Leichtathletik

Windspiele im Joner Grünfeld

Beim 27. Oberseemeeting luden hohe Temperaturen und reguläre Windbedingungen zu Topleistungen. Die Sprinter und auch Athleten aus der Region wussten sie zu nutzen. Als «Windopfer» sah sich Stab­springerin Angelica Moser.

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Sie sorgte für die beste Leistung und war verärgert: Die letztjährige U20-Weltmeisterin, EM-Siebte bei den Aktiven und Olympiateilnehmerin Angelica Moser übersprang 4,20 m und 4,45 m jeweils souverän. Als Tagessiegerin des 27. Oberseemeetings stand sie bereits nach ihrem Einstandssprung fest und so liess sie 4,61 m auflegen: neuer Schweizer U23-Rekord und (zu jenem Zeitpunkt) Schweizer Saisonbesthöhe.

Doch die 19-Jährige aus Andelfingen scheiterte dreimal und verlieh ihrem Ärger Ausdruck: «Dreimal habe ich mich nun auf dieser Höhe versucht, dreimal spielten die Bedingungen gegen mich.» Sowohl in Basel am Pfingstmontag, letzten Mittwoch in Emmenbrücke und nun in Jona blies ihr der Wind ins Gesicht.

Wenn der Wind schnell kehrt

Gewünscht wäre (regelmässiger und leichter) Rückenwind. Und ärgerlich war dieser Fakt darum, weil Moser nicht wie im Luzernischen zuletzt einen klar höheren Sprung hatte, sondern zwei. Beide Male riss sie die Latte beim Herunterkommen mit sich. «Ich kam nicht nach vorn», erklärte sie.

Betont sah Moser ihren Missmut dadurch, dass anschliessend für die Männer die Anlage gedreht wurde. «Die Wetter-App hatte den Windwechsel bei uns vorausgesagt», sagte die Zürcherin. Nach dem Einspringen drehte der Wind sodann sehr schnell. Zu sehen ist aber auch: Moser hat ihren Aufbau auf die Periode von Mitte Juli bis Mitte August ausgerichtet, mit der U23-EM und den Weltmeisterschaften. Deshalb befindet sie sich aufbaumässig in einer Trainingsperiode mit harten Einheiten.

Goll und Reais top

Optimal vom Wind profitieren konnten hingegen die Sprinter. Und zwei Bündner profilierten sich dabei besonders: die erst 18-jährigen William Reais und Judith Goll. Reais steigerte sich über 200 m von 21,34 auf erstklassige 21,16 Sekunden, Goll über 100 m von 11,90 (2017) oder 11,70 (2016) auf 11,66. «Unglaublich», sagte Reais, der erst vor drei Wochen zum Schweizer Pass gelangt ist und damit zu einem Hoffnungsträger für die U20-EM diesen Sommer im italienischen Grosseto geworden ist. «Die Bedingungen waren perfekt, ich hätte nie mit einer solchen Zeit geliebäugelt», frohlockte er.

Während Reais in dieser Saison von Erfolg zu Erfolg läuft, musste sich Goll lange gedulden. Ausschliesslich mit Gegenwind hatte sie zu laufen. Umso grösser war ihre Freude über die Leistung: «Unglaublich, ich konnte es zuerst gar nicht glauben, zumal ich anfänglich einen leichten Stolperer im Lauf drin hatte.»

Regionale Athleten in Form

Im Grünfeld erfreulich in Szene setzten sich auch etliche Athleten vom Zürichsee. Pascale Gränicher (LG Küsnacht-Erlenbach) realisierte mit 54,71 Sekunden in ihrer Disziplin über 400 m den erwarteten Sieg. Nicht ganz zufrieden war die 29-Jährige, obwohl sie erst zweimal schneller gelaufen ist. «Ich wollte die 54-Sekunden-Grenze durchbrechen», sagte die Schweizer Meisterin vom vorletzten Sommer. Bis auf eine halbe Sekunde lief sie an ihre persönliche Bestmarke heran, obwohl sie von niemandem gefordert werden konnte. Um ihre drittbeste Zeit handelte es sich, und bis vor wenigen Wochen hätte sich Gränicher noch über eine Bestleistung gefreut.

Platz 3 mit 14,72 m im Kugelstossen belegte Lukas Blass (LG Küsnacht-Erlenbach). Im 200-m-Sprint profitierte der Uetiker Philipp Rosenthal (LC Zürich) bei seinen 22,23 Sekunden von perfekter Windunterstützung. Um einen Hundertstel liess er bei seinem Sieg in der zweiten Serie Nicolas Meister (LC Rapperswil-Jona) hinter sich und um 28 seinen Bruder Alexander. Mit 14,83 Sekunden gewann Marisa Müller (LG Küsnacht-Erlenbach) die zweite Serie über 100 m Hürden.

Ott und das Warten

Und für einen Farbtupfer in einer technischen Disziplin sorgte Kugelstösser Gregori Ott. Der U23-Hallen-Rekordhalter rätselte: «Ich stosse immer ins selbe Loch.» Auf 17,62 m kam er, eine schier identische Weite wie in den vorangegangenen Wettkämpfen. Der Liestaler hofft auf den «Ausreisser nach oben». Zu wissen ist, dass der 23-Jährige nach zwei verpassten Saisons (Autoimmunkrankheit, Riss des Brustmuskels) durch einen Bänderriss im Fuss Ende April erneut zurückgebunden worden war. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.06.2017, 08:25 Uhr

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