meiner Schwester und meinen Eltern zu verbringen, geniesse ich sehr.

Was ärgert Sie?
Wenn es regnet. Die bitteren Niederlagen im Sport bringen mich im Leben weiter.

Was machen Sie in zehn Jahren?
Dann bin ich 31. Entweder spiele ich noch immer Tennis… Oder wenn ich den Durchbruch nicht schaffen sollte, habe ich dann vielleicht ein Studium abgeschlossen. Bisher ging es sportlich aber immer aufwärts. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 01.02.2018, 13:00 Uhr

Worum gehts?

Mit dem Schweizer Davis-Cup- Team ist Marc-Andrea Hüsler nach Astana, wo gegen Kasachstan bis am Sonntag um den Einzug in den Viertelfinal gespielt wird. Die ersten beiden Einzel heute Freitag bestreiten Henri Laaksonen (ATP 123) und Adrian Bodmer (ATP 485). Für das Doppel am Samstag hat Captain Severin Lüthi die beiden Debütanten Marc-Andrea Hüsler (ATP 324 im Doppel) und Luca Margaroli (ATP 161 im Doppel) nominiert, die im Dezember Schweizer Meister wurden. (db)

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