Snowboard

Die Leidenschaft ist geblieben

Vor exakt einem Jahr erlitt Tim Watter einen Achillessehnenriss. Nach einer Auszeit gab er im vergangenen Sommer seinen Rücktritt als Snowboardcrosser bekannt. Der Thalwiler hadert aber nicht, sondern ist voller Tatendrang.

Als Trainer bleibt Tim Watter dem Boardercross verbunden.

Als Trainer bleibt Tim Watter dem Boardercross verbunden. Bild: PD

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Gut gelaunt erscheint Tim Watter zum Interviewtermin mit dieser Zeitung. Eben zurück aus Arosa, wo er seit einer Woche einen neuen Job hat. «Es hat sich sehr spontan ergeben», sagt der 26-Jährige. «Meine Freundin erhielt kurzfristig eine Saisonstelle als Receptionistin in einem Hotel. Sie suchten noch Personal zum dazugehörenden Restaurant, wo Käsespezialitäten serviert werden. So führte das eine zum anderen.» Der Reiz des Neuen sei es gewesen, erzählt er. Er habe nicht lange gezögert und arbeitet nun als Koch.

«Ich könnte nie die ganze Woche im Büro sitzen.»Tim Watter

Rückblick: Tim Watter hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Denn exakt heute vor einem Jahr passierte das Unglück. Er erlitt bei einem Wettkampf einen Achillessehnenriss. Es war ein weiterer Rückschlag in der Leistungssportkarriere des Snowboardcrossers, wäre er doch für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang qualifiziert gewesen. Es wäre nach Sotschi 2014 seine zweite Olympia-Teilnahme gewesen. Schon zuvor hatten langwierige Verletzungen den Thalwiler, der nebst Olympia 32 Weltcuprennen und drei Weltmeisterschaften bestritt, immer wieder zurückgeworfen.

Rücktritt im August

Mit der neuerlichen Verletzung und den geplatzten Olympia-Träumen war für Watter klar, dass er «etwas Abstand» brauchte. So reiste er im Sommer mit seiner Freundin zwei Monate lang mit dem Wohnwagen durch Skandinavien. Zuvor hatte er wegen der langwierigen Verletzung ohnehin nichts machen können. Während der Auszeit machte er sich viele Gedanken über die Zukunft und kam zum Schluss, seine Karriere nach sieben Jahren im Weltcup zu beenden.

«Ich wollte zwar nicht wegen einer Verletzung aufhören», sagt Watter mit Blick zurück, «doch musste ich mich fragen, ob ich diesen Aufwand noch einmal für vier Jahre betreiben wollte.» Ein Vierjahres-Horizont deshalb, weil für ihn Olympische Spiele den Takt vorgaben. Sotschi 2014 war denn auch das absolute Highlight für den Zürcher, der in Hausen am Albis aufgewachsen ist und seit eineinhalb Jahren in Thalwil wohnt. «Unvergesslich» sei das Kribbeln gewesen, das er vor seinem Start in Sotschi verspürt habe. Dabei funkeln seine Augen.

Comeback kein Thema

Heute, ein Jahr nach seinem Achillessehnenriss und ein knappes halbes Jahr nach seinem Rücktrittsentscheid, schaut er auf eine «bewegte Zeit» zurück. «Es sind viele schöne Erinnerungen dabei. Es war ein Privileg, soweit in der Welt herumzukommen.» Dennoch habe er seinen Entscheid nie bereut.

«Es war damals zwar nicht einfach, meinen Trainer zu informieren, dennoch war der Entscheid klar.» Bei den ersten Wettkämpfen hätte es ihn zwar wieder «etwas gezwickt», sagt Watter. Obschon seine Verletzung vollständig ausgeheilt ist und er seinen Fuss wieder voll belasten kann, «war ein Comeback nie ein Thema», hält er fest.

Tim Watter bei einem Trainingslauf in Sochi bei der Winterolympiade 2014. Bild: Keystone.

Neue Perspektiven

Tim Watter ist einer, der immer etwas zu tun haben muss – ein Wirbelwind. Abwechslung ist ihm heilig. «Ich könnte nie die ganze Woche im Büro sitzen», betont er. Entsprechend spontan und flexibel ist er. Im Sommer, nur einen Tag nach seinem Rücktritt, stieg er bei einer Wakeboardschule am Zürichsee ein, wo er als Instruktor und Bootsfahrer fungierte. Dies wird auch 2019 wieder ein Thema sein. Arosa im Winter und Zürichsee im Sommer ist derzeit eine Kombination, die ihm gefällt.

Sport hat im Leben des Tim Watter immer eine wichtige Rolle gespielt. Seit dem zehnten Lebensjahr gibt Snowboard den Takt vor. Erst als Freestyler, ab 16 als Boardercrosser. «Snowboard war mein Leben», betont er denn auch. Wobei das Verb «war» durch ein «ist» zu ersetzen ist. Noch in der Schulzeit kam der Gedanke, später einmal etwas mit Sport machen zu wollen. Dies hat er noch während seiner Karriere umgesetzt und sich bei Swiss-Ski zum Regionaltrainer (Snowboard SBX) ausbilden lassen. Heute betreut er einige Athleten aus dem Snowboardcrossteam, unter anderen seinen Bruder Nick, der seit 2017 im Weltcupteam ist. «Der Bezug zum Sport ist nach wie vor da, nur die Optik hat sich verändert», sagt Tim Watter. So ist das Traineramt zu seiner zweiten Schiene geworden. Nun bietet er in einer provisorischen Trainingshalle ein funktionelles Training an, nicht nur für Snowboarder, sondern für alle Sportler.

Sein Zukunftstraum: Eine richtige Trainingshalle in einem Gewerbezentrum. Das Bedürfnis sei vorhanden, ist er überzeugt. Coachen, trainieren, die Zusammenarbeit mit Sportlerinnen und Sportlern, egal ob als Hobby- oder Spitzensport – das ist das, was Watter Spass macht. Und er betont: «Sport wird immer ein Teil meines Lebens bleiben.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.12.2018, 15:16 Uhr

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